23042019.

Derart gealpträumt, dass ich weder erneut einschlafen noch liegen bleiben wollte.

Immerhin zu der (wiederholten) Erkenntnis gekommen, dass ich meiner Angst und Hilflosigkeit durch Wut, Schreien und Lautstärke Ausdruck verleihe.

Was auch im Traum unwirksam und zerstörerisch ist.

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Beim Kurznachrichtendienst in Timeline-Unterhaltungen zweiten und dritten Grades reingelesen. Über Repliken und Verlinkungen dorthin gelangt, zu groß der Wunsch nach Ablenkung von den Nachtmahren.

Zu der Erkenntnis gelangt, dass ich nicht jedes Unrecht auf der Welt kennen muss oder möchte, um zu wissen, dass Unrecht existiert. Unrecht teilen als moderne Form des Katastrophentourismus.

Außerdem verstanden, weshalb derzeit so viele äußern, dass es so anstrengend, giftig, nervenaufreibend geworden sei. Privatsphäre ist ein hohes Gut, und nicht alles braucht geteilt, kommentiert oder diskutiert zu werden.

Der Mensch dem Menschen ein Wolf.

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Die letzten vier oder fünf Tage habe ich, bis auf kurze Ausnahmen, ausschließlich offline und im Garten verbracht.

Ich habe Sommersprossen auf der Nase bekommen, während wir gebuddelt gegraben umgepflanzt gegossen gegrillt geschlafen gelesen gespielt geredet gelacht und es uns überhaupt haben sehr gut gehen lassen. Der Mann, ich und der Hund.

Soweit ich das sagen kann, sind wir bereit für das Kind.

Und logisch, haben wir auch ein etwas größeres Gartenprojekt für die Elternzeit geplant. Wäre ja sonst langweilig. Die Materialien werden diese Woche noch geliefert.

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Seit dem Brand von Notre Dame kreisen die Gedanken vermehrt um Endlichkeiten, um Vergänglichkeit, aber auch um Glaube und Hoffnung – worin, in welcher Form des Glaubens, fühle ich mich geborgen und aufgehoben? Nicht evangelischrömischkatholischorthodoxjüdischbuddhistischhinduistisch, nicht in Details verlieren, eher ein großes Ganzes, ein universales Konzept, eines, in dem ich mich verorten kann.

Kurz, vor längerem schon, gedacht, ich hätte etwas gefunden, „allein, mir fehlt der Glaube“.

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Vertrauen soll wohl ganz gut sein.

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18042019.

Wie sie so drei oder vier Wochen vor Geburtstermin alle aus ihren Ecken gekrochen kommen.

„Wie lange lässt das Kind MICH denn noch warten?!?!“

„Schick mal ein Foto von deiner Kugel!!!!“

„Wann kommt denn MEIN Enkel/Paten/Neffen/Nichtenkind?“

„Ich will doch DEN Bauch sehen! Bist du dick?“

„Ist die Schwangerschaft denn mittlerweile beschwerlich?!“

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Sie kommen aus ihren Löchern, um zu gaffen und maulaffenfeil zu halten. Sie haben sich 7 oder 8 Monate lang nicht gemeldet, versuchen mit Smalltalk an Ebenen anzuknüpfen, auf denen sie nie waren, und wenn, doch schon lange herunter gefallen sind.

Sie sind die Sensationsgeier, die nicht fragen, wie es mir, dem Kind oder dem Mann geht, sondern sie sind diejenigen, die dabei sein wollen, um des Dabeiseinwillens.

Sie werden diejenigen sein, die unangekündigt vor der Tür stehen werden, „nur um mal zu gucken“. Sie sind diejenigen, mit denen ich den Kontakt minimal halte, ihn teilweise sogar eingestellt habe und mit denen ich trotzdem, deswegen, wieauchimmer, imaginäre Streitgespräche führe.

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Ich kann und will keine uneinnehmbare Burg aus meinem Haus, meiner Familie, meinem Leben oder meinem Herzen machen.

Aber gegen weniger Menschheit hätte ich auch nichts einzuwenden.

11042019.

Das Haus ist fertig gestrichen. Heureka. Lobpreiset die Götter.

Weshalb das erwähnenswert ist?

Weil das erste Mal in diesem Frühjahr, seit die Sonne scheint, keine fremde Person um mein Haus herum werkelt und vor dem einen oder anderen Fenster auftauchen kann. Keine Geräusche, kein Türklingeln, keine unterbewusste Habachtstellung.

