21012019.

Es gehören immer zwei Seiten dazu:

Eine, die es macht.

Und eine, die es mit sich machen lässt.

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Meine Geduld ist aktuell mit vielem zu Ende, keine großen Themen, eher viel Kleinkram, der sich häuft.

Heute früh war es die Kollegin, die mich seit dem Jahreswechsel liebevoll „Kugel“ oder „Dickie“ nennt, zu der ich meinte, dass ich es weder hören will noch lustig finde, weil ich mich in meinem schwangeren Körper recht unwohl fühle.

Ich machte den unbedachten Kommentar, dass ich die Zeit freudig erwarte, wenn das Kind einerseits aus mir raus und andererseits abgestillt sei, weil ich meinen Körper gerne wieder für mich hätte. Daraufhin hörte ich eine Tirade, dass ich mir Illusionen mache, mein Körper mir nie wieder gehören würde und ich auch „nur eine Mutter wie alle anderen sei“, mir viele Pläne schön reden könne und sowieso keine Chance habe.

Ich atmete tief durch, murmelte etwas von „du hast keine Ahnung, wie dickköpfig ich sein kann“ und wir begannen mit dem Meeting. (Was bedeutet, dass es erst kurz nach 8 Uhr gewesen sein muss und ich verlange hier und jetzt Bewunderung für meine Contenance. Und Kudos an die kinderlose Kollegin, die volles Verständnis für mich äußerte.)

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Ich habe Illusionen und Wunschvorstellungen zu meiner, unserer bevorstehenden Mutter- bzw. Elternschaft. Natürlich habe ich die und mein Mann ebenso, anders geht es doch gar nicht, denn sonst würde niemand mehr Kinder in die Welt setzen.

Was ich allerdings auch habe, das ist der absolute Wille dieses Elterndings auf unsere ureigene Weise durchzuziehen und zu gestalten, zudem die pure bis auf die Knochen gehende Angst davor, mich selbst zu verlieren und eine riesengroße wutentflammende Abneigung gegen Bevormundungen wie „du wirst schon sehen, bei dir wird es genau so sein, ich weiß es besser.“

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Die auf mich einprasselnden Projektionen bzw Kommentare von außerhalb sind vielfältig, haben jedoch (fast) ausschließlich mit meinem Körper zu tun:

„Bist du schon dick?“ – „Kugel, Dickie“ – „Bei dir sieht man ja noch gar nichts.“ – „Lass mal sehen, ach, bist du schmal.“ – „Die dicke Zunahme kommt zum Schluss.“ – „Du musst die Schwangerschaft genießen.“ – „Dein Bauch ist aber schon sehr klein.“ – „Das ist bei allen so, finde dich damit ab.“

Vergesst Individualität, Intellekt oder Inhalte. Ich bin in den Augen der Anderen mein Bauch. Ein rundes Ding mit zwei Beinen. Zum Gesicht schaut niemand mehr.

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Auffallend ist, dass der ganze Bullsh*t von Frauen mit Kindern geäußert wird. Es ist als hätten sich die Aasgeier in der Savanne versammelt und warteten nur darauf, beim Tod ihres flügellahmen Artgenossen Spalier zu stehen. Und ihn dann auszuweiden.

„Wir sind gescheitert, also musst du auch scheitern. Und wir sitzen in der ersten Reihe und schauen zu. Mit Popcorn.“

Unterstützung gibt es für praktisch-organisatorische Themen, „oh, wir haben noch <insert beliebigen abgerammelten Erstausstattungskram> im Keller, braucht ihr was?“, oder Tipps für Secondhand-Ware oder ähnliches, aber wehe eines der Rudeltiere äußert sich, dass es das nicht brauche, dass es etwas Anderes wolle oder nein, das nicht so empfinde und auch das anders machen möchte.

Die Hyänen warten schon.

