08072019.

Liebes schwangeres Vergangenheits-Ich,

egal, wie lange die Sodbrennen-Übelkeit-Kotzeritisphase gedauert hat und wie schlimm das zwischendurch gewesen ist, jetzt ist es vorbei. Du hast dich über die Geschichten gewundert, in denen Frauen ihre Männer nachts zum Kiosk oder zur Tankstelle schicken, um Essensgelüste erfüllt zu bekommen. Nun, wundere dich nicht länger: soeben hast du eine halbe Tafel Zartbitterschokolade, zwei Schüsseln Reis, mehrere Pflaumen und einen Teller Gemüsecurry in 20 Minuten verdrückt,und den Mann dabei im Minutentakt in die Küche gejagt, weil der Hibbelmors auf dir schläft. Gleich noch Eis als Nachtisch. Du isst wieder gerne, bist aber mäkelig geworden, aber Steak, Pommes, Pizza und Eis gehen immer. Überhaupt – Eis!

Dein Körper verarbeitet das, sei unbesorgt – du bist noch weicher und wabbeliger als zuvor, du weißt aber jetzt, was dein Körper zu leisten vermag. Dennoch bist du ungeduldig mit dir selbst, willst dich wieder bewegen und sogar Kraft aufbauen. Du merkst, dass ein wachsendes Kind schwer wiegt, selbst wenn es klein ist. Stark willst du werden! Gut für uns.

Überhaupt, stark sein – mental und seelisch balancieren wir wie Asterix und Obelix auf einem unsichtbaren Seil über einem Abgrund voller Krokodile. Es gibt gute und weniger gute Tage. Das unvorhersehbare Verhalten des Hibbelmors lässt dich an deinen Nerven und deinen Fähigkeiten zweifeln. Vielleicht wäre etwas mehr Meditation und weniger Social Media sinnvoll, aber es fällt dir schwer fünf Sätze geradeaus zu denken. Wobei – manchmal schaffst du auch mehr. Seichte Ablenkung FTW!

Was uns immer noch zu schaffen macht, ist dieses Ding mit dem Stillen. Erst Schmerzen, dann mangelnde Sättigung des Babys, nun Zufütterung, und trotzdem kein Wachstum. Also, schon, in die Länge halt, aber das Gewicht stagniert, noch sind die 4 kg nicht geknackt. Konnte ja keine ahnen, dass es Perzentile zu erfüllen gilt. Das zehrt an deinen Nerven, zusätzlich zu dem Kind, das an den Brüsten zerrt und hibbelt und nicht will und alles schmerzt und tut weh, und manche Träne ist schon geflossen.

So richtig Spaß macht das alles nicht und auch die himmelhochjauchzende innigmütterliche Verklärung will sich nicht einstellen. Stattdessen Launenhaftigkeit, Ungnädigkeit und aggressive Wut. Dass es derart wenige amoklaufende Jungmütter gibt und dass die meisten sich noch zu einem zweiten oder dritten Kind überreden lassen, ist ein reines Wunder und wird von der Allgemeinheit gar nicht hoch genug wertgeschätzt.

Ja, das Baby ist großartig. Selbstverständlich ist es das, schließlich ist es das schönste, schlauste und schnuffigste Baby der Welt. Kein Wunder, bei den Eltern. – Dennoch, allein selig machend ist es nicht, das wusstest du aber schon vorher. Dass du trotzdem so sehr darum kämpfen musst, weiterhin eine eigenständige Frau zu sein bzw dich so zu fühlen und dich nicht nur als Milchbar zu sehen, ist hart und dass es so früh schon „all in“ geht, überrascht dich doch ein wenig. Blauäugig waren wir schon immer, sind einem Kampf aber auch selten ausgewichen.

Die Frage ist also nicht, ob wir gewinnen werden, sondern wie wir am Ende daraus hervor gehen werden. Im Zweifel, hocherhobenen Hauptes.

Sincerely, yours.

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Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist.

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23062019.

Morgen hat Papa Geburtstag. Ich habe keine Lust anzurufen – letztlich wird es doch nur wieder ein belangloses Gespräch, das am Ende hauptsächlich Mama geführt haben wird.

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Grundgefühl derzeit ist eine Mischung aus Ängstlichkeit, Genervtheit und Anspannung.

Das auserkorene Jahresmotto umzusetzen ist…schwierig. Wie gewohnt, ich lege mir selbst dabei die dicksten Brocken in den Weg.

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Zudem, mein Teil des Internets ist derzeit…wenig hilfreich. Jede*r ist in der eigenen Rolle und füllt diese hervorragend aus, dennoch bzw eben deswegen komme ich nicht aus dem Augenrollen heraus.

