23062019.

Morgen hat Papa Geburtstag. Ich habe keine Lust anzurufen – letztlich wird es doch nur wieder ein belangloses Gespräch, das am Ende hauptsächlich Mama geführt haben wird.

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Grundgefühl derzeit ist eine Mischung aus Ängstlichkeit, Genervtheit und Anspannung.

Das auserkorene Jahresmotto umzusetzen ist…schwierig. Wie gewohnt, ich lege mir selbst dabei die dicksten Brocken in den Weg.

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Zudem, mein Teil des Internets ist derzeit…wenig hilfreich. Jede*r ist in der eigenen Rolle und füllt diese hervorragend aus, dennoch bzw eben deswegen komme ich nicht aus dem Augenrollen heraus.

Auch hier, es liegt mehr an mir als an allen anderen.

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Ich kämpfe mit mir gegen mich. Gegen meinen körperlichen Zustand, gegen meine Entscheidungen, gegen meinen Seelenfrieden.

Ich fühle mich unwohl mit mir selbst, hasse mich und meine Zustände geradezu und alles was ich mache, sage oder eben nicht, ist nur oberflächliche Kosmetik.

Ich ruiniere damit erfolgreich die guten Tage.

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Es wird wieder anders werden, die Befindlichkeiten werden wieder vergehen, jedoch sehe ich zurzeit noch nicht, wann und wie.

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Alles ist gut.

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07062019.

Seit Tagen versuche ich hier zu schreiben und finde doch keine Worte.

Wenn ich hier nun also die heutige Kastration des kleinen Hundes erwähne und dass wir uns trotz Beruhigung durch den Tierarzt natürlich Sorgen machten (es verlief alles gut), dann ist es nur die Spitze des Eisbergs der Gedankenmacherei der letzten Tage.

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Wir haben das erste Mal eine Ahnung davon bekommen, was es heißt, sich Sorgen um das eigene Kind zu machen, um die Zukunft und wie diese im Fall der Fälle zu gestalten sein würde. Ich weiß nicht, welchen höheren Mächten wir es zu verdanken haben, dass nichts davon eingetreten ist, und es ist wohl auch irrelevant, denn es ändert nichts an der Erleichterung und Dankbarkeit über ein unspektakuläres Endergebnis.

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Demut lernen.

08052019.

tl;dr: Schwangerschaftsmimimi.

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Dieser Text entsteht eigentlich nur, weil mein Verstand durchgehend Blödsinn denkt und ich das los werden will.

Ich bin eine Woche vor Entbindungstermin. Ich habe mittlerweile Schmerzen an Stellen, wo ich sie nicht haben möchte. Und mir ist wieder regelmäßig schlecht, unabhängig davon ob ich etwas gegessen habe oder nicht.

Am liebsten würde ich den ganzen Tag in meinem Bett verbringen, dösen, im Internet rumhängen und vielleicht noch ein oder zwei Seiten lesen. Das lässt jedoch der Kreislauf nicht zu.

Also bin ich vernünftig. Ich stehe morgens auf, gehe duschen, ziehe mich fürs Wohlgefühl ordentlich an und lasse mich vom Hund ausführen. (Ja, derzeit geht eher er mit mir auf die Hunderunde als andersrum. Das passt schon so.)

Danach ruhe ich. Und währenddessen beginnt der Wahnsinn im Kopf. Die Stimmen fangen an zu sprechen.

„Die Küche ist noch dreckig von gestern Abend. Die Spülmaschine will aus- und eingeräumt werden. Du musst noch Wäsche zusammen legen. Dein Mann arbeitet schließlich auch den ganzen Tag. Mach was. Lieg nicht auf der faulen Haut. Alle sagen, dein Bauch sei ja nicht groß, und wie beweglich und fit du noch wirkst. Da kannst du noch mehr machen. Stell dich nicht so an.“

Und dann fühle ich mich nicht mehr nur körperlich unwohl, sondern so richtig wertlos. Weil ich ja nichts schaffe. Und weil ich dadurch ja automatisch unfähig bin für Hund und Haushalt zu sorgen, ich bin ja schließlich zuhause und habe viel Zeit, und wie soll das erst noch mit einem Kind werden, und überhaupt??!!

Druck aufbauen kann ich gut. (Mein Mann sagt dazu übrigens all das, was Ihnen auch gerade auf der Zunge liegt, angefangen von „bleib liegen“ über „lass mich das doch einfach machen“ bis hin zu „sei einfach still, du spinnst gerade vollkommen“)

Ich komme aus dieser Spirale nicht so richtig raus. Dieses Denken, „wenn du was schaffst, dann erst bist du was wert“, habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Ich schrieb irgendwann schon einmal darüber. Und selbstverständlich ist da auch eine ordentliche Portion Eitelkeit dabei, denn Lob und Bewunderung gehen auch mir runter wie Öl.