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Ich fürchte, die wenigsten Frauen sind sich bewusst, was sie da äußern, was es auslöst und welche Wirkung es auf werdende Mütter hat. Verständnisvoll, empathisch oder unterstützend ist das jedenfalls nicht, auch wenn jede es nur gut gemeint haben will. Ob ich das hören möchte, fragt keine. (Ach, eigentlich wird das eh zu selten gefragt.) Resignierend, Druck aufbauend und ignorant trifft es für mich eher.

Was bleibt ist das Gefühl, bereits vor der Geburt alleine auf weiter Flur zu stehen und nicht nur mit der neuen Situation umgehen zu müssen, sondern auch gegen andere Mütter „kämpfen“, sich gar rechtfertigen zu „müssen“. (Machen wir uns nichts vor, auch das eine großartige Vorbereitung auf die Zeit mit Kind, wenn wir eh nichts mehr richtig machen können.)

All das nur, weil ich zumindest versuchen will, mein, unser eigenes Elternding durchzuführen.

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Vielleicht habe ich bislang nur Pech mit den kennengelernten Mütterexemplaren, vielleicht gilt aber doch das Prinzip pars pro toto. Vielleicht hadere ich noch zu sehr mit der Rolle, die da auf mich zukommt, vielleicht habe ich auch zu genaue Vorstellungen davon und muss mich noch davon lösen. (Das gibt sich automatisch, lasst mich so lange noch, danke.)

Vielleicht kenne ich mich mittlerweile aber auch gut genug, dass ich durchaus einschätzen kann, was ich brauche, dass es mir gut gehen wird und meiner Familie.

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Keine Moral.

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19012019.

Drüben beim Zwitscherdienst habe ich rudimentär ein Thai-Curry-Rezept beschrieben. Da wurde ich nun nach Details gefragt. Ich koche sehr gerne und sehr viel, daher weiß ich habe ich eine leise Ahnung, wie was in welcher Menge zusammen schmeckt und manchmal sogar, warum dem so ist.

Zu Anfang meiner Kochtätigkeiten war das nicht so und wenn jemand sagte, ein Rezept sei pupseinfach und es schmeckte dann blöde oder komisch, dann fragte ich mich, was ich denn nun falsch gemacht habe. Daher versuche ich solche Aussagen zu vermeiden und einfach Tipps oder Hinweise zu geben. Manchmal recht viele, aber sei’s drum. Hier hab ich ja Platz.

Nun aber, ein Roter Faden für ein Thai-Curry frei Schnauze.

  • 1 große Süßkartoffel
  • 3 mittlere Möhren
  • 1 große Paprika
  • 1 große Zwiebel (rote sind milder, gelbe schärfer; weiße Gemüsezwiebeln zu viel)
  • 1 Brokkolikopf (wenn Sie das nicht mögen, dann Blumenkohl oder anderes festes Gemüse)
  • 1-2 Frühlingszwiebeln (wenn gewünscht)
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 1 Stück frischer Ingwer
  • 1 Dose Kokosmilch
  • Sojasauce
  • Rote-Thai-Currypaste
  • Currypulver
  • Chiliflocken
  • Limette (wenn gewünscht)

    Gemüse in lustige Würfel ungefähr gleicher Größe schneiden, bei mir eher grob und ungleichmäßig. Wird später eh zerkaut und dauert nicht so lange.

    In Topf mit großer Bodenfläche ein neutrales Öl bei mittlerer Hitze (hier Stufe 6 von 9) erhitzen (Holzlöffel reinhalten – wenn sich Bläschen bilden, ist es heiß genug; mittlere Hitze, dass es nicht zu schnell zu heiß und das Gemüse nicht schwarz wird. Wir haben Zeit und sind nicht auf der Flucht), bspw. Sonnenblumenöl. Olivenöl schmeckt mir persönlich zu stark durch. Zwiebeln rein, glasig anschwitzen, dann Möhren, Kartoffeln, Brokkoli und Paprika dazu. Alles etwas Farbe bekommen lassen (deswegen die große Bodenfläche, wegen der Menge – in einem hohen Topf würde das nun nicht anbraten, sondern in der Wärme „dampfgaren“, keine Ahnung wie das genau heißt), das Gemüse muss/darf/soll jetzt noch nicht durch oder weich sein, dass wird es am Ende von alleine.

