25012018.

Dieses Grundstücksthema, das seit gestern in unserer Familie rumgeistert, hat das Potenzial, dass wir uns alle verkrachen könnten, wenn wir wöllten, was wir zwar nicht tun, wobei wir nichtsdestotrotz sehr vorsichtig agieren müssen. Es hat sich nämlich in Telefonaten mit meiner Schwester und meinem Bruder herausgestellt, dass das alles nicht so ganz einfach wird. (Einfach formuliert.)

Meiner Schwester war bislang nicht klar, um wie viel Geld es tatsächlich geht. Sie will das Grundstück jedoch haben, weil sie es nicht bewirtschaften will. Sie plädiert für Status quo belassen bis die Eltern irgendwann sterben. Das verschiebt das Problem zeitlich nach hinten. (aus den Augen, aus dem Sinn.)

Meinem Bruder war immerhin klar, dass das nur ohne größere Kalamitäten abgeht, wenn meine Schwester und ich unser Okay geben. Ihm war nicht klar, dass ich damit nicht einverstanden sein könnte. Er akzeptiert eine andere Lösung nur unter folgenden Bedingen: kein Verkauf, keine Erbengemeinschaft, es darf nicht verwildern. Zudem behält er sich vor, sich einzumischen, wenn das besitzende Geschwister das Grundstück doch irgendwann verkaufen will. (Alter, seriously?!) Er plädiert für Abwarten.

Mir war bislang nicht klar, dass meine Eltern vollendete Tatsachen formuliert haben, wo noch keine sind. (Hier kommt wieder mein Gefühl des Übervorteilt-werdens ins Spiel: ach, was soll die Kleine schon dagegen haben?) Mir war ebenfalls nicht klar, dass ich das Grundstück als Anlageobjekt sehe und es meinem Bruder alleine nicht gönne (jaja, ich bin ein schlechter Mensch – deal with it!), sondern es zu gleichen Teilen für uns Drei haben möchte. (Überraschung!) Zudem war mir nicht klar, dass das Grundstück bewirtschaften werden soll, sprich nicht verwildern soll. (Zitat „Da kannst du dich aber nicht davon freikaufen!“)

Klar ist auch, dass meine Eltern das handhaben können wie sie möchten. Sie sind die Eigentümer und wir können noch so sehr uneinverstanden sein, letzten Endes ist es ihre Entscheidung. (Außer mein Bruder lehnt ab. Eher friert die Hölle zu.)

Ich habe nun für mich folgendes herausgefunden (man wird ja schlauer bei sowas, immerhin!):
– Meine Geschwister und ich sind ganz schlecht darin, gemeinsame Lösungen zu finden, die wirklich ergebnisoffen sind, also ohne vorherige Bedingungen. Wir haben es nie gelernt, aufgrund eines zu großen Altersunterschiedes zwischen mir und ihnen sowie aufgrund der Dynamiken zwischen meinen Geschwistern.
– Es ist die Art und Weise meiner Eltern, es allen recht machen zu wollen. Dazu gehört, dass mein Bruder vor langer Zeit mal äußerte, er wolle dieses Land haben, und dazu gehört, dass ihm das vor dem Großen Sterben „zugeschustert“ wird (böse formuliert). Dass allerdings keine benachteiligt wird, werden die Töchter nun ausgezahlt. So äußert sich die Liebe unserer Eltern.
– Es besteht die entfernte Möglichkeit, dass aus diesem Grundstück Bauplatz wird. Dann steigt der Wert in der Gegend locker um das 50- bis 100-fache. Ich will UN.BE.DINGT (!), dass bei einer eventuellen Überschreibung auf einen Einzelnen eine Option für die anderen Beiden bei Verkauf eingetragen wird. (Angst vor Übervorteilt-Werden, you see? Sie können mich jetzt als „geldgeile Alte“ beschimpfen, aber es werfe den ersten Stein, wem es anders ginge.)
– Ich halte die ganze Aktion meiner Eltern für kompletten Bullsh*t. Meine Mutter möchte mit allem Willen kontrollieren, was sie meint noch kontrollieren zu können und will partout durchsetzen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. (Das ist seit einiger Zeit auf ganz vielen Ebenen verdammt anstrengend.)