Es ist allerdings ein Verhaltensmuster, das mir gerade mehr schadet als nützt. Mittlerweile konnten wir alle externen Störfaktoren, wie Handwerker und nervige Nachbarn, eliminieren bzw ruhig stellen. Die habe ich nun einfach durch innere Dämonen ersetzt.

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Wer kann, der kann.

Am besten nicht alles glauben, was man so denkt.

05052019.

„Wenn über Nacht ein Wunder geschehen wird und das Problem, das dich regelrecht absorbiert, schlagartig gelöst wäre – wie genau würde sich das anfühlen? Was wäre anders?“

„Nun, ich würde unbelastet durch den Tag gehen. Ich hätte nicht diese 5-Sekunden-Angst meine Haustür zu öffnen, wenn es klingelt oder ich es verlasse. Ich würde mich wieder leichter und unbeschwerter fühlen, und würde mich auf mich selbst und die Veränderungen, die für meine Familie anstehen, konzentrieren und sie genießen können. Ich wäre wieder offener der Welt und den Menschen gegenüber und würde zudem wieder Appetit haben und essen können. Nicht nur ich wäre wieder ruhiger und entspannter, auch mein Mann, der sich derzeit ziemlich Sorgen um mich macht. Wir würden uns wieder auf uns und unsere Stärken besinnen können. – So wäre das, wenn über Nacht ein Wunder geschieht.“

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Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück.

17042019.

Innerlich so stabil sein, dass nichts mich aus der Bahn werfen kann. Keine Zweifel, kein Streit, weder Tod noch Teufel, an den ich doch eh nicht glaube.

In anderen Momenten genügt der Flügelschlag einer Motte, um alles in Frage zu stellen.

Und schon liege ich unter dem Zug, der über mich hindrüber rattert und den ich nicht mehr aufhalten kann. Der mich nicht mehr Ich sein lassen will, der in eine andere Richtung fahren will, auf Gleisen ginge nur zurück auf Anfang, von dem ich mitgeschleppt werde, bis ich mich hochhieven und in das Wageninnere ziehen kann.

Zum Führungsstand in der Lok habe ich es noch nicht geschafft.

Wohl aber hin und wieder aufs Dach.

Für die Aussicht.

07032019.

Es fühlt sich an als hätte ich mich gestern selbst belogen.

So mies entwickelte es sich gestern weiter, so mies hat der Tag heute begonnen.

Nichts hat Bestand, und wahrscheinlich sind Gefühle die instabilsten aller Verbindungen.

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Ich weiß nicht, was es ist, das mich gestern so angefasst hat, dass es bis heute nachwirkt. Es ist auch (fast) egal, lässt es mich doch in einem Loch zurück, das mich gefangen hält in einer imaginären Vorstellung von einsamer HausfrauenVorstadtHölle ohne DaseinsZweck, die ich mir so nie gewünscht hatte.

Ebenso gelogen, wie zu behaupten, ich hätte es mir sehnlichst gewünscht. Die unbeantwortete Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Es ist was es ist, und es ist gut. Das ist eine Wahrheit. Dass ich es bin, die diese, ihre Zeit gestaltet, ist eine andere. Dass ich mich damit schwer tue, aktuell eine weitere.

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It’s in your head.

27022019.

Was mich am meisten beschäftigt, weil es unerledigt ist und immer wieder im Hintergrund aufploppt und deswegen sehr mit Stress verbunden ist:

– das Streichen der Hausfassade, begonnen im Oktober, ist noch nicht abgeschlossen. Leider sehr vom Wetter abhängig (kein Einfluss darauf von meiner Seite) und von der Arbeitseinteilung des Malers („komm ich heute nicht, komm ich morgen“ – wenig Einfluss)

– die Reaktion unserer Umgebung bzw des Fachpersonals auf unseren Wunsch nach einer ambulanten Geburt – verunsichert mich sehr, dennoch bin ich davon überzeugt, dass ich mich zuhause wesentlich besser erholen kann als auf den Wochenstationen, die ich sah, abgesehen davon, dass es uns als 4köpfiger Familie (ja, der Hund zählt mit! Versteht auch keiner…) damit besser gehen wird.

– mein Schlaf-, Ess- und Körperverhalten, das nichts Außergewöhnliches ist, das auch nicht gesundheitlich schlimm ist, das aber auch nicht gerade förderlich ist und das mich dennoch langsam echt in die Knie zwingt. Ich sehne mich nach sehr viel Ruhe, weswegen mich die Malersache auch so stresst, denn wer möchte schon – gefühlt – ständig durchs Fenster beobachtet werden?

Die Anspannung ist recht groß in mir, die Macht jedoch auch, weswegen ich zuversichtlich bin, dass sich das alles in Wohlgefallen auflösen wird, aber herrgottnochmal, mit etwas mehr Tempo wäre schon schön.

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Jetzt auf zur Arbeit.