13042018.

***Es folgt ein Rant. Nicht nett, ziemlich hochmütig und unreflektiert, einfach nur zum Auskotzen meiner Gemütsfassung. Wer es nicht lesen will, möge einfach wegklicken.***

Die große Schwester hat gestern aus gesundheitlichen Gründen den lange geplanten Wochenendbesuch absagen müssen. Die Stimmung ist daher etwas im Keller. Der Mann ist bereits mit der Vorbereitung einer Schulung verplant und steht für soziale Interaktion eher nicht zur Verfügung, was auch so geplant war und okay ist, aber jetzt natürlich trotzdem doof.

Mein zwischenmenschlicher Austausch beschränkt sich auf einen sehr kleinen Kreis an Mitmenschen, das ist einerseits schade, weil mir vor Ort freundschaftliche Kontakte über Arbeit und Familie hinaus fehlen, andererseits merke ich, wie sehr mich meine Mitmenschen ankotzen aus der Haut fahren lassen anstrengen.

Das beginnt bei der Arbeit im Spielwarenladen, wenn Eltern nicht in der Lage sind, ihre Sprösslinge davon abzuhalten, unsere Regale leer zu räumen. Damit meine ich nicht, das „mal was rausnehmen, irgendwo hinstellen, vergessen“, sondern „zack, Arm rein und mit der gesamten Armlänge runterwischen“ (ja, tatsächlich so geschehen, mehrfach, mit unterschiedlichen Familien) oder auch das „alles anfassen, auf den Boden schmeißen, liegen lassen, weil doch scheiße“ (ja, auch das mehrfach erlebt, in wiederkehrender Regelmäßigkeit). Dabei höflich zu bleiben, versuchen das schon festgetackerte Lächeln zu behalten, fällt mir schwer. Denn natürlich ist mir bewusst, dass es für unseren kleinen Laden schwer ist, mit Internetpreisen mitzuhalten. Natürlich ist mir bewusst, dass wir und unser Umsatz und unsere Existenz von euch abhängig sind. Aber ganz ehrlich: ich finde euch scheiße. Ihr seid arrogant, überheblich und erzieht eure Kinder zu rücksichtslosen Egomanen. Meine Kolleginnen und ich hören eure mütterinternen Gespräche, und nicht wenige handeln von Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Schadstofffreiheit, younametheBullshitandIsayBINGO! und ihr vergesst dabei, dass Rücksichtnahme und Achtsamkeit auch außerhalb eurer kleinen normierten Filterblasenfamilie funktionieren sollten, wenn ihr eine achso tolerante, diverse und rücksichtsvolle Gesellschaft haben wollt.

Es geht weiter mit den Klappspaten im Straßenverkehr: Flachpfeifen, die mit ihren Sprintern auf Radwegen parken. Der obligate Porsche bzw. BMW-SUV, der nicht in der Lage ist, Vorfahrtsregeln zu beachten. Der LKW, der mich in die Hecke abdrängt. Die Polizei in ihrem verf*ckten Streifenwagen, die ignoriert, dass der Fahrer vor ihnen beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin schneidet, obwohl sie sowas von Grün hat. Väter, die ihre Kleinkinder auf Rennrädern transportieren und rote Ampeln nicht beachten, und dabei keine Helme tragen, weil sie achso hipster sind. Stadtplaner, die Radwege pflastern statt zu betonieren und Schlaglöcher nicht ausbessern. Überhaupt Stadtplanung: Radwege, die ZWISCHEN den Straßenbahnschienen verlaufen. Radwege, die auf vierspurigen Straßen enden. Wer hat sich dieses Nicht-System ausgedacht?! Mir egal, wie schnell ihr fahrt und ob ihr keinen Helm tragt, wenn ihr nur euer eigenes tomatensamengroßes Gehirn riskieren würdet, aber ihr riskiert ja auch das eurer Kinder und Mitradfahrer. Dass den Autofahrern das gleichgültig ist, ist mir durchaus klar, die sitzen schließlich in einer rundum-metallgeschützten Filterblase.

Ich möchte nichts mit Menschen zu tun haben, die derart dreist und rücksichtslos durch die Welt marschieren. Ich habe keine Lust, mich mit euch auseinander zu setzen oder euch gar kennenzulernen. Ganz ehrlich: gäbe es einen Knopf, mit dem die Menschheit ausgelöscht werden könnte, ich würde ihn nach dieser Woche drücken.