Ich bin in dieser Situation gezwungen, etwas ganz neues zu tun: vor meiner Familie für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Mich selbst nicht zu verleugnen, sondern zu äußern, wie es mir geht und was ich will. Bislang habe ich mich da ja erfolgreich drum gedrückt, jetzt wird es ernst. (Versuchen Sie dabei nicht zu heulen und keine Wutanfälle zu bekommen, sondern fundiert und sachlich zu bleiben, dabei auf die Gefühle der anderen einzugehen, um nicht wieder als „die Kleine“ ignoriert zu werden. Heidewitzka. Ich brauch ’nen Schnaps!)

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In der Ruhe liegt die Kraft.

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Nachklapp: Das Thema ist eskaliert. Zwischen meinem Bruder bzw seiner Frau und mir sowie mir und meiner Mutter. Erst wollte ich diesen Text offline stellen, aber…nun, ich will zumindest hier meine Wahrnehmung stehen lassen und gesehen wissen. Aktuell sieht es so aus als sei ich die Nächste, die mit einem anderen Familienmitglied auf längere Sicht nicht sprechen wird. (Hochmut und Stolz sind die Fallstricke unserer Familie.)

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21012018.

Mir träumte von Menschen und Gestaltwandlern, von Wölfen und deren Kindern, von Menschenkindern und Mord, Blut und Gewalt. Ich hatte Magie und Macht und konnte doch keinen retten.

Absurd wie mein Unterbewusstsein Familie mit Freunden und Bekannten vermischte, mit Sportlerinnen und Filmstars, wie ganze Handlungsstränge entstehen und Sinn erzeugen, oder auch nicht. Wie nur ein Abbild bleibt, das einen den ganzen Tag verfolgen kann, wenn man es nicht loslässt.

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Vor einigen Jahren veröffentlichte ich – noch anonymer als jetzt – eine wahre Geschichte über meinen Vater, meine Mutter, seinen Alkoholismus und mich und Weihnachten. Sie hat sich nicht verändert, wohl aber meine Wahrnehmung und meine Rezeption.

Die Kinder, die Töchter und Söhne, ich, wir haben nicht die Aufgabe unsere Eltern zu retten. Es ist nicht die Aufgabe derjenigen, die älter sind und mehr Lebenserfahrung haben, sich vor uns, vor mir, für ihren Weg und ihre Entscheidungen zu rechtfertigen. Nur sie kennen die genauen Umstände, die dazu geführt haben, sie haben darin gelebt und gefühlt, ich war nicht dabei.

Es hätte in dieser Familie alles ganz anders gewesen sein können. War es nicht, ist es nicht und das haben meine Eltern sehr gut gemacht.

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Wahrnehmung, ich nehme wahr, ich sehe meine Wahrheit, ich nehme Wahres an. (Das gilt dann halt auch für Vorhänge und die Frage, ob objektiv gerade hängend oder subjektiv.)

03122017.

Das Grundrauschen dieser Tage hört sich an wie eine Autobahn. Man selbst steht an der Seite, hält den Daumen raus und guckt, ob gerade jemand Zeit hat, einen mitzunehmen. Ständig kommt was vorbei, meist in Form eines PKW, der einen in die eine oder andere Richtung mitnimmt. Hin und wieder auch in die falsche, und dann heißt es, erstmal wieder die richtige Auffahrt zu finden. Zwischendurch donnert ein Sattelschlepper viel zu nah über einen hinweg, woraufhin man aus dem Straßengraben rauskriechen und mal wieder zählen muss, ob noch alle Knochen heile sind. Zwischendurch hupt dich einer von der Seite an und du überlegst, was du hier eigentlich machst. Eine Autobahn ist womöglich der falsche Ort für einen Tramper, trotzdem geht man halt erstmal weiter, weil runter geht gerade nicht. Der nächste Rastplatz ist außerdem unsauber und chaotisch, weil noch nicht fertig gestellt, zudem gibt es nur lauwarme Kaffeebrühe. Das Ziel, das warme, wo die hausgemachte Hühnersuppe wartet und der Kaminofen brennt, ist noch weit entfernt. 

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Die Hoffnung, am Ziel anzukommen, bleibt. 

