17022018.

Heute früh auf dem Weg zur Arbeit sind die Pferde mit mir durchgegangen. Ich habe meine Wut in einer Kurzschlussreaktion nach außen gekehrt und wurde prompt von der Polizei angehalten. Eine eigentlich harmlose Situation, die ganz dumm gelaufen ist und die mich den Tag über sehr beschäftigt hat. Wenn der Karmabumerang nicht zu Ende geflogen ist, kann es noch richtig teuer werden.

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Entsprechend angespannt war ich heute und konnte dem Wahnsinn, der aktuell bei der Arbeit tobt, nicht ganz so gelassen entgegen treten wie es nötig gewesen wäre. In viereinhalb Stunden mussten daher eine Packung Schokokekse und zwei große Tassen Kaffee daran glauben. Die neu in das Tagesgeschäft integrierte Inhaberin bringt vieles durcheinander, was von den alteingesessenen Kolleginnen entweder mit Feuereifer umgesetzt oder mit norddeutscher Sturheit ausgesessen wird. Das kollidiert doch sehr miteinander.

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Der Mann ist krank, der Hund in der Pubertät. Überhaupt ist in China der berühmte Sack Reis umgeplumpst, der Mond steht zudem schief zur Erdachse und der Himmel ist uns längst auf den Kopf gefallen, ohne dass wir es bemerkt haben. So eine Woche ist das.

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Läuft schon irgendwie.

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05022018.

Der Mann machte sich heute früh auf zu einer 5tägigen Geschäftsreise Richtung Ungarn. Der Hund und ich waren bzw sind noch unentschlossen, was wir davon halten sollen, so ganz wohl fühlen wir uns aber beide nicht. Ich hänge in der Luft, weil mir mein Freund und Partner und eben der Mensch fehlt, mit dem ich am liebsten Zeit verbringe. Der Hund hängt mit, weil er merkt, dass Frauchen hängt und so hängen wir beide halt so rum. Hinzu kommt, dass mir die ca 200qm Haus so alleine einfach noch nicht geheuer sind. (Entsprechend schläft das Vieh diese Woche mit im Bett im Schlafzimmer.)

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Der Arbeitgeber des Mannes hat uns außerdem zwischendurch einen Gutschein für eine Kochbox spendiert – nicht h*llofr*sh, die haben wir schon vor zwei drei Jahren getestet und dabei als unsympathisch, übertrieben teuer und unpraktisch befunden – diesmal heißt der Anbieter koch*haus und des Mannes Firma war so großzügig zweimal Essen für eine 4köpfige Familie zu finanzieren, was darauf hinausläuft, dass wir gefühlt eine Woche durchfuttern können, vorausgesetzt die Kochbox liefert normalverfressene Mengen. Die Rezepte sind für unsere Verhältnisse eher „exotisch“, was allerdings eher auf die Seltenheit denn auf den Geschmack bezogen ist.

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Mich treibt meist wenig an, aber öfter vieles um. Derzeit ein Interview mit Uma Thurman, in dem sie schildert, wie vielgestaltig Missbrauch in Erscheinung treten kann. Es geht um Weinstein, aber auch um Tarantino und es bestätigte sich, was ich schon ahnte, dass ein derartiges Oeuvre nicht einfach so aus dem Nichts entsteht und ohne Wurzeln im Raum schwebt, sondern, dass es sich (wohl unter anderem) aus dem Wesenskern des Schaffenden nährt. Kunst und Künstler stumpf zu trennen funktioniert nicht, kann für mich nicht funktionieren, ist beides doch über den Lebenslauf zwangsweise miteinander verknüpft. Auch ein Ignorieren ist für mich falsch, degradiert es die missbrauchte Frau nur erneut und beraubt sie ein weiteres Mal ihrer Würde, indem ihr Leiden nicht anerkannt wird. Es kann nur weitergehen, indem die Rezeption erweitert wird, indem ein Werk zusätzliche Schätzung erfährt, weil gewürdigt wird, was dafür von den Frauen ertragen und getragen wurde. Nicht nur bei Kill Bill, auch bei Frida und etlichen anderen Filmen. Frage: hat Leid einen Nutzen? Wozu war ihr Leid nützlich, wenn wir jetzt das Werk boykottieren, und damit auch ihren Anteil daran?

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Janusköpfige Argumentation.

31012018.

In den letzten Tagen habe ich viele Texte geschrieben, hasserfüllte, verbitterte, wütende, leidende, alle in meinen Gedanken, keinen verschriftlicht und erst recht keinen veröffentlicht. Das bin ich nicht, das will ich nicht sein. Mit Ruhm habe ich mich nicht bekleckert in dieser Familiengroteske, die anderen jedoch auch nicht, so gleicht sich alles aus und bleibt in waage. Mit Bravour haben wir unsere seit Beginn der Familiengeschichte festgelegten Rollen gespielt, es braucht noch ein bisschen mehr diese aufzubrechen.