[Ich sehe durchaus die guten Momente mit den guten Mitmenschen, aber sie sind sehr klein und selten geworden. Morgen wieder.]

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26032018.

Die letzte Kundin des Tages kauft ihren beiden Söhnen einen Luftballon, in grün mit lila Punkten. Sie pustet ihn auf, verknotet ihn und reicht ihn weiter.

Der kleine Sohn quietscht und freut sich, während der Große fragt: „Oh, toll, Mama, haben wir jetzt ein Heliumballon?“

Sie antwortet daraufhin lachend, dass aus ihr leider kein Helium heraus komme, was, wie ich bemerke, ich durchaus lustig fände. Mit dieser Vorstellung im Kopf verabschieden wir uns beide gackernd, während ich hinter ihr abschließe.

21032018.

Heute im Spielwarenladen fand ein Zauberstab (grün, Wassergelkern mit buntem Glitzer, 25cm) zu seiner rechtmäßigen Besitzerin.

Deren Begleitung, eindeutig eine Muggeloma, äußerte wiederholt und vehement gegenüber dieser kleinen zukünftigen Rowena Ravenclaw, dass man damit nicht wirklich zaubern könne – das müsse sie doch wissen!

Auf meine gegenteilige Aussage, dass dies sehr wohl möglich sei, wenn sie es nur wolle, plusterte die Muggeloma sich auf wie einst die alte Dursley, wie könne ich so etwas nur behaupten!

Währenddessen zauberte die gelehrige junge Dame bereits ihr erstes „Abrakadabra Simsalabim“ – eine Sensation! In so kurzer Zeit! Meine Kollegin und ich waren uns indessen einig, dass die ältliche Begleiterin von allem zu wenig hat: Fantasie, Esprit und vor allem Ahnung.

27022018.

Heute DarwinAward-verdächtig unter der Dusche getanzt, dabei Schaum ins Auge bekommen, beinahe ausgerutscht und im Abfangen diesen ominösen Musikantenknochen im Ellbogen an der Armatur gestoßen. Danach war ich dann relativ konzentriert und zügig fertig. (Boah, tut das weh!)

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Anfang des Monats habe ich damit begonnen meine täglichen kleineren, größeren und überhaupt alle Ausgaben zu tracken. Und was soll ich sagen? Ich habe das erste Mal in meinem „Erwachsenenleben“ (also, seit Auszug von zuhause) das Gefühl einen Überblick und sowas wie Kontrolle zu haben. Geld ist bei mir ein äußerst sensibles Thema, da ich vermeintlich nicht damit umzugehen weiß.

Es ist mit Schuldgefühlen behaftet (sic!), mit darüber-spricht-man-nicht und mit mangelnder finanzieller (Aus)Bildung, was immer auch mit Scham verbunden ist, da allgemein unterstellt wird, dass „man“ doch weiß, wie „man“ mit „solchen Themen“ umzugehen hat. Das ist alles, mit Verlaub, ein einziges familiäres und gesellschaftliches Versagen!

Was mir damals wirklich geholfen hätte, wäre eine neutrale Finanz“erziehung“ gewesen: mit Vermögensmaßnahmen und deren Risikoeinschätzung, mit Versicherungen und deren (mangelnder) Sinnhaftigkeit, mit Grundwissen in Finanzwesen und Etat-/Budgetplanung für den eigenen Haushalt, für kurz-/mittel-/langfristige Ziele? Vielleicht im Elternhaus, vielleicht in der Schule, vielleicht aber auch in der Erstausbildung nach der Schule. Klar, kann ich mir das alles auch im Erwachsenenalter aneignen, aber wo finde ich da eine neutrale seriöse Quelle, die nicht zeitgleich an meinem Geld interessiert ist und mich nicht abzockt? In mir ist jedes Mal, wenn ich etwas finanziell ändern will, eine Unsicherheit, ob und wie weit ich dem vertrauen kann, was mir da gut gelaunt empfohlen wird, denn mir fehlt ein Wissensgrundstock, den ich als Kompass nutzen kann.

Was übrigens nicht geholfen hat: Aussagen wie „du darfst keine Schulden machen, nie, weil, oh mein Gott, da kommst du nienienie wieder raus!“ oder auch „Über Geld spricht man nicht, entweder hat man es oder eben nicht!“, ergänzt durch „Das lernst du schon noch!“ (Ja, schon, aber in meinem Fall auf die ganz harte Tour, weil falsche Entscheidungen getroffen aufgrund mangelnden Wissens.)