    Knoblauch pressen, ganz klein würfeln, mit Messer zerdrücken – whatever pleases you – und rein damit. Darauf achten, dass er nicht braun wird, denn sonst wird er bitter und ich finde, das schmeckt so wie Oppas alte Socken riechen, unschön penetrant.

    Jetzt kommen wir zum Geschmack: Wir geben 1 EL Sojasauce dazu, 1 großzügigen TL Thai-Currypaste und rühren das halt einmal unter und quer durch das Gemüse. Dann alles mit der Kokosmilch ablöschen, die dann vor sich hinschmilzt, wenn es zu dick ist, ein bisschen Wasser dazu (hier heute noch eine Viertel Dose H2O dazu, habe die Dose in der die Kokosmilch war als Messdings genommen) und jetzt erst die Frühlingszwiebeln.

    Ingwerstück schälen, reiben, rein damit. Außerdem 1/2 TL Currypulver und 1/2 TL Chiliflocken. Nun wäre der Zeitpunkt ein erstes Mal abzuschmecken, falls man nicht eh schon neugierig war, und den Herd auf Stufe 2 oder 3 runterzudrehen. Kokosmilch mildert Gewürze sehr stark ab, ebenso wie auch normale Sahne es macht, für ordentlich Bums also ruhig großzügig würzen. Für mehr Schärfe Ingwer und Currypaste hinzufügen, für mehr Salzgeschmack mit Sojasauce nachwürzen, für mehr Pfeffrigkeit noch etwas Chiliflocken oder auch eben Pfeffer.

    Wer unsicher ist, gibt jedes Gewürz einzeln nach und testet dann mit dem TL, OB es schmeckt. Das so lange wiederholen, BIS es schmeckt. Hat den Vorteil, dass man direkt lernt, was welche Wirkung hat, wie viel man wovon will und was man mag. Richtig oder falsch gibt es hier nicht, nachwürzen geht immer, auch noch am Tisch. (Beides ganz wichtig!)

    Essen fertig. Ich habe an der Stelle den Herd ausgestellt, einen Deckel drauf gemacht und das Ganze anderthalb Stunden stehen lassen, weil noch nicht Essenszeit war und aufgewärmt eh besser schmeckt. Direkt essen geht aber auch. Dazu gibt es hier Jasminreis, gekocht nach Packungsanleitung und weil uns der besser schmeckt als Basmati-, Wild- oder anderer Reis.

    Achja, die Limette: vor dem Servieren aufschneiden und drüber ausdrücken, braucht nicht viel. (Manche Leute machen auch noch Koriander dazu, aber solche Menschen sind mir ja grundsätzlich suspekt.)

    Ich habe für den Text nun länger gebraucht als fürs Kochen an sich. Das Rezept ist alltagstauglicher, einfacher und schneller als es sich liest (wirklich!), denn ich neige dazu abzuschweifen und zu verkomplizieren.

    Und jetzt wissen Sie auch, weshalb hier keine Rezepte zu finden sind.

    ***

    Edit 1: Die Menge reicht bei uns für 2 Erwachsene und 2 Tage, kann auch gut eingefroren werden.

    Edit 2: Ich habe ca. 3 TL Currypaste verwendet und viel Ingwer, ebenso mehr Sojasauce und Chiliflocken als oben angegeben. Je länger das Curry steht, desto mehr ziehen die Gewürze durch und desto schärfer wird es auch mit der Zeit.

    Edit 3: Ich nenne es übrigens Thai-Curry, weil die verwendete Paste so heißt, ich war leider noch nicht in Thailand und kann nicht sagen, wie dort originär gekocht wird. Ziemlich sicher anders als hier, Sie müssen sich in diesem Fall also mit einer, hm, „eingedeutschten“ Version zufrieden geben.

    18012019.

    Eigentlich wollte ich gestern früh schreiben, denn ich hatte über was nachgedacht, worüber ich gelesen hatte, dann kam ich drüber weg und jetzt ist alles vergessen.