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„Nein“ zu sagen hat mir gut getan, wenn ich auch in Art und Weise sowie Durchführung für die Zukunft noch Verbesserungsbedarf sehe. Der Gedanke, dass Liebe nicht nur bedeutet, es anderen Recht machen zu wollen, sondern in erster Linie auch es mir selbst Recht machen zu dürfen, ist ungewohnter als ich dachte. Zu dem Themenbereich gehört auch Selbstschutz, stelle ich fest, und dazu wiederum gehören Funkstille und blockierte Rufnummern. (Nein, einfach oder gar schön ist es nicht, es quält mich aber auch nicht zu Tode. Mein Bruder merkt dies frühestens zu seinem Geburtstag im Dezember, meine Mutter in 2 oder 3 Wochen, wenn das monatliche Telefonat anstünde.)

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Rückendeckung bekommen. Mich nicht alleine gelassen gefühlt. (Es gibt da noch sowas wie eine Wahlfamilie, die Aufenthalte dort sind in solchen Situationen energiespendend, weil unterhaltsam, gesellig, lustig und nicht alltäglich.)

24012018.

Den Gutachter, der mir erzählte, dass meine Haustüre wirklich (!) einen ganzen Zentimeter (!) zu schmal (!) für den Türrahmen ist (ach, echt?!) und dass ein Austausch weitere sechs Wochen (!) auf sich warten lässt, obwohl wir bereits acht Wochen (!) auf Reklamationsbearbeitung warten, konnte ich noch freundlich lachend an mir abperlen lassen.

Die Info, dass meine Eltern meinem Bruder ein Grundstück in der Heimat schenken wollen statt dieses im Erbe zu belassen, regt mich allerdings wieder so auf, dass ich innerlich schäumend verbal vor mich hin eskaliere. Wenn mein Bruder derart hinter etwas her ist, dann sieht er einen größeren Nutzen darin. Und die Familiengeschichte zeigt, dass meine Eltern ihn, den einen wahren Herrn einzigen Sohn, gerne bevorteilen, ohne dass es ihm und ihnen bewusst ist. Meine Schwester, das Schaf, hat bereits ihr blindes Okay gegeben. (hier massives Augenrollen einfügen über Rollen in Familien, Erwartungshaltungen sowie deren Erfüllung)

Die Bräsigkeit der Heimatstadt-Beamtinnen, die mich von A nach B nach C und wieder zurück nach A durchstellen, weil ich eben Informationen zu diesem Grundstück haben will, die schlägt dem Fass den Boden aus. Wie, um Himmels Willen, kann man nur so desinteressiert und unhilfsbereit sein? (Ich gehe übrigens mittlerweile davon aus, dass die Damen allesamt im selben Zimmer saßen.)

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Jetzt selbst arbeiten und sich die Damen als So-Nicht-Beispiel vor Augen führen.

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Nachklapp: Ich kann nicht hundertprozentig sagen, was mich derart in Rage versetzt. Ist es das Thema Endlichkeit und das näher kommende Sterben meiner Eltern? Ist es meine Rolle in der Familie und dass ich diese kaum ändern kann, weil die Rezeption der anderen Beteiligten es nicht zulässt? Vielleicht triggert mich auch „nur“ die Art und Weise wie mein Vater das Thema kommuniziert hat? Es wird, wie so oft, etwas von allem sein.

16012018.

Ich mäandere so durch das Leben. Vormittags zuhause mit Hund, Haushalt und angenehmen Dingen, nachmittags die Arbeit im Spielwarenladen. In der letzten von zwei Urlaubswochen stellte ich wieder fest, dass nur Zuhausesein mich über einen längeren Zeitraum hinweg unleidig und aggressiv macht. Keine Auslastung, kein externer Input, keine Kommunikation, zuviel Abhängigkeit von diesem Internet.

Ich brauche den Kontakt mit Menschen, erst recht mit den netten sozial Kompetenten, aber auch mit den vermeintlichen oder tatsächlichen Idioten (nennt sich dann halt „Abgrenzung“). Hilft also alles nichts. Das Verständnis für die Kollegin, die mit über siebzig noch täglich im Laden wurschtelt, ist dabei durchaus zwiegespalten. Nota bene: rechtzeitig vor Renteneintritt umfassende Hobbies sowie einen großen Freundeskreis finden. Stichwort: irgendwas mit Gebrauchtwerden.

Wasmirfehlt: eine Vorort-Freundin. Die Damen aus Studienzeiten sind mindestens eine Stunde Fahrt entfernt und mal eben so auf einen Kaffee geht leider nicht. Und manchmal fühlt sich das sehr einsam an. Und nein, anrufen ist nicht dasselbe.

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Die Buchsache ist noch nicht geklärt, weil die Geldsache noch nicht geklärt ist, weil anscheinend meine Karte (3 Wochen alt!) hinüber ist. Ganz ehrlich: ich habe keinen Bock da anzurufen, aus der Befürchtung heraus, dass etwas Gravierenderes dahinter steckt. Wofür es allerdings keine Anzeichen gibt, was jedoch die innere Anspannung trotzdem nicht abklingen lässt. Erfahrung erzeugt nicht nur Sicherheit, sondern auch Angst. (Bescheuert, dass mensch lieber sowas aushält als es zu lösen.)

