08102018.

Ich finde es sehr berührend, dass der kleine Hund, wenn es ihm schlecht geht, zu mir getappst kommt. Dann hängt alles an ihm nach unten, was nur hängen kann, und er wirkt so hilflos. Das ist herzerweichend, wie er sich dann an mich drückt oder den Kopf an mir vergräbt.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass er sich in solchen Fällen bislang noch jedes Mal vor meine Betthälfte oder meine Füße übergeben hat. Irgendwas ist immer.

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Heute zum ersten Mal das Kind, mein Kind, unser Kind im Ultraschall gesehen. Nun, es wird ein Gummibärchen. Passt.

Zum ersten Mal zudem richtig Freude und Aufregung empfunden.

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Mir wurde nahegelegt, mich dringend um eine Hebamme zu bemühen, ich sei schon recht spät dran. Überhaupt waren die Helferin und auch die Ärztin überrascht, dass ich das Ausbleiben meiner Periode abwartete, bevor ich einen Test machte. Das sei heutzutage nicht mehr bzw nur noch selten üblich unter den jungen Frauen. Durch meine Suche nach einem Frauenarzt (17 Praxen habe ich abtelefoniert) und die daraus resultierende Wartezeit bis zum Termin, waren zusätzliche Wochen ins Land gegangen.

Ich formuliere es mal vorsichtig: das System stinkt, wenn mir in der 9. SSW geraten wird, mich zu beeilen, da ich sonst keine Betreuung mehr finden werde. Es stinkt zum Himmel, ganz und gar.

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Vieles davon war mir bereits bekannt und es gab einige Überlegungen in mir, nach denen ich aufgrund dieser Umstände von einer Schwangerschaft absehen wollte. Das Gesundheitssystem als Verhütungsmethode.

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Es geht voran.

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07102018.

Kurz überlegen, welches Datum und welches Jahr wir heute haben, ach, so lange ist es doch noch nicht her, dass ich schrieb, und doch, gefühlt eine Ewigkeit.

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Der Mann und ich werden Eltern. Das wirft mich vollkommen aus der Bahn, körperlich und seelisch. Ich bin vollkommen zerrissen, genießen oder ekstatisch freuen geht noch nicht so wirklich. (So, jetzt ist es raus.)

Es ist erst irgendwann Anfang Mai so weit (guter Monat, mein Kind!), ich habe also noch etwas Zeit zu eruieren, wie ich beruflich verfahren soll, da mein Vertrag befristet ist und mitten in der Elternzeit, im Mutterschutz (wie heißt das jetzt eigentlich genau?) enden wird und ich dann im schlimmsten Fall wieder arbeitslos dastehen werde.

Ich habe zudem ausreichend Zeit mich an dieses Alien in meinem Körper zu gewöhnen, das mir bislang Essen und Trinken sehr verleidet. Der Übergang von hungrig-schlecht-und-schwindelig zu satt-schlecht-und-kotterig ist fließend, keine Ahnung also was mein Körper so von mir will, ich probiere halt aus, hilft ja alles nix. (Vollmilchnussschokolade ist super, Cashewkerne und salzige Kekse wie TUC auch, gerne in Kombination. Kaffee geht zu meinem Leidwesen gar nicht mehr, überhaupt trinken, Alter, es ist ein Graus.) Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass Krokodile die bessere Wahl der Brutaufzucht getroffen haben.

Der härteste Brocken ist der Wahnsinn in meinem Kopf, die Angst, dass ich „werde wie meine Mutter“. Sie hat für mich gesorgt und mich beschützt, jedoch hatte (und habe) ich äußerst selten das Gefühl, dass sie meine Bedürfnisse gesehen hat oder sieht, und statt diese abzutun, auch annehmen und stehen lassen kann. Vermutlich ist das der Kern, ich denke da schon etwas länger daran herum, auch in Bezug auf die Geschichte mit meinem Bruder Anfang des Jahres, die auch noch nicht gelöst ist, und wo war ich doch gleich?

Es kommt hinzu, dass ich mich seit ich Teenager bin, dagegen gesperrt habe, „nur Hausfrau und Mutter“ zu werden. Und ich steuere gerade mit Lichtgeschwindigkeit darauf zu, siehe den Punkt mit der beruflichen Situation. Das macht mich richtig fertig. Mir ist übrigens klar, wie despektierlich und hochmütig das klingt, und genau so ist es in diesem Zusammenhang auch aufzufassen. Ich weiß, dass ich keine große Karriere im klassischen Sinne mehr starten werde. Mein Verstand weiß, was Hausfrauen und Mütter alles leisten müssen. Ich weiß, dass Hausfrau und Mutter heutzutage anders gelebt werden kann als in der Generation meiner Mutter. Ich weiß, dass es nicht zwangsweise mit Verdummung des Verstandes und mit Auflösung meines Ich einhergeht. (Da manifestiert sich gerade ein absolutes Schreckensbild vor meinem inneren Auge. Was einem halt so eingetrichtert wird, von Gesellschaft und Co. an sozialen Bildern, Erwartungen, Rollenklischees, Vorurteilen, Abwertungen.)

Aber, Herrgott, ich hatte mir vieles anders vorgestellt und es ist vieles anders gekommen, nicht schlechter, nicht besser, nur anders, und das ist gerade alles etwas viel. Völlig normal, habe ich mir sagen lassen.

Ich blicke also, wie gewohnt, vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Das wird schon alles werden. Irgendwie.

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Mut ist, der Angst ins Auge zu sehen statt sie zu leugnen.

29082018.

Meine Mutter hat sich mit 77 Jahren ihr erstes Smartphone gekauft. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Genervtsein.

