25022018.

Ansetzen, schreiben, löschen, das alte Spiel. Ich bin müde und erschöpft. In genau einer Woche werde ich am Meer sein und ich hoffe, dass es toben und rauschen und wüten wird.

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Bei der Arbeit heute mit zwei Kundinnen dezent aneinander geraten.

Wenn Sie meine Beratung wollen, dann können Sie sicher sein, dass ich ehrlich bin. Ob Sie das nun hören wollen oder nicht. Wenn nicht, fragen Sie doch bitte einfach nicht. Planschkuh, blöde.

Wenn Sie als Ruheständlerin fünf Minuten vor Ladenschluss eine Beratung wollen, dann erhalten Sie diese. Es gehört jedoch dazu, dass wir Sie auf die noch zu verbleibende Zeit hinweisen. Ihre Drohung, dass Sie dann im Internet einkaufen, wenn ich den Laden nicht länger für Sie geöffnet lasse, ist mir – ehrlich gesagt – egal. Ich habe lieber Kunden, die mir mein Wochenende nach sechs Arbeitstagen gönnen, als fünf Euro mehr Umsatz.

Immer diese Anspruchshaltung. Geht halt bei den Robotern einkaufen, die haben 24/7 geöffnet, die haben auch keine schlechten Tage, die sind weder unterbesetzt noch unterbezahlt. (Der Einzelhandel ist nicht überlebensfähig, aus ganz vielen Gründen.)

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Meine Grundstimmung ist derzeit irgendwas zwischen unzufrieden und wütend. Beides bedingt sich gegenseitig und beides ist aus mir heraus gegen mich selbst gerichtet. Ich versuche es nicht an Mann und Hund auszulassen, allerdings gelingt das nicht immer.

Der Mechanismus dahinter ist einfach: ich habe mir etwas vorgenommen oder eine bestimmte Vorstellung entwickelt, ich kann es anschließend aus diversen Gründen nicht umsetzen oder nicht so wie vorgestellt und mache schlussendlich mir selbst daraufhin Vorwürfe bis hin zum Selbsthass.

Ich scheitere an mir, meinen Erwartungen an mich und meinem Idealismus.

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Wenn ich mich anschaue, fühle ich mich hässlich. Aufgrund meines inneren Zustands, mein Aussehen hat sich zuletzt wenig verändert. Jedoch kann ich mich nicht mit Liebe anschauen. Zu sehr hadere ich, zu sehr versuche ich mich zu erhöhen, indem ich anderen ihr Glück neide oder lästernd nieder mache. So kann ich mich noch weniger leiden.

Zudem: Auch nach anderthalb Jahren habe ich hier noch nicht Fuß gefasst und keine freundschaftlichen Kontakte geknüpft. Der Hannoveraner Freundeskreis fehlt und ich weiß nicht wie ich diesen Zustand ändern kann, ohne dass ich Kurse oder Vereine aufsuchen muss. (Nein. Einfach nein.)

Zu viel #mimimi heute.

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Meeresrauschen wird helfen. Ganz sicher.

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23022018.

Wildgänse, die über mich hinweg ziehen. Fragen Sie mich bitte nicht, ob schon wieder nach Süden oder noch immer nach Norden. Es ist irrelevant für mich. Ich höre ihre Unterhaltungen, ob das nun auch sicher der richtige Weg sei, ob man denn wirklich noch weiterfliegen müsse oder ob man nicht endlich auf dieser einen Wiese in der Marsch Aufenthalt machen und etwas pausieren könne.

Noch in keiner anderen Stadt waren das Geschnatter und der Flügelschlag dieser Tiere so präsent und derart weithin hörbar. Wenn man es denn hören will. Oft denke ich dann an Nils Holgersson und wie er auf seiner Reise versucht, den Gänsen zu erklären, was eine „Grenze“ ist, und die nicht verstehen, wie der Mensch sich von etwas Imaginärem derart einschränken lassen kann. Es ist doch so einfach, diese Grenzen zu überfliegen, zu überwinden.