18102017.

Heute früh schrieb ich an anderer Stelle „Vor 7:00 aufgestanden, geduscht, angezogen & koffeiniert. Für eine, die mal wegen Depression tagelang das Bett nicht verlassen konnte…Hammer!“

Es ist lange her, damals in meinem ersten Studiengang, den ich abgebrochen habe, indem ich bis zur Besinnungslosigkeit feierte. Und es war nicht nur das Feiern, es war eine Leere, die ich versuchte damit und durch langes Schlafen und viel Alkohol und viel müßige Gesellschaft zu füllen. Das eine bedingte das Andere und das wiederum verstärkte das Eine und so wurde es ein Teufelskreis, dem ich nicht mehr entkommen konnte. Das ist nun knapp 10 Jahre her.

Noch länger her sind die ersten Tage, in denen ich im Bett lag und mich fragte, was das hier alles eigentlich soll. Es war zu meiner Oberstufenzeit, in der ich mich als Volljährige selbst entschuldigen konnte. Für meine Mutter war ich „faul“und „eine Enttäuschung“ und noch heute höre ich meine Tante mich schelten „dass meine Eltern sich fragten, was sie da eigentlich herangezogen hätten“. (Das Abi habe ich ohne Lernaufwand mit „gut“ bestanden. Noch heute muss ich mich überzeugen, dass das auch wirklich „gut“ bedeutet und nicht „enttäuschend“. Das nur am Rande.) Das ist jetzt etwa 15 Jahre her.

Das waren der Anfang und der Höhepunkt. Zwischendurch gab es noch weitere Tiefpunkte, immer wieder anders, niemals wieder so schlimm, und ich ahne, es werden weitere kommen.

Diese Krankheit verlässt dich nicht. Du lernst nur damit zu leben und anders, vielleicht besser, damit umzugehen. Ich kann dir keine Tipps geben. Ich kann dir nur sagen „Es wird. Es fügt sich. Hab Vertrauen.“

Zu mir haben das viele mehr oder weniger nahe stehende Menschen gesagt, in unterschiedlichsten Variationen. Ich habe es gehört, ich habe es verstanden, ich habe es ihnen nicht geglaubt. So ist das.

Jetzt höre ich es mich selbst sagen. Mir glaube ich mehr. (Zumindest an den guten Tagen.)

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Es wird. Es fügt sich. Hab Vertrauen.

25092017.

Anfang des Monats begann ich drüben bei twitter eine Fortsetzungsgeschichte – jeder Tag ein Teil, heute fehlen mir bereits vier davon. Mein Herz ist übervoll und doch so leer, dass ich nichts zu schreiben vermag.

Der Gesundheitszustand meiner Eltern lässt derzeit nicht zu, dass sie im Dezember an unserer Hochzeit teilnehmen werden. Die Tränen, die ich die letzten Tage darüber und über die Endlichkeit im Allgemeinen und meine Eltern im Speziellen vergoss, waren heiß und bitter. Es gibt Zeiten, da verfluche ich meine späte Geburt, die mir nicht erlaubt, dass ich einerseits das Leben in meinem Tempo lebe und andererseits meine Eltern daran teilhaben zu lassen, so wie ihre beiden älteren Kinder das Glück hatten. Es ist unfair, ich hadere damit und kann natürlich nichts dagegen unternehmen.

Wir glauben an unsere Unsterblichkeit, meinen der nächste Tag sei genug und fragen uns schlussendlich doch, ob wir genug Bilder in unserem Herzen und unserer Erinnerung gespeichert haben, dass es für den Rest der eigenen vermeintlichen Unendlichkeit genügen möge. Stunde um Stunde überprüfe ich, ob es wohl ausreichen mag, erinnere mich an Erlebnisse, an Gerüche, an Stimmen und Berührungen und fürchte doch, ja ahne geradezu, dass es immer zu wenig sein wird. Dass alles verblassen wird, wenn das Original nicht mehr da ist, und wenn mit der Zeit mein eigenes Dasein schwinden wird.

