01022019.

Was mich zurzeit in Rage versetzt, beliebige Reihenfolge:

  • Die scheinbare Notwendigkeit mich bereits vor der Geburt um die Betreuung in einem Jahr kümmern zu müssen, wegen extrem früher Anmeldefristen wegen hoffnungsloser Überfüllung gefühlt aller Kita-Plätze, und mir war zwar klar, dass unsere Gesellschaft familienfeindlich ist, aber nicht, dass es derart schlimm ist.
  • Männer, die mich auf der Straße von der Seite anquatschen, mit jovial-besserwisserischen Kommentaren – trotz eindeutiger keine-Kommunikation-gewünscht-Signale (Kopfhörer, Telefonat, kein Augenkontakt, stures auf-den-Boden-blicken, schnelle Gangart). Ein Verhalten, das sich aktuell wiederholt und häuft. (Und ganz ehrlich, ich möchte jedem Einzelnen in die Fresse hauen, bin aber zu gut erzogen. Was erlauben die sich, sich in mein Leben zu drängen?!)
  • Das System, das dafür sorgt, dass die Hilfsmaßnahmen für Migrantinnen, für die ich zurzeit tätig bin, jedes Mal nur für ein Jahr ausgeschrieben und eingekauft werden, max. jedoch für drei Jahre, und dass dabei das günstigste Angebot eingekauft wird, in dem der Personalschlüssel zu eng, die Coaches zu wenige und die Teilnehmerzahl die höchstmögliche ist. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn wenn wir weg sind, gibt es wieder eine Person weniger, die ihnen hilft, sich in unserem Land, unserer Gesellschaft und unserer Kultur zurecht zu finden. Es ist menschenunwürdig, wie wir, die wir nicht nur reich an materiellen Werten sind, sondern auch an Wissen und dem Zugang dazu, mit diesen Menschen umgehen.
  • Der Kunde, der sich einen Teilnehmerplatz erschummelt hat, diesen nun besetzt hält, weil er keine Lust auf Sanktionen hat, aber das Geld für sich und seine Familie von den Brüdern im Ausland zugeschustert bekommt und der sagt, wenn er arbeiten würde, hätte er weniger Einkommen zur Verfügung. Was stimmt, denn er hat mehr zur Verfügung als ich netto erhalte, aber halt auch nur wegen der auswärtigen Brüder. (Ich äh, hab zwar noch Schulden, aber auch meinen Stolz. Trotzdem.)
  • Dieses ganze abgefuckte Gesellschaftssystem, das nur noch dadurch zusammen gehalten wird, weil es ein paar wenige Idealistinnen gibt, wie bspw. Sozialpädagoginnen, Flüchtlingshelferinnen, Pflegerinnen, Sozialarbeiterinnen, Pädagoginnen etc., die für einen schlechten Witz an Gehalt dafür sorgen, dass die Alten nicht alleine und unversorgt sterben, dass die Abgehängten nicht eskalieren oder Amok laufen und dass Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende, Migrantinnen etc. zumindest ein Mindestmaß an Hilfe erhalten und irgendwie einen Rest Würde bewahren können.

Ich könnte noch weitete beliebige Kleinigkeiten aufzählen, aber dafür hab ich jetzt keine Zeit, weil ich noch Akten anlegen muss für die neuen Kundinnen nächste Woche und weil meine Stelle standardmäßig nicht in der Maßnahme eingeplant ist, aber alles dokumentiert, verwaltet und abgelegt werden will, weil das System es so vorsieht, weswegen meine Stunden vom Betreuungsschlüssel für die Kundinnen abgezogen werden, was weniger Zeit, weniger Betreuung und weniger Hilfe bedeutet.

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Ich möchte gerade sehr viel zerstören. (Die Schwangerschaft scheint mich zu radikalisieren.)

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Was wenn wir, die wir alle im sozialen Bereich arbeiten, durchgehend streiken würden?

Wer kümmert sich um eure Kinder und Alten? Wer sorgt dafür, dass ihr euch nicht mit den Kranken, den Obdachlosen, den Verwahrlosten, den Flüchtlingen, den Hilflosen, den Nicht-Gewünschten auseinander setzen müsst?

Wer ermöglicht euch eigentlich euer gutes, euer ignorantes Scheuklappen-Leben?

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29012019.

Wenn Sie wissen möchten, wie es um meinen Geisteszustand bestellt ist, dann beobachten Sie bitte einfach, was ich in meiner Freizeit oder am Abend auf dem Sofa mache.

Zurzeit habe ich eine Malen-nach-Zahlen-App für mich entdeckt. Ein Feld antippen, mit Farbe befüllen, fertig.

Ich muss nicht darüber nachdenken, welche Farbe ich für welches Feld nehme, denn alles ist vorgegeben.

Ich muss mich nicht über Fehler oder Korrekturen ärgern, denn eine einmal ausgewählte Farbe kann nur im vordefinierten Bereich gemalt werden.

Die Bilderchen sind hübsch und harmonisch, bleiben aber auch nicht im Gedächtnis hängen, belegen also keine Speicherkapazität.