Vielleicht ist das alles, was man lernen kann.

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19022018.

Ich habe gerade – kurz, wirklich nur ganz kurz – die Schlagzeilen zweier großer deutscher Zeitungen überflogen. So kurz, dass es nur für die Überschriften sowie einmal schnell runterscrollen gereicht hat. Der Gedanke, der dabei in mir aufkam, war „Scheiße, das geht alles den Bach runter.“ verbunden mit einer immensen Angst und dem Gefühl von Hilflosigkeit, wo anfangen und welchen Brand zuerst löschen.

Ich habe alles weg geklickt und nichts gelesen. Keine Analyse, keine Facts, keine Berichterstattung und erst recht keine Kolumne oder sonstige Meinung. (Es wird eh zuviel gemeint.)

Mein Nachrichtenkonsum ist auf ein Mindestmaß reduziert. Hin und wieder ein Ereignis via Twitter, da ein Bröckchen im Radio, dort ein Gesprächsfetzen oder doch eine Schlagzeile. Es ist mir fast peinlich es zu äußern, in einer Zeit wie der unseren, aber ich bin so apolitisch und desinteressiert wie noch zu keinem anderen Zeitpunkt in meinem Leben. Und – viel schlimmer – es geht mir gut dabei.

Die Panikmache, das hysterische Geblubber, die fortschreitende Ängstlichmachung der Welt, die wachsende Unmündigkeit der Menschen, sei es aus Ignoranz oder einem Mangel an Herzensgüte, die Belehrungen, der Mangel an Freigeistern, an Freidenkern und an Freiheit. Es kotzt mich an.

Deswegen ziehe ich mich zurück, ins unpolitische Private. Womöglich ist es ein Fehler, womöglich befeuert solch ein Verhalten die aktuellen Entwicklungen. Ziemlich sicher ist dem so. Nicht weil speziell ich mich verweigere, nein, ich beobachte, dass andere ebenfalls ähnlich denken und handeln. Als gebe es derzeit nur die Extreme zur Auswahl, entweder oder.

Manchmal wäre ich gerne das andere Extrem, die Aufbegehrende, die Revolution tragende. (Hallo Hybris, alte Freundin!) Allein mir fehlen die Kraft und der Mut, das, auch nur in Teilen, zu tragen. Dazu müsste ich jedoch der Angst in die Augen schauen und ich weiß nicht, ob ich das kann.

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Habt Mut.

17022018.

Heute früh auf dem Weg zur Arbeit sind die Pferde mit mir durchgegangen. Ich habe meine Wut in einer Kurzschlussreaktion nach außen gekehrt und wurde prompt von der Polizei angehalten. Eine eigentlich harmlose Situation, die ganz dumm gelaufen ist und die mich den Tag über sehr beschäftigt hat. Wenn der Karmabumerang nicht zu Ende geflogen ist, kann es noch richtig teuer werden.

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Entsprechend angespannt war ich heute und konnte dem Wahnsinn, der aktuell bei der Arbeit tobt, nicht ganz so gelassen entgegen treten wie es nötig gewesen wäre. In viereinhalb Stunden mussten daher eine Packung Schokokekse und zwei große Tassen Kaffee daran glauben. Die neu in das Tagesgeschäft integrierte Inhaberin bringt vieles durcheinander, was von den alteingesessenen Kolleginnen entweder mit Feuereifer umgesetzt oder mit norddeutscher Sturheit ausgesessen wird. Das kollidiert doch sehr miteinander.

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Der Mann ist krank, der Hund in der Pubertät. Überhaupt ist in China der berühmte Sack Reis umgeplumpst, der Mond steht zudem schief zur Erdachse und der Himmel ist uns längst auf den Kopf gefallen, ohne dass wir es bemerkt haben. So eine Woche ist das.