Auch hier, es liegt mehr an mir als an allen anderen.

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Ich kämpfe mit mir gegen mich. Gegen meinen körperlichen Zustand, gegen meine Entscheidungen, gegen meinen Seelenfrieden.

Ich fühle mich unwohl mit mir selbst, hasse mich und meine Zustände geradezu und alles was ich mache, sage oder eben nicht, ist nur oberflächliche Kosmetik.

Ich ruiniere damit erfolgreich die guten Tage.

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Es wird wieder anders werden, die Befindlichkeiten werden wieder vergehen, jedoch sehe ich zurzeit noch nicht, wann und wie.

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Alles ist gut.

07062019.

Seit Tagen versuche ich hier zu schreiben und finde doch keine Worte.

Wenn ich hier nun also die heutige Kastration des kleinen Hundes erwähne und dass wir uns trotz Beruhigung durch den Tierarzt natürlich Sorgen machten (es verlief alles gut), dann ist es nur die Spitze des Eisbergs der Gedankenmacherei der letzten Tage.

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Wir haben das erste Mal eine Ahnung davon bekommen, was es heißt, sich Sorgen um das eigene Kind zu machen, um die Zukunft und wie diese im Fall der Fälle zu gestalten sein würde. Ich weiß nicht, welchen höheren Mächten wir es zu verdanken haben, dass nichts davon eingetreten ist, und es ist wohl auch irrelevant, denn es ändert nichts an der Erleichterung und Dankbarkeit über ein unspektakuläres Endergebnis.

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Demut lernen.

Welterschütterung.

tl;dr – Geburtsbericht mit happy end


War was in der Nacht?

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Um 02:49 Uhr hast du das nächtliche Licht der Welt erblickt. Es ist eine Mainacht, die nach einem Tag mit viel Sonne und hohen Temperaturen, kühl und frisch ist. Es ist die Nacht auf den 14. Mai 2019, und ein bisschen freue ich mich über das Datum, weil es so symmetrisch wirkt.

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Den Vormittag verbringe ich mit der (vermeintlich) vorletzten Vorsorgeuntersuchung bei meiner Gynäkologin. Zum ersten Mal seit Beginn der Schwangerschaft ist das schmerzhaft und unangenehm, dennoch zufriedenstellend: Köpfchen zwar sehr weit unten, aber Gebärmutterhals hat noch 1cm und Fruchtwasser ist ausreichend vorhanden. Wenn du gewollt hättest, hättest du es dir nochmal ein bisschen bequem machen können.

Den Rest des Tages bis zum Mittagsschläfchen sitze ich mit dem Hund in der Sonne auf der Terrasse, lesend, zwischendurch Fußnägel lackierend, mit der Nachbarin schnackend.

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Auf dem ersten Foto mit dir, noch im Kreißsaal, ein diesiges Selfie, sehen wir sehr verstrahlt aus, aber glücklich. Es ist früher Morgen und die Sonne ist gerade aufgegangen.

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Nach dem Mittagsschlaf fällt mir das Aufstehen wesentlich schwerer als gewohnt, noch ungelenker, noch schmerzhafter. Mit dem Hund raus in den Garten, hinsetzen, lesen und darauf warten, dass der Mann von der Arbeit nach Hause kommt. Er steht im Stau, verpasst das schöne Wetter, die Laune bei Ankunft ist abgekämpft und müde.

Wir sitzen unter dem Kirschbaum, der, letztes Jahr gepflanzt, nur unwesentlich größer ist als wir. Ich bin mir unsicher, ob diese Schmerzen bereits Wehen sind oder nicht. Woher auch wissen, wenn man noch nie welche hatte? Einatmen, ausatmen.

Der Tag kühlt schnell ab, ich wandere durch das Haus, wir warten. Der Mann macht Feuer im Kamin – wenn Wärme hilft, sind es keine Wehen. Wenn nicht, dann los. Ich krieche beinahe selbst ins Feuer, die Uhr im Auge, von regelmäßig erkennbaren Abständen kann keine Rede sein. Von einem Blasensprung auch nicht.

Die Angst zu früh im Krankenhaus zu sein und wieder weg geschickt zu werden, ist präsent. Sie ist durchaus realistisch – ich will noch warten. Der Mann räumt das Haus auf. Alles ist bereit, ich muss mich nur entscheiden. Wir werden ungefähr 20-25 Minuten für die Fahrt brauchen, mittlerweile kommen die Wehen regelmäßig.

