05022019.

Wie erzählt man, dass man in dieser Geschichte die Anna, die vermeintlich Böse, wäre, dass man diejenige ist, die andere ohne Rücksicht auf Verluste verletzt hat?

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Vielleicht weist man als erstes darauf hin, dass Gut und Böse von Menschengeist definierte Moralvorstellungen sind, die sich nicht nur im Zeitenwandel ändern, sondern bereits von Mensch zu Mensch.

Vielleicht erwähnt man zu Beginn, dass Schuld und Unschuld selten klar definierte Seiten sind, wie Schwarz und Weiß, sondern ineinander übergehen, wie Tag und Nacht, und aus einem kalten Morgengrauen und einem warmen Abendrot bestehen können.

Vielleicht eröffnet man den Gedankenreigen aber auch damit, dass eine Freundschaft eine Beziehung ist, zu der zwei Menschen ihr Sein und ihr Gefühl beitragen und die von Beiden subjektiv hinsichtlich ihrer Wahrheit interpretiert wird. Der wahre Kern liegt irgendwo zwischen diesen beiden Menschen und ist selten bis nie sichtbar, und wenn dann nicht zur Gänze.

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Ich habe zwei Frauen bewusst aus meinem Leben gestrichen, beide unabhängig voneinander, beide jedoch zu einem relativ ähnlichen Zeitpunkt.

Es war (aus dem Nachhinein betrachtet) überraschend einfach, mich nicht mehr zu melden, Anrufe und SMS nicht zu beantworten, mich auf „abwesend“ zu schalten. Ich habe nicht die Wohnung, nicht die Stadt, nicht das Land gewechselt. Ich habe weder Arbeits- noch Freizeitgestaltung geändert.

Ich habe mich „nur“ selbst aus ihrem Leben herausgeschnitten. Habe Verlinkungen und Markierungen in den social media-Portalen entfernt, digitale Fotos gelöscht, nach und nach, wenn ich gerade daran gedacht habe oder es eben passte, nicht in Form einer To-do-Liste, sondern „ach, da war noch was“, und am Ende folgte der Klick auf „Freundschaft beenden“.

Vorbei.

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Wenn Sie mich nun fragen, warum und wieso und was genau der Grund…?

Ich könnte Ihnen zu jeder dieser beiden Frauenfreundschaften genau eine spezielle Situation schildern, in der es bei mir „Klick“ gemacht hat und ein Schalter umgelegt wurde. Je eine Situation, die für Sie als Leser*in sehr banal klingen würde, so sehr banal, dass Sie nur den Kopf schütteln würden.

Das Gefühl, das diese Situationen in mir auslösten, war ein „Ich werde nicht gesehen“ – es war ein eklatantes Ungleichgewicht, in das ich mehr und mehr Energie hinein gab und nichts zurück bekam. Es waren Beziehungen, die nur dadurch Bestand hatten, dass eine Hälfte sich oder einen Teil von sich zur Verfügung gestellt hat, so dass die andere Hälfte davon profitieren konnte. Wie eine Batterie, die ein Licht antreibt. Nur dass es sich um eine einseitige Verbindung handelte, in der die Batterie kein Solarpanel hatte, um sich durch das Licht wieder aufladen zu können.

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Letzten Endes war es Selbstschutz. Ich zog eine Reißleine, weil ich das Gefühl hatte mich selbst retten zu müssen.

Das ist meine Wahrheit der Geschichte. Ich weiß, dass die anderen beiden Beteiligten eine andere Geschichte erzählen, weil sie eine andere Wahrheit erlebt haben.

Mit beiden Frauen hatte ich jeweils noch zufällig Kontakt, wie man sich halt auf Weihnachtsmarkt oder Seefest so über den Weg läuft, und beide Male hatte ich das Gefühl, eine in der Konsequenz richtige Entscheidung getroffen zu haben.

(Die Ausführung, nunja, lässt sich mutiger, eleganter und rückgratvoller gestalten. Gebe ich zu.)

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Nie rechtfertigen.

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Frau Donnerhallens Gedanken zu Annas Geschichte.

Kikis Überlegungen zu Annas Geschichte.

Jawls Gedanken zu Annas Geschichte.

Evas Erinnerungen zu Annas Geschichte.

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01022019.