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Läuft schon irgendwie.

12022018.

„D., wenn du unzufrieden bist, dann ändere es einfach. Dann mach es, auch Disziplin kann man üben. Steh morgens früher auf.“

Und wenn ich es nicht mache, hasse ich mich wieder ein Stückchen mehr, weil ich erneut versagt habe.

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Einfach machen.

08022018.

Tage, an denen die Sonne scheint und ich doch nur die Schatten sehe, die die Realität wirft. An denen ich in den Himmel schaue und die schwarzen Äste der Bäume wahrnehme, die wie aufgerissene Wunden vor dem Blau wirken.

Tage, die so klar sind, dass ich ihre Schärfe spüren kann als schnitten sie mich auf. Die mich in Watte hüllen, um mich vielleicht zu schützen, und dabei in Isolierhaft nehmen, weil die Worte fehlen, um die Hülle zu sprengen und jedes ist doch eines zu viel.

05022018.

Der Mann machte sich heute früh auf zu einer 5tägigen Geschäftsreise Richtung Ungarn. Der Hund und ich waren bzw sind noch unentschlossen, was wir davon halten sollen, so ganz wohl fühlen wir uns aber beide nicht. Ich hänge in der Luft, weil mir mein Freund und Partner und eben der Mensch fehlt, mit dem ich am liebsten Zeit verbringe. Der Hund hängt mit, weil er merkt, dass Frauchen hängt und so hängen wir beide halt so rum. Hinzu kommt, dass mir die ca 200qm Haus so alleine einfach noch nicht geheuer sind. (Entsprechend schläft das Vieh diese Woche mit im Bett im Schlafzimmer.)

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Der Arbeitgeber des Mannes hat uns außerdem zwischendurch einen Gutschein für eine Kochbox spendiert – nicht h*llofr*sh, die haben wir schon vor zwei drei Jahren getestet und dabei als unsympathisch, übertrieben teuer und unpraktisch befunden – diesmal heißt der Anbieter koch*haus und des Mannes Firma war so großzügig zweimal Essen für eine 4köpfige Familie zu finanzieren, was darauf hinausläuft, dass wir gefühlt eine Woche durchfuttern können, vorausgesetzt die Kochbox liefert normalverfressene Mengen. Die Rezepte sind für unsere Verhältnisse eher „exotisch“, was allerdings eher auf die Seltenheit denn auf den Geschmack bezogen ist.

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Mich treibt meist wenig an, aber öfter vieles um. Derzeit ein Interview mit Uma Thurman, in dem sie schildert, wie vielgestaltig Missbrauch in Erscheinung treten kann. Es geht um Weinstein, aber auch um Tarantino und es bestätigte sich, was ich schon ahnte, dass ein derartiges Oeuvre nicht einfach so aus dem Nichts entsteht und ohne Wurzeln im Raum schwebt, sondern, dass es sich (wohl unter anderem) aus dem Wesenskern des Schaffenden nährt. Kunst und Künstler stumpf zu trennen funktioniert nicht, kann für mich nicht funktionieren, ist beides doch über den Lebenslauf zwangsweise miteinander verknüpft. Auch ein Ignorieren ist für mich falsch, degradiert es die missbrauchte Frau nur erneut und beraubt sie ein weiteres Mal ihrer Würde, indem ihr Leiden nicht anerkannt wird. Es kann nur weitergehen, indem die Rezeption erweitert wird, indem ein Werk zusätzliche Schätzung erfährt, weil gewürdigt wird, was dafür von den Frauen ertragen und getragen wurde. Nicht nur bei Kill Bill, auch bei Frida und etlichen anderen Filmen. Frage: hat Leid einen Nutzen? Wozu war ihr Leid nützlich, wenn wir jetzt das Werk boykottieren, und damit auch ihren Anteil daran?

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Janusköpfige Argumentation.