[Anm. d. Red.: Ersetzen Sie doch einfach mal „Geld“ durch „Sex“ und schon haben Sie die obige Diskussion eins zu eins zum Thema Sexualität. Zu wenig offener Diskurs, zu viel Schamhaftigkeit, zu viel Unwissen und Vorurteile sowie viel zu viel Schweigen.]

Jedenfalls habe ich nun zwei Apps, die mir sehr gute Dienste leisten. Eine zum Ausgaben tracken sowie für Statistik und Auswertung und eine für aktuelle Kontostände. Da ich in der TrackingApp zu Beginn keine Startsalden angelegt hatte, weil ich erst mal schauen wollte, ob mir das Spaß macht und wie das Handling ist, habe ich das heute nachgeholt und siehe da: alle Salden zum Monatsende stimmen mit den tatsächlichen Kontoständen überein! Ich habe mich tatsächlich darüber gefreut. (Oh, Zeichen und Wunder!) Zudem weiß ich nun auch, dass ich gar nicht so viel für Schnickschnack ausgebe, sondern dass meine Achillesferse der ZwischendurchBesuch beim Bäcker ist. (Wusste ich eigentlich schon, aber so schwarz auf weiß und in %-Angaben ist das, joah ne, kann man machen oder auch nicht. Besser nicht.)

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Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

25022018.

Ansetzen, schreiben, löschen, das alte Spiel. Ich bin müde und erschöpft. In genau einer Woche werde ich am Meer sein und ich hoffe, dass es toben und rauschen und wüten wird.

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Bei der Arbeit heute mit zwei Kundinnen dezent aneinander geraten.

Wenn Sie meine Beratung wollen, dann können Sie sicher sein, dass ich ehrlich bin. Ob Sie das nun hören wollen oder nicht. Wenn nicht, fragen Sie doch bitte einfach nicht. Planschkuh, blöde.

Wenn Sie als Ruheständlerin fünf Minuten vor Ladenschluss eine Beratung wollen, dann erhalten Sie diese. Es gehört jedoch dazu, dass wir Sie auf die noch zu verbleibende Zeit hinweisen. Ihre Drohung, dass Sie dann im Internet einkaufen, wenn ich den Laden nicht länger für Sie geöffnet lasse, ist mir – ehrlich gesagt – egal. Ich habe lieber Kunden, die mir mein Wochenende nach sechs Arbeitstagen gönnen, als fünf Euro mehr Umsatz.

Immer diese Anspruchshaltung. Geht halt bei den Robotern einkaufen, die haben 24/7 geöffnet, die haben auch keine schlechten Tage, die sind weder unterbesetzt noch unterbezahlt. (Der Einzelhandel ist nicht überlebensfähig, aus ganz vielen Gründen.)

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Meine Grundstimmung ist derzeit irgendwas zwischen unzufrieden und wütend. Beides bedingt sich gegenseitig und beides ist aus mir heraus gegen mich selbst gerichtet. Ich versuche es nicht an Mann und Hund auszulassen, allerdings gelingt das nicht immer.

Der Mechanismus dahinter ist einfach: ich habe mir etwas vorgenommen oder eine bestimmte Vorstellung entwickelt, ich kann es anschließend aus diversen Gründen nicht umsetzen oder nicht so wie vorgestellt und mache schlussendlich mir selbst daraufhin Vorwürfe bis hin zum Selbsthass.

Ich scheitere an mir, meinen Erwartungen an mich und meinem Idealismus.

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Wenn ich mich anschaue, fühle ich mich hässlich. Aufgrund meines inneren Zustands, mein Aussehen hat sich zuletzt wenig verändert. Jedoch kann ich mich nicht mit Liebe anschauen. Zu sehr hadere ich, zu sehr versuche ich mich zu erhöhen, indem ich anderen ihr Glück neide oder lästernd nieder mache. So kann ich mich noch weniger leiden.

Zudem: Auch nach anderthalb Jahren habe ich hier noch nicht Fuß gefasst und keine freundschaftlichen Kontakte geknüpft. Der Hannoveraner Freundeskreis fehlt und ich weiß nicht wie ich diesen Zustand ändern kann, ohne dass ich Kurse oder Vereine aufsuchen muss. (Nein. Einfach nein.)