Die Tätigkeiten meinerseits beschränken sich insgesamt auf Antippen und Atmen.

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Geht gerade noch so.

Mehr aber bitte nicht.

14082018.

Das Elend des gestrigen Tages zusammen gefasst:

  • kotzender Hund (wieder vor mein Bett)
  • Ärger bei der Arbeit
  • niedergetretene Gladiolen (der Gärtner der Nachbarin war’s!)
  • Küchenumbau und die totale Nichtnutzbarkeit derselben
  • unkooperativer Stromkreislauf und das Herausspringen des FI-Schalters alle 5 Minuten
  • wirre Stromkreislaufschaltung, die die Küche an das Arbeits- und Nähzimmer koppelt, weswegen ich nicht arbeiten konnte
  • kein Kaffee gestern!
  • kein Kaffee heute!

Es kann jetzt nur noch aufwärts gehen.

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Zum Frühstück jetzt Franzbrötchen.

20072018.

Am gestrigen Abend ist irgendetwas in mir, das eh schon angeknackst war, weiter zerbrochen.

Ich war so wütend und aggressiv, dass es ein Wunder war, dass ich nichts zerstört habe. Zumindest keine Gegenstände. Ich bin laut, sehr laut, geworden. Wegen Nichtigkeiten. Der Mann hat, zurecht, den Rest des Abends nicht mehr mit mir geredet. Ich bin um Acht auf dem Sofa auf dem Balkon eingeschlafen.

Ich habe keine Ahnung, woher diese Wut kommt. Ich weiß nicht, wie ich sie abbauen kann. Ich ahne, dass sie auf Dauer mehr kaputt macht als mir lieb ist.

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(Die Kommentare sind seit Längerem aus Gründen hier abgeschaltet. Ich möchte nichts hören oder lesen. Schon lange bin ich der Überzeugung, dass ein Mensch auch das Recht hat, sich selbst ins Unglück zu stürzen.)

19062018.

Ich möchte schreiben, über die Dystopien in meiner Vorstellung aufgrund der politischen Lage*. Ich möchte schreiben, über die Unfassbarkeit, dass erneut und immer noch und immer wieder Kinder von Eltern getrennt werden. Ich möchte schreiben, über ertrunkene Menschen, die so viel (oder so wenig?) Hoffnung in sich trugen, dass sie ihre Reise wagten.

Ich möchte schreiben, über meine Wut, dass mittelalte Männer in Feinripp Weltuntergangsszenarien heraufbeschwören, weil sie Angst haben ihre Besitzstände zu verlieren, wie einst die Pharaonen, und die doch nichts für immer halten werden können. Diese Männer (und auch Frauen), die nicht verstanden haben, dass sie endlich sind, dass ihr Zenit überschritten ist, dass sie in ihrer kleinkarierten Kleingeistigkeit nie einen Zenit erreicht haben. Diese Unmenschen, die nicht verstanden haben, dass sie nicht Gott sind, dass auch ohne ihre Erlaubnis geliebt, gehofft, gestorben oder gelebt wird, gleich ob mit oder ohne passendes Gesetz.

Ich möchte schreiben, über meine Hilflosigkeit, wie gerne ich diese selbstgerechten Narzissten (mindestens) schütteln möchte, dass sie doch endlich zur Besinnung kommen, dass diese angstschürende Hetzpolitik Gift ist, dass es doch um Mitmenschlichkeit geht. Um nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich möchte schreiben, etwas Differenziertes, Fundiertes, vielleicht sogar Hilfreiches, um dem Allem den Wind aus den Segeln zu nehmen, jedoch ich kann nur eingestehen, dass mir das alles (wieder diffus, die Gesamtsituation) Angst macht.

Also schreibe ich darüber.

***

Immer wieder: Empört euch!

* (irgendwas Diffuses mit Bürgerkrieg, rechts gegen links, arm gegen reich, stadt gegen land, wegen mangelnder Ressourcen/Infrastruktur etc. – ich habe eine lebhafte Fantasie)

24052018.

Tage, an denen die Welt gut zu dir sein wollte, und du es nicht erkannt hast und einfach die a*schlochige Versagerin warst, die du halt bist, und deren Rolle du blind spielen kannst.

An den Tagen gehst du früh ins Bett und überlegst dir, wie es nur sein kann, dass alles so falsch in dir gepolt ist, dass du alles als Angriff auf dich und dein System empfindest, und ebenfalls AngriffAngriffAngriff als die vermeintlich beste Verteidigung nutzt.

An den Tagen gehst du auch früh ins Bett, um größeren Schaden abzuwenden, aber du kannst nicht erkennen, ob er nicht doch schon geschehen ist, und interpretierst nur rum und beim nächsten Mal wiederholt sich der ganze Schei*.

An den Tagen gehst du früh ins Bett, weil es in der Nacht und den Träumen anders ist, weil du fliegen kannst und wahlweise die Heldin, die Magierin oder beides bist, und weil morgen die Welt wieder anders aussieht. (Hoffentlich.)