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Dieser erste Morgen, diese klare Luft, das Licht, so weich und golden, zwitschernde Vögel, so frisch und neu – eigentlich hätte die Welt stehen bleiben müssen, du hast den Tagesbeginn einfach verschlafen.

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Die MFA, die uns am Kreißsaal in Empfang nimmt, schließt mich an ein erstes CTG an – wie stark meine Wehen sind bzw ob ich überhaupt welche habe. Liegen soll ich, mir wird schlecht, liegen bitte, denn sonst funktioniert das CTG nicht. Mir egal, ich weiß, dass ich diese Nacht mein erstes Kind auf die Welt bringen werde, ich habe Angst, und ich muss mich bewegen.

Bis die Hebamme erscheint, dauert es. Wir hören die Geburtstöne einer anderen Frau, sie hat es gleich geschafft. Die Hebamme ist in unserem Alter, eine zierliche Person mit warmem Händedruck, die uns sehr sympathisch ist. Ihre Diagnose „Muttermund bei 3cm, wir gehen direkt in den Kreißsaal“ – einen Ultraschall mache ich nicht, liegen geht nicht mehr, so schlecht ist mir und Geduld mit dem jungen Arzt, der mir sagt „aber wir haben doch ein ganz neues modernes Gerät“ und nicht versteht, dass das für mich kein Ansporn ist, habe ich auch nicht mehr.

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Wie kann die Welt nicht zerbersten? Wie kann sie nicht einfach stehen bleiben? Wie können nicht alle inne halten vor Staunen ob dieses Wunders? So alltäglich und doch so unglaublich.

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Die Hebamme fragt uns im Kreißsaalzimmer nach unseren Vorstellungen – wir haben keine. Wir sind für alles bereit, außer für eine Wassergeburt, und verlassen uns auf sie. Nur Schmerzmittel hätte ich nun gerne dringend, sehr dringend. Und etwas gegen die Übelkeit. Ich kann mich noch gefühlte fünf oder zehn Minuten hinlegen, danach erinnere ich mich nurmehr an Bruchstücke.

Um kurz nach Mitternacht kommen die Wehen schnell, kurz und heftig. Ich wandere vom Zimmer ins angrenzende Bad und zurück. Der Druck ist unerträglich. Der Blasensprung lässt auf sich warten, später wird die Hebamme die Fruchtblase von Hand öffnen, um den Druck zu mindern, sehr viel Fruchtwasser noch vorhanden. Das Kind hat es eilig. Mir wird ein Zugang für stärkere Schmerzmittel gelegt, von denen ich nicht mehr sagen kann, ob sie überhaupt noch helfen.

Das Waschbecken ist mein neuer bester Freund, kühl und in der richtigen Höhe. Den Schmerz brülle ich direkt in den Abfluss, statt der Hände meines Mannes zerquetsche ich nun ein Handtuch vor meiner Brust. Zwischendurch Wasser trinken und Wasser lassen, immer wieder, ich habe jegliches Zeitgefühl und den Bezug zur Realität verloren.

Ich kann die Kraft der Wehen im Stehen nicht mehr übertragen, so erschöpft bin ich, frage nach, ob der Mann und die Hebamme das Kind nicht einfach irgendwie anders rausholen können, ich mag nicht mehr, will nach Hause. Nein, können sie nicht. Und nein, darf ich nicht.

Die Hebamme, diese tolle Frau, „baut“ mir einen neuen Liegeplatz auf dem Bett. Wie ich es dahin schaffe, keine Ahnung. Es folgen noch vier oder fünf Wehen in dieser Position – meine Beine angewinkelt, die Füße an ihrem Körper als Widerstand und die Hände überkreuz festhaltend, der Mann hält mir den Rücken. So werde ich Mutter.

Während dieser Wehen explodiert alles um mich herum, in mir drin, der Kopf steckt kurz fest und ist zu groß, nie nie niemals wird das klappen, die Hebamme lässt mich los, der Mann sagt etwas, sie auch, ich verstehe es nicht, kann es nicht glauben, irgendwas mit Haaren, die Ärztin wird dringend gerufen, dieser verdammte Schmerz, ich weine brülle schluchze, plötzlich geht es ganz leicht und schnell, ich weine weiter, diesmal aus anderen Gründen. Diese Erleichterung.

Auf meiner Brust liegt mein Sohn.

***

Du bist als Superman auf die Welt gekommen, die Faust zeitgleich mit dem Kopf. Um den Hals die Nabelschnur, doppelt gewickelt, ein Schreck für alle, auf keinem Ultraschall zu sehen, leicht blau warst du schon. Aber dann hast du gebrüllt.