Zu viel #mimimi heute.

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Meeresrauschen wird helfen. Ganz sicher.

17022018.

Heute früh auf dem Weg zur Arbeit sind die Pferde mit mir durchgegangen. Ich habe meine Wut in einer Kurzschlussreaktion nach außen gekehrt und wurde prompt von der Polizei angehalten. Eine eigentlich harmlose Situation, die ganz dumm gelaufen ist und die mich den Tag über sehr beschäftigt hat. Wenn der Karmabumerang nicht zu Ende geflogen ist, kann es noch richtig teuer werden.

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Entsprechend angespannt war ich heute und konnte dem Wahnsinn, der aktuell bei der Arbeit tobt, nicht ganz so gelassen entgegen treten wie es nötig gewesen wäre. In viereinhalb Stunden mussten daher eine Packung Schokokekse und zwei große Tassen Kaffee daran glauben. Die neu in das Tagesgeschäft integrierte Inhaberin bringt vieles durcheinander, was von den alteingesessenen Kolleginnen entweder mit Feuereifer umgesetzt oder mit norddeutscher Sturheit ausgesessen wird. Das kollidiert doch sehr miteinander.

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Der Mann ist krank, der Hund in der Pubertät. Überhaupt ist in China der berühmte Sack Reis umgeplumpst, der Mond steht zudem schief zur Erdachse und der Himmel ist uns längst auf den Kopf gefallen, ohne dass wir es bemerkt haben. So eine Woche ist das.

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Läuft schon irgendwie.

05022018.

Der Mann machte sich heute früh auf zu einer 5tägigen Geschäftsreise Richtung Ungarn. Der Hund und ich waren bzw sind noch unentschlossen, was wir davon halten sollen, so ganz wohl fühlen wir uns aber beide nicht. Ich hänge in der Luft, weil mir mein Freund und Partner und eben der Mensch fehlt, mit dem ich am liebsten Zeit verbringe. Der Hund hängt mit, weil er merkt, dass Frauchen hängt und so hängen wir beide halt so rum. Hinzu kommt, dass mir die ca 200qm Haus so alleine einfach noch nicht geheuer sind. (Entsprechend schläft das Vieh diese Woche mit im Bett im Schlafzimmer.)

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Der Arbeitgeber des Mannes hat uns außerdem zwischendurch einen Gutschein für eine Kochbox spendiert – nicht h*llofr*sh, die haben wir schon vor zwei drei Jahren getestet und dabei als unsympathisch, übertrieben teuer und unpraktisch befunden – diesmal heißt der Anbieter koch*haus und des Mannes Firma war so großzügig zweimal Essen für eine 4köpfige Familie zu finanzieren, was darauf hinausläuft, dass wir gefühlt eine Woche durchfuttern können, vorausgesetzt die Kochbox liefert normalverfressene Mengen. Die Rezepte sind für unsere Verhältnisse eher „exotisch“, was allerdings eher auf die Seltenheit denn auf den Geschmack bezogen ist.

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Mich treibt meist wenig an, aber öfter vieles um. Derzeit ein Interview mit Uma Thurman, in dem sie schildert, wie vielgestaltig Missbrauch in Erscheinung treten kann. Es geht um Weinstein, aber auch um Tarantino und es bestätigte sich, was ich schon ahnte, dass ein derartiges Oeuvre nicht einfach so aus dem Nichts entsteht und ohne Wurzeln im Raum schwebt, sondern, dass es sich (wohl unter anderem) aus dem Wesenskern des Schaffenden nährt. Kunst und Künstler stumpf zu trennen funktioniert nicht, kann für mich nicht funktionieren, ist beides doch über den Lebenslauf zwangsweise miteinander verknüpft. Auch ein Ignorieren ist für mich falsch, degradiert es die missbrauchte Frau nur erneut und beraubt sie ein weiteres Mal ihrer Würde, indem ihr Leiden nicht anerkannt wird. Es kann nur weitergehen, indem die Rezeption erweitert wird, indem ein Werk zusätzliche Schätzung erfährt, weil gewürdigt wird, was dafür von den Frauen ertragen und getragen wurde. Nicht nur bei Kill Bill, auch bei Frida und etlichen anderen Filmen. Frage: hat Leid einen Nutzen? Wozu war ihr Leid nützlich, wenn wir jetzt das Werk boykottieren, und damit auch ihren Anteil daran?

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Janusköpfige Argumentation.