    Dann dachte ich während der Arbeitszeit, ach, ich könnte ja schonmal anfangen zu bloggen, so ein oder zwei Stichworte, dann war der Tag aber echt anstrengend, so von der Art, dass man kurz davor ist entweder zu heulen oder alles hinzuschmeißen oder beides. Habe nichts von beidem gemacht, sondern bin stattdessen in Feierabend gegangen.

    Da ich 96% meiner Texte am Smartphone tippe, wäre das nächste Zeitfenster die Busfahrt nach Hause gewesen, da war ich aber erst zu aufgewühlt und dann shuffelte mir mein Handy die Sull’aria aus der mozartschen Friseurshochzeit auf die Ohren, und ich konnte förmlich mitverfolgen, wie meine Atmung sich mit jedem Takt mehr beruhigte, wie meine emotionale Aufregung nachließ und das Gedankenkarussell langsamer wurde und schließlich zum Stillstand kam. (Die Arie an sich ist schon ganz wundervoll in ihrer zarten Erhabenheit, die Version aus dem Film „Die Verurteilten“ hat es mir jedoch ganz besonders angetan. Darüber schrieb ich schonmal.)

    Zuhause wieder keine Gelegenheit zum Schreiben, denn opulente Pasta mit Sahnesauce wollte gegessen und der neugierige Hund bekuschelt werden. Prioritäten, Leute. Danach ein Vorsorgetermin für das Herzenskind und mich, dann kam schon der beste aller Männer nach Hause und irgendwie war dann noch Feierabend und Gemütlichkeit und dann schon Schluss.

    Und deswegen schreibe ich hier so selten. Das gute Leben ist im Weg. Jetzt eben bin ich, etwas später als sonst, auf dem Weg zur Arbeit und tippe im Bus, beim Warten auf den Anschlussbus, erneut im Bus und auf dem Fußweg. (Kalte Finger und beinahe Ausrutschen wegen Glatteis inklusive.)

    ***

    So ist das hier.

    Was ich gestern erzählen wollte, weiß ich allerdings nun immer noch nicht.

    09012019.

    Hereinspaziert, meine Damen und Herren, Sensationen, Attraktionen! Heute neu für Sie im Angebot: Neues Jahr, neues Ich! Nur einen Klick entfernt, im größten Onlinekaufhaus of the World Wide Web finden Sie alles, was Sie brauchen, was Sie wünschen, was Sie niemals benötigen werden und von dem Sie noch nicht wissen, dass es existiert, das Sie aber Un.Be.Dingt. nicht suchen und trotzdem kaufen wollen! Sensationen, Attraktionen – so günstig, so billig, so schnell haben Sie noch nie Ihr Geld auf den Kopf gehauen! Bewegen Sie sich nicht, Sie klicken, wir liefern – was sagt der Igel zu dem Hasen? Bin schon da. Wir kennen Ihr Innerstes, erfüllen Ihre Wünsche noch bevor Sie selbst diese auch nur erahnen können. Ihre ganz persönliche Blaue Fee, nur für Sie, wir lesen Sie aus, Ihnen alles von den Augen ab und schon sind Sie reich wie Midas! Was Sie anfassen, was Sie ansehen, wird zu sprichwörtlichem Gold! Keiner wird haben, was Sie haben! Keiner wird wie Sie sein. Ihre Reichtümer werden erstrahlen und in den Augen Ihrer Freunde Neid aufkommen lassen! Neues Jahr, neues Ich! Wir helfen Ihnen die Lasten des alten Jahres, des alten Lebens, hinter sich zu lassen. Bringen Sie Freude in Ihr Leben – machen Sie Platz für Neues! Entrümpeln Sie Ihren Lifestyle – kommen Sie zu Ihrem wahren Ich! Wir helfen Ihnen dabei, erleichtern Sie sich von unnützem Ballast. Behalten Sie, was Sie definiert, was Ihnen etwas bedeutet! Entleeren Sie Ihr sinnentleertes Dasein, legen Sie fest, was Ihr Leben ausmacht! Sie haben nichts mehr, das Ihnen uneingeschränkt Freude bereitet? Heute neu für Sie im Angebot: Neues Jahr, neues Ich! Zeigen Sie uns Ihr Innerstes und wir sagen Ihnen, wer Sie sind. Heute noch das alte Leben über Bord werfen, klar Schiff machen und morgen schon zu neuen Ufern aufbrechen – Sensationen, Attraktionen hautnah erleben! Wir versorgen Sie mit dem passenden Schiff! Wir kennen Ihr Innerstes, erfüllen Ihre Wünsche noch bevor Sie selbst diese auch nur erahnen können. Wir unterstützen Sie im Kreislauf des ewigen Seins – Neues Jahr, neues Ich!