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Anderes aus der Kategorie „Angst“: Autofahren. Vor fünfzehn Jahren habe ich in der ländlich geprägten Heimat den Führerschein gemacht, ein minifuzzikleines Unfällchen bei der ersten Fahrt nach Bestehen gemacht, bin dann in die Großstadt gezogen – und seither nicht mehr gefahren. Es hat mich damals schon gestresst, die mangelnde Übersicht durch diesen niederen Blickwinkel, zu viele Einflüsse, die verarbeitet werden müssen, die Arschlochigkeit der anderen, der Druck der äußeren Erwartungen („jeder und alles fährt, so einfach, aber das ist doch normal, wie machst du das denn und oh mein gott, das könnte ich nicht, so ohne auto“). Legt’s euch gehackt.

Der Plan, vielmehr die Idee ist es, das dieses Jahr wieder anzugehen. Die Angst abzubauen, vielleichtwahrscheinlich auch therapeutisch, und den Führerschein wieder zu aktivieren. (Die Karte habe ich nur als Ausweis genutzt, hauptsächlich zum Feiern, und irgendwann mal Anfang 20 besoffen beim Radfahren verloren, ziemlich sicher liegt sie noch immer im Straßengraben in Hannover am Waterloo.)

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Der Hund schläft gerade auf meinen Füßen und schnarcht. <3

14012018. 

Heute viel getan. Ein Drittel des Wohnzimmers ist jetzt fertig. Wir haben nun Türen, zumindest unten. Langsam wird das hier was.

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Die langen Spaziergänge in kaltem Wetter sind mein derzeitiges Highlight. Der neugierige Hund traut sich auch langsam den Pferden der weiteren Nachbarschaft „Hallo“ zu sagen. 

Die Diskrepanz zwischen dem vorherigen Wohnviertel in der Innenstadt und dieser ans Ländliche grenzenden Ecke ist eklatant. Lautstärke, Sauberkeit und hm,… Sozialisation machen viel aus. Besonders bewusst wurde mir das nach zwei Wochen Urlaub und meiner daraus resultierenden Abwesenheit von der Stadt.

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Dankeskarten schreiben, in Umschläge stecken, frankieren, absenden. Die Hochzeit ist damit abgeschlossen, das vergangene Jahr, das mich so reich beschenkt hat auch, und doch werden die Auswirkungen lange nachhallen.

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Viele Gedanken in mir, die meisten unausgegoren. Über PolitikerInnen, die sich keine Gedanken geschweige denn Sorgen über Bildungsmöglichkeiten, über Pflegekosten oder anderweitige Teilhabe am sozialen Gefüge machen müssen, da es für sie nicht relevant ist, weil ihre Gehälter so verf*ckt hoch sind, dass sie einfach den privaten Sektor bemühen können. Wundert es da noch, dass der oftmals bemühte Wählerwille, gar Volkeswille, mit Füßen getreten wird? Es ist zum Heulen.

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13012018.

In der Lieblingsbuchhandlung möchte ich heute einen Gutschein einlösen, für das Buch muss ich selbst noch etwas dazulegen (ein Bildband namens „Flora“, der KunstDarstellungen von Blumen und anderen Pflanzen aus den letzten 3000 Jahren beinhaltet). Mal wieder habe ich keinen Überblick über meine Finanzen, die Karte weigert sich, ich blamiere mich – gefühlt – mit meiner Reaktion. Noch immer ist so eine Situation für mich hochnotpeinlich, vor 10 Jahren hätte ich nun für den Rest des Monats von Nudeln mit Tomatensauce aus dem Tetrapack gelebt. Diesmal weiß ich zumindest, dass es sich nur um eine Buchungsverspätung handelt, selbst verschuldet. In diesem Moment mache ich mir Vorwürfe, der Nachhall des unangenehmen Gefühls, der verkrampfte Magen, sie merke ich noch einige Stunden später. Das Buch kann ich nun erst Montag holen, die Freude ist spürbar gedämpft.

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Wir setzen die Renovierungsarbeiten im Haus fort. Erst jetzt wird mir klar, wie sehr wir uns unter Druck gesetzt und kaputt gearbeitet hatten. Plötzlich fühlt sich das Heimwerkeln wieder wie ein Wochenendvergnügen an, was man eben so an einem Samstag oder Sonntag macht.

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Ich trage in mir eine ungekannte Wut ob der – nun, so scheint es, endgültigen – politischen Entwicklungen. Bullsh*t. Ich bin dermaßen angep*sst von diesen macht- und postengeilen Sackratten, die sich Politiker schimpfen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Was rege ich mich hier auf, selten hab ich morgens beim Hören der Nachrichten derart gepöbelt. Wer mich im privaten kennt, weiß, dass ich oft aus einer emotionalen Einschätzung der Lage heraus reagiere und in solchen Momenten ganz die Tochter des Arbeitervaters bin, der laut donnerte „Soll sie doch der Blitz beim Schei*en treffen!“ Himmelarschunddonnerwetter.

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Empört euch!