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Willkommen auf dieser wilden, großen und schönen Welt, mein Herzenskind ! <3


FunFacts:

> Von der ersten bis zur letzten Wehe vergingen ungefähr 11 Stunden.

> Wir haben uns bewusst für eine ambulante Entbindung entschieden.

> Um kurz vor 22:00 Uhr kamen wir im Krankenhaus an und verließen es am nächsten Morgen kurz nach 07:30 Uhr wieder.

> Die Voruntersuchung dauerte ca. 1 Stunde, die Geburt ca. 4,5 Stunden und die Nachbetreuung ebenfalls ca. 4 Stunden.

> Kurz, schnell und heftig – die Hebamme meinte hinterher, dass sie das so noch nicht bei einer Erstgebärenden erlebt habe.

> Ich wurde „tief und doppelt genäht“, erlitt eine Prellung am Steißbein/Beckenboden und einen sehr blauen Fleck von dem Zugang.

> Ein Hoch auf die Schmerzmittel der Pharmaindustrie und auf die körpereigene Hormonproduktion!

> Der Mann bedauerte, mir nicht aktiv helfen zu können, dabei war er mein Fels in der Brandung und Ruhepol. Und Wasserträger. <3

> Der erste Tag zuhause war unbeschreiblich. So ruhig, entspannt, voller Liebe und Freude, mit viel Kuscheln und Schlafen.

23052019.

Früher, also vor so circa zehn Jahren, in den wilden Partyzeiten, als der Alkohol reichlich floss, meine Freundinnen und ich noch sehr grün hinter den Ohren waren und die Herren ebenfalls, da trafen wir uns nach dem Ausschlafen zur Manöverkritik der vorangegangenen Nacht.

Es wimmelte nur so von „Nein, hat er nicht!“ und „Echt? Hast du wirklich?“ oder „Das hab ich nicht mitbekommen.“ und „Ach, wie lustig!“ – dabei lief in meinem Hinterkopf bereits ein umfassendes Programm, das analysierte, was ich vermeintlich falsch gemacht oder in welcher Situation ich mich peinlich aufgeführt hatte. Alkohol, der alte Verräter, ließ mich zurück als unsicheres, an mir selbst zweifelndes Wrack.

Heutzutage arbeite ich dieses Hintergrundprogramm in wachen Nächten auch ohne die Hilfestellung diverser Alkoholika ab. Insbesondere neue unbekannte Umstände oder törichte Gedankenlosigkeiten und vermeintliche Fehler, die sich jedoch alle bis zu einem gewissen Grad meines Einflusses entziehen, piesacken mich dann und lassen mich an mir und meinen Entscheidungen (ver)zweifeln.

In diesem letzteren Fall zieht das Tageslicht jedoch die Verdunklung vor diesen Gedanken weg. Am Ende bleibt eine dumpfe Erinnerung und das Gefühl, dass es schon alles so in Ordnung ist wie es ist.

Vielleicht nach der Stillzeit doch keinen Alkohol mehr? (Daran überlege ich seit Beginn der Schwangerschaft herum, auch weil mir Angst macht, wie sehr mir das Glas Rotwein in anstrengenden Zeiten fehlt.)

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In meiner Online-Welt derzeit viele und heiße Diskussionen über Vereinbarkeit, Erwerbstätigkeit von Frauen, speziell solchen mit Kindern, über ihre finanzielle Situation in und nach einer Ehe, während der Rente und überhaupt über Abhängigkeit vom Ehepartner, Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen und dem Anteil der Eigenverantwortung.

Es wird hauptsächlich über Extreme diskutiert, wie mir scheint, über die 1000%ige Stay-at-home-Mum sowie über die Vollzeit-Karriere-Business-Mum, jedoch in allen Fällen ist die Schuldfrage, Henne oder Ei, Frau oder Gesellschaft, nicht weit und wird meist früher denn später gestellt. (Wir nehmen das Thema jetzt einfach mal als Beispiel für jegliche Diskussionen dieser Art.)

Mir fehlen, wie so oft, Zwischentöne, von denen ich jedoch weiß, dass damit keine Änderungen oder gar Revolutionen herbeizuführen sind. Mir fehlt, wie so oft, die Fantasie in diesen Diskussionen, und die Vorstellungskraft dafür, wie viele unterschiedliche Lebensentwürfe und Ideen zu deren Umsetzung es geben kann.

Oder haben Sie etwa keinen halbwilden Plan B oder gar vogelwilden Plan D? Ich fürchte, für den Rahmen unseres sozial anerkannten Lebens schränken wir uns in unserer Lebensführung und deren Gestaltung viel zu sehr ein. Wir stutzen uns selbst die Flügel in der irrigen Annahme dies sei die bestmögliche Lebensweise. Wer hat das denn bloß behauptet, und wieso glauben wir es?