Nur ich und der Hund.

Ich konnte heute spontan nach der Hunderunde auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken. In der Sonne. Ohne Beobachtetwerden-Gefühl.

Le Wuff hat den Vormittag einfach draußen verbringen können, ohne jemand zu stören und ohne dass ich die Terrassentür schließen musste.

So viel Lebensqualität wieder zu haben, absolut gold.

Und diese herrliche Stille.

(Wir haben diesmal den Fehler gemacht und nicht nur auf die Handwerkerempfehlung der Nachbarn vertraut, sondern mit ihnen zusammen den Maler beauftragt. Leider konnten wir da nicht mehr abspringen als sich abgezeichnet hat, dass das nicht nach unseren Vorstellungen verlaufen wird. Immerhin: er hat sehr ordentlich gearbeitet und da wir unseren Kostenanteil als Pauschalpreis vereinbart haben, sind es „nur“ der Zeitfaktor und diverse Unzuverlässigkeiten, die uns gestört und eben Nerven gekostet haben.)

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Meine, unsere Hebamme war heute hier. Sie wird „nur“ die Nachbetreuung übernehmen, da ich gerne ambulant entbinden möchte, und so haben wir noch ein paar Formalitäten geklärt, Fragen gestellt und beantwortet, uns aufeinander eingestimmt, sowas halt.

Das war ein schlichtes Gespräch zwischen zwei Frauen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Diese Frau ist ganz da, sehr präsent und strahlt viel Ruhe und Zuversicht aus. Sie hat eine derart bestärkende Art an sich, dass ich jede der bislang getroffenen Entscheidungen als stimmig und passend empfinde, ohne dass sie mir dabei nach dem Mund redet oder „Ja und Amen“ sagt.

Bislang hatte ich immer mal wieder Bedenken, weil unsere kleine Familie so weit weg wohnt, von Eltern und Geschwisterfamilien bzw konkreter von meiner weiblichen Verwandtschaft, und dass es eine Herausforderung wird, so ganz ohne Hilfe in diese neue Rolle zu finden. (Hören Sie auch gerade das Paradoxon aus mir sprechen, das sich die Einmischung von Müttern und Schwestern verbietet und nun doch plötzlich, gerne, vielleicht, so ein klitzekleines bisschen Hilfe nur…?)

Das ist wie weggeblasen. Ohne dass ich es irgendwem gegenüber direkt angesprochen hätte. Ich bin mir mittlerweile sogar sehr sicher, dass wir gute Voraussetzungen dafür haben, unseren eigenen Familienweg zu finden und dass diese Frau uns eine wertvolle Unterstützung dabei sein wird.

Ohne die Einmischung neugierig-übergriffiger Familiennasen.

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Sonst so:

Ruhe ausnutzen, endlich. Mittagsschlaf gehalten. Essen macht wieder Spaß und tut gut. Der letzte Monat scheint ein entspannter zu werden.

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Wer hat an der Uhr gedreht?

09042019.

Alles zermürbend und irgendwie unbefriedigend heute.

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Ich vermisse das Meer.

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Zu viele Menschen um mich herum, die mir auf die Nerven gehen – der nicht fertig werdende Maler, der nicht erscheinende Wartungstechniker, der klingelnde aber nicht liefernde Paketbote, diverse Hundebesitzer*innen, die Smalltalk halten wollen und Nachbar*innen, die auf meine Terrasse rüberrauchen.

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Das Wetter macht mich zudem raschelig, viel Sonne, aber kalt und enervierender Wind. Damit kann ich hier im Norden nicht umgehen, das macht mich aggressiv.

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Zeug erledigt, Sachen ausprobiert, nichts von Bestand, reine Sysiphosarbeit. Am Ende des Tages keine vorzeigbaren Ergebnisse.

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Die Laune wird nicht besser dadurch, dass mittlerweile alles ziept und kneift und schmerzt, innen wie außen, und überhaupt, ich bin gerade mit der Gesamtsituation äußerst unzufrieden.

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Habe ich schon erwähnt, dass ich das Meer vermisse?

04042019.

Offiziell beginnt heute die gesetzliche Mutterschutzfrist. Ich bin im Nachhinein noch immer sehr froh über das bereits früher erteilte Beschäftigungsverbot.

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Wir befinden uns im Urlaub an der holländischen Nordseeküste. Sehr empfehlenswert. Kleines Hexenhaus direkt am Deich mit allem was das Herz begehrt.

Viel Wasser, noch mehr Wind, außerdem Sonne und – dank Nebensaison – viel Ruhe.