Was mich zurzeit in Rage versetzt, beliebige Reihenfolge:

  • Die scheinbare Notwendigkeit mich bereits vor der Geburt um die Betreuung in einem Jahr kümmern zu müssen, wegen extrem früher Anmeldefristen wegen hoffnungsloser Überfüllung gefühlt aller Kita-Plätze, und mir war zwar klar, dass unsere Gesellschaft familienfeindlich ist, aber nicht, dass es derart schlimm ist.
  • Männer, die mich auf der Straße von der Seite anquatschen, mit jovial-besserwisserischen Kommentaren – trotz eindeutiger keine-Kommunikation-gewünscht-Signale (Kopfhörer, Telefonat, kein Augenkontakt, stures auf-den-Boden-blicken, schnelle Gangart). Ein Verhalten, das sich aktuell wiederholt und häuft. (Und ganz ehrlich, ich möchte jedem Einzelnen in die Fresse hauen, bin aber zu gut erzogen. Was erlauben die sich, sich in mein Leben zu drängen?!)
  • Das System, das dafür sorgt, dass die Hilfsmaßnahmen für Migrantinnen, für die ich zurzeit tätig bin, jedes Mal nur für ein Jahr ausgeschrieben und eingekauft werden, max. jedoch für drei Jahre, und dass dabei das günstigste Angebot eingekauft wird, in dem der Personalschlüssel zu eng, die Coaches zu wenige und die Teilnehmerzahl die höchstmögliche ist. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn wenn wir weg sind, gibt es wieder eine Person weniger, die ihnen hilft, sich in unserem Land, unserer Gesellschaft und unserer Kultur zurecht zu finden. Es ist menschenunwürdig, wie wir, die wir nicht nur reich an materiellen Werten sind, sondern auch an Wissen und dem Zugang dazu, mit diesen Menschen umgehen.
  • Der Kunde, der sich einen Teilnehmerplatz erschummelt hat, diesen nun besetzt hält, weil er keine Lust auf Sanktionen hat, aber das Geld für sich und seine Familie von den Brüdern im Ausland zugeschustert bekommt und der sagt, wenn er arbeiten würde, hätte er weniger Einkommen zur Verfügung. Was stimmt, denn er hat mehr zur Verfügung als ich netto erhalte, aber halt auch nur wegen der auswärtigen Brüder. (Ich äh, hab zwar noch Schulden, aber auch meinen Stolz. Trotzdem.)
  • Dieses ganze abgefuckte Gesellschaftssystem, das nur noch dadurch zusammen gehalten wird, weil es ein paar wenige Idealistinnen gibt, wie bspw. Sozialpädagoginnen, Flüchtlingshelferinnen, Pflegerinnen, Sozialarbeiterinnen, Pädagoginnen etc., die für einen schlechten Witz an Gehalt dafür sorgen, dass die Alten nicht alleine und unversorgt sterben, dass die Abgehängten nicht eskalieren oder Amok laufen und dass Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende, Migrantinnen etc. zumindest ein Mindestmaß an Hilfe erhalten und irgendwie einen Rest Würde bewahren können.

Ich könnte noch weitete beliebige Kleinigkeiten aufzählen, aber dafür hab ich jetzt keine Zeit, weil ich noch Akten anlegen muss für die neuen Kundinnen nächste Woche und weil meine Stelle standardmäßig nicht in der Maßnahme eingeplant ist, aber alles dokumentiert, verwaltet und abgelegt werden will, weil das System es so vorsieht, weswegen meine Stunden vom Betreuungsschlüssel für die Kundinnen abgezogen werden, was weniger Zeit, weniger Betreuung und weniger Hilfe bedeutet.

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Ich möchte gerade sehr viel zerstören. (Die Schwangerschaft scheint mich zu radikalisieren.)

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Was wenn wir, die wir alle im sozialen Bereich arbeiten, durchgehend streiken würden?

Wer kümmert sich um eure Kinder und Alten? Wer sorgt dafür, dass ihr euch nicht mit den Kranken, den Obdachlosen, den Verwahrlosten, den Flüchtlingen, den Hilflosen, den Nicht-Gewünschten auseinander setzen müsst?

Wer ermöglicht euch eigentlich euer gutes, euer ignorantes Scheuklappen-Leben?

31012019.

Diese Woche zieht sich so lange wie der Januar sich gezogen hat, länger und länger. Mittwoch früh war ich bereits wochenendreif.