Gefühlt ist die Distanz zwischen meinem Elternhaus und mir geschmolzen, quasi nicht mehr existent. Es ist als würde mir über die Schulter geschaut werden, als würde wieder gewertet werden, als hätte ich alle Kontrolle abgegeben. Als wäre ich nicht 700km entfernt, sondern 700m.

Der erste Impuls war „blockieren“, wenn ich sehr ehrlich bin – und das schmerzt -, dann war es ein „nicht mehr ins Leben lassen wollen“. Nichts mehr kaputt machen lassen durch Meinung, Wertung und ähnliche Übergriffigkeiten.

Ich bin 34, eigentlich sollte ich doch darüber hinweg sein. Oder?

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Nachträglich zum Besuch meiner Schwester der Gedanke, wie skurril das Leben sich entwickelt hat, indem sie, die sich so sehr gegen Regeln und Vorschriften der Altvorderen gewehrt hat, nun an eben diesen, anderen, ähnlichen Gesetzmäßigkeiten festzuhalten sucht.

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Gestern auf dem Fahrrad einer Frau begegnet, die so eine helle und zuversichtliche Ausstrahlung hatte, dass es mich durch den ganzen Tag trug.

Die Augen, das Lächeln, so groß und wohlgesonnen. Das war schön. Hach.

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Im Zweifel hilft unter dem Kirschbaum liegen und in den Himmel zu gucken.

Unerheblich dabei die Größe des Kirschbaums.

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Ich bin unglaublich privilegiert, dass ich die aktuelle politische Lage größtenteils ignorieren kann bzw konnte. Das überfordert mich, der Hass überfordert mich. Ich habe keine Idee, wie ich, wir, die Gesellschaft gegen die Nazis, die unsere Demokratie infiltriert haben, vorgehen können.

An anderer Stelle und zu anderer Zeit schrieb ich, dass Demokratie aushalten können muss. Ich fürchte, dass diese Zeiten nicht mehr sind.

Es ist (spätestens jetzt!) die Zeit, sich zu empören, aufzubegehren und dem braunen Dreck die Stirn zu bieten. Laut und stark.

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Empört euch!

11082018.

Der Patenneffe ist nun eingeschult. Gewachsen ist er heute um einige Zentimeter, und wir schauen nun wie sich das alles entwickelt. Vom Ernst des Lebens war die Rede und davon, dass er nun 13 Jahre zur Schule gehen muss und ähnliches dummes Zeug.

Ich sehe ein Kind, das am liebsten rennt, viel draußen ist und nicht still sitzen kann, und hoffe einfach mal das Beste. Was wünscht man da? Neugier mag helfen, Spaß vielleicht, in diesem Fall Ausgleich durch Sport sicherlich.

Die Sporttasche gefüllt mit Süßigkeiten scheint nicht so falsch gewesen zu sein.

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Heute vieles gesagt, zu noch mehr geschwiegen. An guten Tagen beherrsche ich diese Disziplin besser als an anderen, jedoch nie perfekt.

Mein Herz liegt mir auf der Zunge. Und im Gesicht. Da hilft dann auch die Sonnenbrille wenig.

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Wind, Wolken, norddeutscher Sommer. Sonnenbrand.

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Gutes Leben.

05082018.

Gestern einen neuen Mitbewohner im Haus gehabt, einen Grashüpfer, sehr grün, sehr groß und sehr laut.

Er war schon nachts durch das Schlafzimmerfenster ins Haus gelangt und mit ein Grund für meinen schlechten Schlaf. Wir haben ihn liebevoll vor die Tür gesetzt, und hoffentlich leistet er nun der Kröte unter dem Frauenmantel gute Gesellschaft beim Tee.

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Das Wochenende in netter Gesellschaft meiner großen Schwester genossen, viel und gut gegessen, entspannt im Garten gesessen, über die Familie beraten, gelästert und getratscht, uns ausgetauscht und einiges – weltliches und imaginäres – mit neuen Blicken gesehen.

Und obwohl sie sehr viel älter ist als ich, und wir nicht zusammen aufwuchsen, ist da viel Nähe, Vertrauen, Akzeptanz und vor allen Dingen, Verstehen.

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Trotz, oder wegen, allem.

03082018.

Es ist zu warm für denken, schreiben, essen, atmen.

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Trotzdem über Kontrolle nachgedacht. Über das Leben, vermeintlich und tatsächlich. Über Kontrolle aufgeben und ob man dann nicht sogar mehr davon hat. Wen oder was will ich eigentlich kontrollieren? Mich oder andere? Gefühle oder Situationen oder Reaktionen? Geht das überhaupt? Ach, keine Ahnung.

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Auf die große Schwester warten, die sich noch im Zug befindet, der im Irgendwo steckt.

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Am Ende sind wir alle weich gekocht.

21072018.

Heute noch ein letzter Samstagsdienst, zumindest in diesem Lebensabschnitt. Bei „sag niemals nie“ und „man sieht sich immer zweimal im Leben“ bin ich tatsächlich ein wenig abergläubisch, denn wer weiß schon, was das Leben bereit hält?

Jedoch bei einer schwarzen Katze oder Freitag, dem 13., zucke ich halt müde mit der Schulter. Irgendwo ist dann auch mal Schluss.

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Ich habe mir Unterstützungsmaßnahmen in die Wege geleitet.

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Wir haben sehr netten Besuch aus der Heimat von meiner Neffenfamilie, einem Teil der schwäbischen Heimat, mit dem wir nur sehr lose Kontakt haben.

Zwei lustige kleine Kinder, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Sonnig, offen und auch noch neugierig, und ich bin jetzt ein bisschen verliebt in meine beiden Großnichten.

Zudem haben sie mir Wibele aus der Heimat mitgebracht, die kleinen Herzensbrecherinnen.

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Es fügt sich alles. Immer wieder.