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Der pure Luxus: die eigene Bettwäsche mitgenommen zu haben.

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Erkenntnis des Urlaubs: nur dank der Spülmaschinen in unserem Leben hat unsere Beziehung die letzten Jahre gehalten. Es öffnen sich Abgründe.

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Letzte Nacht wurde ein Tier unter unserem offenen Fenster von einem anderen Tier angegriffen, gemeuchelt oder wasweißich, und hat seinem Unmut darüber lautstark Luft gemacht. Größenordnung: Katze, Marder, Ratte, sowas halt. Jedenfalls quietschig. Auch der Hund hat es gehört und die Rabauken verbellt, uns zu schützen.

Damit können wir noch immer an einer Hand abzählen, wie oft er in seinem Leben das Tiefe Wuff von sich gegeben hat, nämlich vier Mal – Briefträger, Katze, Gartenlaubtonne und das Unbekannte Tierwesen.

Es blieb bislang jeweils bei einem tiefen Bellen bzw Wuffen, danach noch gefolgt von Donnergrummeln aus der breiten Brust.

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Ich versuche verstärkt, Bücher von Autorinnen zu lesen. Leider sind mir die Empfehlungen unter dem Hashtag #frauenlesen zu stark von feministisch-belehrender Sach-, Selbsterfahrungs- und Meinungsliteratur geprägt.

Davon interessieren mich an guten Tagen auch nur maximal zehn Prozent. Die restlichen 90 Prozent verteilen sich auf Fantasy, Science Fiction, Klassiker, Zeitgenössisches und alles andere, außer Krimis, ChickLit und Thriller.

Werde also weiterhin eher Ausschau halten nach Büchern auf Flohmärkten, in zu-Verschenken-Körben und im Second-Hand-Laden als nach aktiven Empfehlungen.

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Endspurt.

28032019.

Ich habe heute in einem mehrstündigen Kraftakt Impressum und Datenschutzerklärung dieses kleinen Blogs aktualisiert. Hoffentlich ist das so ausreichend, leider sind nicht alle WordPress-Funktionen deaktivierbar, was das Ganze umständlich und enervierend macht. Was ein unnützer Blödsinn.

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Heute unerwarteten Besuch vom Schornsteinfeger gehabt, der auf unser Dach musste, um bei den Nachbarn einen Aufsatz einzubauen. Gleichzeitig hat er unseren bislang schiefen Schornstein begradigt. Irgendwie fand er irgendwo da oben im Kamin noch ein altes Rohr, das er der Einfachheit halber in unseren Garten warf. Da stand allerdings der Maler, der momentan noch unser Haus streicht, und ich sag mal so: es war recht knapp. Unsere Handwerker haben alle einen an der Waffel.

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Am Sonntag fahren wir an die Nordsee in den verdienten Urlaub. Dringend nötig.

25032019.

Am Wochenende Geburtstagsfeierei des Mannes – rundum gelungen. Wir haben ein neues (gebrauchtes) Auto abgeholt, shoppingähnliche Besorgungen erledigt und opulent gefrühstückt. Den Rest des 20°-Frühlingstages im Garten gewerkelt.

Samstags dann Besuch seines Familienanteils, der überraschend sehr harmonisch und friedlich verlief. Immer öfter stelle ich fest, dass ich lieber Besuch habe als Besuch zu sein. Das Zurückziehen-Können in meditatives Küchengeräume, bei dem man die Menschen und den Lärm nur im Hintergrund hört, ist Gold wert. Zumindest für meinen Seelenfrieden.

Die Großmütter meines Mannes haben bzw hatten beide einen weak spot bei mir. Die noch lebende Oma ist im Alter meiner Mutter und zu ihren Äußerungen konnte ich einfach schweigen bzw sie aktiv überhören. Etwas, das bei Mama mindestens zu harten Auseinandersetzungen und Vorwürfen geführt hätte. (Die schon verstorbene Oma mochte ich besonders, weil sie einen sehr genauen Adlerblick hatte und quasi der Ruhepol in der Familie war.)

Den Rest des Wochenendes im Garten und auf dem Sofa verbracht.

Überhaupt der Garten: er, die Bewohner und das neugepflanzte Grünzeug haben den Winter alle überlebt. Keine größeren Schäden zu verzeichnen, leider auch nicht beim Wildwuchs, der den derzeitigen Regen besonders liebt und ungefähr zehnmal so schnell wächst wie alles andere.

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Es ist wie es ist.