Hätte ich schneller, entschlossener leben sollen? Hätte ich mich früher entscheiden sollen? Hätte ich mehr machen sollen? Im Innern raunt es Nein, denn ich lebe für mich, in meinem Tempo, mit meinen Themen und Belangen. Meine Eltern sind nur Begleiter für einen Teil des Weges, ich schulde ihnen nichts. Außer Dank für Wurzeln und Flügel.

Und für ein Herz, das aushalten kann, dass Wurzeln absterben und Flügel alleine tragen müssen.

12092017.

Um 07:15 habe ich meinen Kaffee aus der LieblingsKaffeemaschine geholt und habe mich auf den Weg zur Bahn…nein, wieder ins Bett gelegt. Um den neugierigen Hund zu bekuscheln, um aufzuwachen, mich innerlich zu orientieren. Morgens brauche ich meist etwas mehr Zeit bis ich zu mehr in der Lage bin als nur zu existieren.

Und als ich da so durch die Wohnung tappste,  ging mir auf, wie unfassbar froh und erleichtert bin, dass ich nicht mehr in das Büro des vorherigen Arbeitgebers muss. Dass ich mich nach mir richten kann, dass ich jetzt nicht durch diese graue Welt da draußen hetzen muss. Dass ich mich nicht darauf einstellen muss, wer will was wie schnell von mir und weshalb immer auf mich? *

Das ganze ist jetzt ungefähr ein halbes Jahr her, und ich muss sagen, in diesem halben Jahr hat sich sehr viel zu meinen Gunsten und zu meinem Vorteil entwickelt. Ich habe das Gefühl, endlich anzukommen – sowohl in mir selbst als auch im Leben. Ich glaube, das ist ganz gut.

* Im Spielwarenladen will auch ständig jemand was von mir, mir haben meine Füße schon lange nicht mehr so weh getan, aber es ist ein anderer Umgang. Die Damen kümmern sich umeinander, fragen nach und manche Kinder sind echt herzig. Es ist…anders. Und gut.

01072017.

In naher oder auch ferner Zukunft, wer mag es schon vorher zusagen, werde ich eine garstige Alte sein. Die Zeit werde ich mir vertreiben, mit einem Kissen unter den Armen aus dem Fenster auf die Welt herabschauend, und werde euch all das zurückgeben, was ihr euch verdient habt.

Der Hundehalterin, die ihren kläffenden Köter eine Stunde lang ignoriert, werde ich zugreinen, dass sie sich um ihre Töle zu kümmern habe und ihren Latte Matschiato getränkten Hintern aufraffen soll, um seine Schei*e wegzumachen, dass der Oppa von gegenüber nicht wieder reinlatscht.

Die Eltern, die seit einer halben Stunde über dem Kopf ihrer nölenden Kindergartengöre „diskutieren“, wer von beiden richtiger und besser spiele, werde ich aufklären und ihnen mitteilen, dass ihr Sprössling ohne sie besser dran sei und lieber mit der kackenden Fußhupe rumrennen solle, so dass beide vor ihrer steten Verfettung bewahrt werden.

Ich werde eine der Erinnyen sein und euch dreißigfach und hundertfach den Lärm, die Ignoranz und die Empathielosigkeit vergelten, die ihr sorgenfrei und gedankenlos über der Welt ausstreut, die mich angreifen, die mich ermüdet haben, die mein Nervenkostüm zerrissen haben.

Das seit Stunden dudelnde Radio werde ich verfluchen, mit grausameren Worten als eine der Shakespeare’schen Hexen sie erfinden kann. Den Besitzer des über Gebühr lauten Weckers, der morgens um halb 4 die ganze Straße weckt, werde ich mit einem Eimer Putzwasser erwischen. Alles werde ich euch zurückgeben und meine Wut wird von einer Größe sein, die ihr noch nicht kanntet.

Ihr werdet euch abwenden, werdet den Kopf schütteln, voll von Unverständnis, wie es so weit kommen konnte, was nur geschehen sei. Ihr werdet die Schuld bei mir suchen, nicht in der Welt, nicht bei euch, nicht im Lärm. Ich werde mich zurückziehen in meine Burg aus Schatten und Stille, über euch richtend, wie es nur dem Einen zusteht.

Und was gesät wurde, wird aufgehen und ich werde an mir selbst ersticken.

***

So ein Tag, an dem einfach alles zu viel ist.