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Die Schwangerschafshormone machen das alles nicht einfacher, ich bin mürbe, meine Nerven liegen blank. Der Höhenunterschied zwischen Himalaya und Mariannengraben ist nichts gegen dieses Schwanken zwischen Vorfreude und sorgenvoller Spannung.

Die Dunkelheit der letzten Wochen ist dadurch noch stärker geworden. Gestern und Heute bestanden nach der Arbeit aus schlafen und weinen. Erst die Heimkunft des Mannes konnte mich wieder ins Gleichgewicht bringen sowie die damit einhergehende Beruhigung, dass ich nicht alleine bin. Dass da jemand diesen Weg mit mir geht, auch die Holperigkeiten.

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Wir beschäftigen uns mit Organisatorischem, vornehmlich mit Vorsorge. Patientenverfügungen, Testament, Vollmachten, aber auch ein nachträglicher Ehevertrag, Ausgleichszahlungen für Care-Arbeit und Rentenbeiträge werden hier gerade diskutiert. Nicht das Ob, sondern das Wie.

Der Mann ist Feminist, teilweise stärker als ich, und merkt es nicht einmal.

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Irgendwann in den letzten sieben Jahren sind wir erwachsen geworden.

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Und vielleicht geht es ja auch gar nicht darum, glücklich oder zufrieden zu sein, sondern meine inneren Dämonen erst auszuhalten und dann zum Schweigen zu bringen. Während des guten Lebens und mit all den Entscheidungen, die ich so treffe.

Zu akzeptieren, dass uneingeschränktes Glück oder auch Zweifelsfreiheit nicht ohne die Dämonen existieren können. So wie Tag und Nacht ohne einander nicht existieren.

Denn wie sollte ich Glück und Zufriedenheit sonst erkennen?

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Es wird.

29012019.

Wenn Sie wissen möchten, wie es um meinen Geisteszustand bestellt ist, dann beobachten Sie bitte einfach, was ich in meiner Freizeit oder am Abend auf dem Sofa mache.

Zurzeit habe ich eine Malen-nach-Zahlen-App für mich entdeckt. Ein Feld antippen, mit Farbe befüllen, fertig.

Ich muss nicht darüber nachdenken, welche Farbe ich für welches Feld nehme, denn alles ist vorgegeben.

Ich muss mich nicht über Fehler oder Korrekturen ärgern, denn eine einmal ausgewählte Farbe kann nur im vordefinierten Bereich gemalt werden.

Die Bilderchen sind hübsch und harmonisch, bleiben aber auch nicht im Gedächtnis hängen, belegen also keine Speicherkapazität.

Die Tätigkeiten meinerseits beschränken sich insgesamt auf Antippen und Atmen.

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Geht gerade noch so.

Mehr aber bitte nicht.

28012019.

Der Monat zieht sich wie ein ausgespuckter Kaugummi, der an den Schuhen kleben bleibt. Er fühlt sich auch so an, zäh, grau und unansehnlich.

Das Mantra dieser Tage: auch das geht vorbei.

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Im Traum Malaysia (?) in die Luft gejagt, als ich im Auftrag einer schwäbischen Geheimorganisation (?!) ein Päckchen nach Großbritannien schicken sollte, damit es China (?!!) nicht in die Hand fällt.

Die Explosion fand auch nur statt, weil zu meiner Überraschung die Bomben scharf waren – im Gegensatz zu den Spielzeugpistolen, die nur „klickklick“ machten.

Äh, ja.

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Wir haben das Kinderzimmer fertig gestellt. Das Bett müssen wir noch abholen, aber Wickelkommode, Stillsessel, ein Regal sowie das Beistellbett für die ersten Wochen sind da. Jetzt noch Bilder und Bücher. (Mir herzlich Wurscht, dass das Kind damit noch nichts anfangen kann, gehört für mich dazu.)

Die Familie kauft erste Geschenke, es macht mich irre, denn ich ahne, dass vieles unnützer oder hässlicher Schei* sein wird. Ich gebe zu, ich habe da nicht viel Vertrauen in unsere Verwandtschaft. (Wunschliste existiert, aber das stößt auf aktives Desinteresse bzw stumpfe Ablehnung. Wir werden also einiges an soziale Einrichtungen weitergeben, wenn es so weit ist.)