Es mag sein, dass es so ist. Für jetzt, für exakt diesen Zeitpunkt im Leben. Vielleicht auch noch für den nächsten und übernächsten Zeitpunkt, so dass sich aus deren Aneinanderreihung ein ganzer Zeitraum definieren lässt. Dieser wird jedoch endlich sein, und dann?

Will ich mich dann erneut sozialkonform einschränken, oder spanne ich die Flügel und fliege? Vielleicht ist die Schuld-Frage unsinnig. Höchstwahrscheinlich sogar. Vielleicht sollten wir uns weniger die Augen aushacken als vielmehr uns gegenseitig mehr Freiraum zur Lebensgestaltung zugestehen und uns beim Fliegen helfen.

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There is an art, it says, or rather, a knack to flying. The knack lies in learning how to throw yourself at the ground and miss. – Douglas Adams

21052019.

Zeit ist ein Fluss. Zeit ist ein Gummiband. Zeit dehnt sich, streckt sich, macht sich breit, tritt über die Ufer. Zeit zieht sich zusammen, komprimiert sich, auf den Punkt. Tausend Jahre sind ein Tag.

Eine Woche ist der Sohn nun bei uns.

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Stillen ist mein Endgegner.

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Der Rest geht unter in Idylle.

Darf man laut sagen, dass sich die Schlaflosigkeit in Grenzen hält? Oder dass der Mann alles, wirklich alles an Aufgaben übernimmt, die so anfallen? Weder war die Geburt traumatisch, noch gehen wir im Wochenbett unter. Weder werden wir überrannt, noch allein gelassen. Darf man der annähernden Perfektion misstrauisch gegenüber sein? Muss man es vielleicht sogar?

Ich habe drei Horkruxe an meiner Seite, die mein Herz tragen.

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Es sind gute Zeiten.

(Murphy, sage mir, habe ich es jetzt verhext?)

17052019.

In der Nacht zu Dienstag kam das Herzenskind auf die Welt.

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Ich nenne den Zustand, der mich seither in Atem hält, „emotionale Überarbeitung“.

Denn es rumort heftigst in mir, und – so sieht es zumindest von außen aus – auch im Mann. Wer sind wir jetzt, wie „gut“ sind wir als Eltern, können wir „Team“ auch bei dieser Aufgabe?

Die Tage sind erholsam, die Nächte weniger. (Als würde ich Eltern da etwas neues erzählen, hüstel.) Der beste Plan, den wir dank GlückSchicksalUniversum umsetzen durften, war die ambulante Geburt. Vier Stunden nach dem ersten Schrei des Kindes waren wir bereits auf dem Weg nach Hause.

Die ersten beiden Tage waren somit geprägt von sehr viel Ruhe, freier Zeiteinteilung, der Freude über das eigene Bett und überhaupt von Familienzeit ganz ohne fremde Menschen oder Rücksichtnahme auf solche.

Das Hormon- und Schmerzmittelhoch ließ mich sogar die bei einer ambulanten Geburt notwendigen, und bereits vorbereiteten, Arzttermine noch am selben Tag endgültig festlegen, so dass wir uns jetzt auf dieses kleine Menschenkind konzentrieren können.

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Der kleine Hund ist sehr in Sorge um das Herzenskind und kontrolliert sehr schnell und streng, ob wir auch alles richtig machen. Sein Blick lässt keine Zweifel daran, dass wir seiner Meinung nach von Welpenaufzucht so gar keine Ahnung haben.

(Wie geduldig und sensibel der Hund doch ist, und ja, aktuell müssen wir aufpassen, dass er nicht zu kurz kommt, versuchen es allerdings durch zusätzliche Vergünstigungen wie Mittagsschläfchen im Bett mit uns anderen zu kompensieren.)

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Das Internet, insbesondere der blaue Kurznachrichtendienst, ist ein besonderer Ort – so viele liebe Nachrichten, Wünsche und Gedanken sowie wundervolle Geschenke, die uns erreicht haben – das ist auf vielen Ebenen so großartig schön, dass ich sehr dankbar dafür bin, das zu erleben. <3

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Noch überlege ich, ob und wie ich über die Geburt und die damit verbundenen Erfahrungen schreiben soll. Vielleicht erst einmal nur für mich, vielleicht auch gar nicht, vielleicht später.

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Passen Sie auf, was Sie sich wünschen – es könnte in Erfüllung gehen.