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Ich räume auf. Als wir vor 13 Monaten einzogen, haben wir vieles unbesehen einfach wieder in die Regale gepackt, nach dem Motto „passt schon“.

Jetzt hat mich nicht nur der Nestbautrieb gepackt, sondern auch die wahnwitzige Vorstellung „wie viel Vergangenheit schleppe ich mit mir herum, und was davon will (oder kann) ich meinem Nachwuchs später mal davon zumuten, sei es auch nur durch Zufall?“.

Daher wurden alle Tage- und Notizbücher entsorgt, viele Schulmädchenbriefe, Postkarten und ähnliche Schwergewichte, von denen ich nicht möchte, dass sie irgendwann von irgendwem gelesen werden.

Die Deutungshoheit über Details meiner Vergangenheit liegt also bis auf Weiteres bei mir. Und irgendwie ist es schön, das ganze Zeug los zu sein, denn es wirft keine (zusätzlichen) Schatten mehr auf mich.

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Zeitzeugen müssen andere werden.

25012019.

Ich hatte gestern einen Krankheitstag wegen bewegungsunfähig machender Rückenschmerzen gewonnen. Ursache höchstwahrscheinlich das Streichen des künftigen Kinderzimmers, was ich am Vortrag gemacht habe. Selbst schuld.

Entsprechend hatte ich ein leicht schlechtes Gewissen, was sich aber legte, als ich irgendwann aus purer Plattheit einschlief. Mitten am Tag. Heute merke ich, dass ich diesen zusätzlichen freien Tag sehr benötigt habe.

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Daher beschlossen, die neun Urlaubstage noch gleichmäßig vor dem Mutterschutz zu verteilen und in den nächsten neun Wochen (so ein Zufall!) nur noch an vier Tagen zu arbeiten.

Am Stück lohnt sich für mich nicht, da der beste aller Männer seinen Urlaub rund um die Geburt nehmen wird und allein zuhause bin ich dann noch oft genug.

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Gestern dann also nur Aufgaben erledigt, die Kür und nicht Pflicht waren: ein neues Rezept ausprobiert, dem Sonnenaufgang zugeschaut, Spaziergang mit dem Hund gemacht (okay, das war eher Pflicht, weil Le Wuff Bedürfnisse hat und ich die Schmerzen wegbewegen wollte) und viel befriedigender noch, am Babyquilt weitergenäht und kurz vor Vollendung gebracht.

Ein sehr guter und erfüllender Tag.

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Außerdem mir viele Gedanken gemacht, über meine Twitternutzung (merci, Frau Donnerhallen) und über die sog. #tenyearchallenge und mein Leben damals und heute.

Ich fing nämlich vor ein paar Tagen an, meine Kalender und Tagebücher aus dieser Zeit vor zehn Jahren zu überfliegen und – zu verbrennen. Da zeigt sich viel von der Frau, die ich mittlerweile bin und damals teils auch schon war, aber auch vieles was ich vergessen hatte, was innere Getriebenheit oder den sozialen Kontakt zu anderen Menschen angeht oder vergangene Freundschaften oder Liebschaften betrifft. (Vielleicht schreibe ich da noch ausführlicher darüber, aber erst einmal muss das noch ein bisschen in mir arbeiten.)

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Kommt Zeit, kommt Rat.

21012019.

Es gehören immer zwei Seiten dazu:

Eine, die es macht.

Und eine, die es mit sich machen lässt.

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Meine Geduld ist aktuell mit vielem zu Ende, keine großen Themen, eher viel Kleinkram, der sich häuft.

Heute früh war es die Kollegin, die mich seit dem Jahreswechsel liebevoll „Kugel“ oder „Dickie“ nennt, zu der ich meinte, dass ich es weder hören will noch lustig finde, weil ich mich in meinem schwangeren Körper recht unwohl fühle.

Ich machte den unbedachten Kommentar, dass ich die Zeit freudig erwarte, wenn das Kind einerseits aus mir raus und andererseits abgestillt sei, weil ich meinen Körper gerne wieder für mich hätte. Daraufhin hörte ich eine Tirade, dass ich mir Illusionen mache, mein Körper mir nie wieder gehören würde und ich auch „nur eine Mutter wie alle anderen sei“, mir viele Pläne schön reden könne und sowieso keine Chance habe.

Ich atmete tief durch, murmelte etwas von „du hast keine Ahnung, wie dickköpfig ich sein kann“ und wir begannen mit dem Meeting. (Was bedeutet, dass es erst kurz nach 8 Uhr gewesen sein muss und ich verlange hier und jetzt Bewunderung für meine Contenance. Und Kudos an die kinderlose Kollegin, die volles Verständnis für mich äußerte.)

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Ich habe Illusionen und Wunschvorstellungen zu meiner, unserer bevorstehenden Mutter- bzw. Elternschaft. Natürlich habe ich die und mein Mann ebenso, anders geht es doch gar nicht, denn sonst würde niemand mehr Kinder in die Welt setzen.

Was ich allerdings auch habe, das ist der absolute Wille dieses Elterndings auf unsere ureigene Weise durchzuziehen und zu gestalten, zudem die pure bis auf die Knochen gehende Angst davor, mich selbst zu verlieren und eine riesengroße wutentflammende Abneigung gegen Bevormundungen wie „du wirst schon sehen, bei dir wird es genau so sein, ich weiß es besser.“

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Die auf mich einprasselnden Projektionen bzw Kommentare von außerhalb sind vielfältig, haben jedoch (fast) ausschließlich mit meinem Körper zu tun:

„Bist du schon dick?“ – „Kugel, Dickie“ – „Bei dir sieht man ja noch gar nichts.“ – „Lass mal sehen, ach, bist du schmal.“ – „Die dicke Zunahme kommt zum Schluss.“ – „Du musst die Schwangerschaft genießen.“ – „Dein Bauch ist aber schon sehr klein.“ – „Das ist bei allen so, finde dich damit ab.“

Vergesst Individualität, Intellekt oder Inhalte. Ich bin in den Augen der Anderen mein Bauch. Ein rundes Ding mit zwei Beinen. Zum Gesicht schaut niemand mehr.

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Auffallend ist, dass der ganze Bullsh*t von Frauen mit Kindern geäußert wird. Es ist als hätten sich die Aasgeier in der Savanne versammelt und warteten nur darauf, beim Tod ihres flügellahmen Artgenossen Spalier zu stehen. Und ihn dann auszuweiden.

„Wir sind gescheitert, also musst du auch scheitern. Und wir sitzen in der ersten Reihe und schauen zu. Mit Popcorn.“

Unterstützung gibt es für praktisch-organisatorische Themen, „oh, wir haben noch <insert beliebigen abgerammelten Erstausstattungskram> im Keller, braucht ihr was?“, oder Tipps für Secondhand-Ware oder ähnliches, aber wehe eines der Rudeltiere äußert sich, dass es das nicht brauche, dass es etwas Anderes wolle oder nein, das nicht so empfinde und auch das anders machen möchte.

Die Hyänen warten schon.

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Ich fürchte, die wenigsten Frauen sind sich bewusst, was sie da äußern, was es auslöst und welche Wirkung es auf werdende Mütter hat. Verständnisvoll, empathisch oder unterstützend ist das jedenfalls nicht, auch wenn jede es nur gut gemeint haben will. Ob ich das hören möchte, fragt keine. (Ach, eigentlich wird das eh zu selten gefragt.) Resignierend, Druck aufbauend und ignorant trifft es für mich eher.

Was bleibt ist das Gefühl, bereits vor der Geburt alleine auf weiter Flur zu stehen und nicht nur mit der neuen Situation umgehen zu müssen, sondern auch gegen andere Mütter „kämpfen“, sich gar rechtfertigen zu „müssen“. (Machen wir uns nichts vor, auch das eine großartige Vorbereitung auf die Zeit mit Kind, wenn wir eh nichts mehr richtig machen können.)

All das nur, weil ich zumindest versuchen will, mein, unser eigenes Elternding durchzuführen.

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Vielleicht habe ich bislang nur Pech mit den kennengelernten Mütterexemplaren, vielleicht gilt aber doch das Prinzip pars pro toto. Vielleicht hadere ich noch zu sehr mit der Rolle, die da auf mich zukommt, vielleicht habe ich auch zu genaue Vorstellungen davon und muss mich noch davon lösen. (Das gibt sich automatisch, lasst mich so lange noch, danke.)

Vielleicht kenne ich mich mittlerweile aber auch gut genug, dass ich durchaus einschätzen kann, was ich brauche, dass es mir gut gehen wird und meiner Familie.

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Keine Moral.