    Wolle Hose kaufen?!

    ***

    Das Ungeheuer, das entstand als ama*zon mit ma*rikon*do ins Bett ging.

    08012019.

    Ich denke hin und her.

    Auf dem Fall des Politikers, der sich aus den Sozialen Medien zurück zieht, weil private Daten von ihm veröffentlicht wurden, weil er nach öffentlichen Äußerungen angegangen wurde. – Abstinenz war noch nie heilsam, und hat noch selten ein Problem an sich gelöst.

    Wie schütze ich meine Daten? Wie bewege ich mich mündig und selbstbestimmt im Internet? Wie kritisieren wir und äußern Meinung? In welcher Art und Weise führen wir politische Diskussionen? – Vielleicht müssen wir anfangen andere Fragen zu stellen, denn nur die führen zu anderen neuen Antworten.

    Im stark linksalternativ geprägten Viertel wird vor dem klassischen Theater gestern Abend ein stark rechtsorientierter Politiker krankenhausreif geprügelt. Der mediale, der linke und der rechte Aufschrei sind groß. Mir will es scheinen, als habe das geschichtsträchtige Theater an sich noch das größte Verständnis von Demokratie. – Ich bin ratlos. Nicht weil es um ein Richtig oder Falsch der politischen Position an sich geht. (Wer menschenverachtende Ansichten vertritt hat, meiner Meinung nach, jedes Recht zu partizipieren, verloren.) Sondern weil mittlerweile klar geworden ist, dass Argumente und logische Diskussionen nicht zu wirken scheinen. Aber ich weigere mich zu akzeptieren, dass Gewalt eine Lösung sein soll. Das kann und will ich nicht akzeptieren.

    ***

    Auf meiner ThemenAuffrischungsliste stehen jetzt die Stichpunkte „Mahatma Ghandi, RAF, griech.-röm. Staatsphilosophie, Empört euch von Hensel, Arendt und die Banalität des Bösen“.

    Ich habe zu tun.

    07012019.

    Erster Arbeitstag nach Urlaub und Kranksein. Möchte direkt in Mutterschutz wechseln. Einfach weil es anstrengend ist, weil die Kolleg*innen anstrengend sind und ich mich nicht mit Befindlichkeiten auseinandersetzen möchte.

    ***

    Der Hund hat sich in meiner Abwesenheit unter unserem Ehebett festgeschlafen. Einer seiner bevorzugten Schlafplätze ist vor meiner Bettseite. Wenn er sich im Schlaf auf die Seite rollt, steckt meist zuerst der Kopf unterm Bett und irgendwann auch der ganze Rest. Wir konnten das schon live beobachten.

    Heute nun war niemand da, die ihm aus der Bredouille hätte helfen können und so fand ich ihn vor, eingeklemmt, nur Kopf, Vorderpfoten und Knopfaugen sichtbar. Gleichzeitig klopfte der Schwanz voller Freude mich zu sehen laut herum und die Pfoten scharrten wild, um vorwärts und raus zu kommen, jedoch ohne Erfolg.

    Ich habe also das Bett am Fußende angehoben, der Hund schob sich irgendwie raus und ich bin danach vor Lachen beinahe zusammen gebrochen. So viel Erleichterung, dass er nicht irgendwo halbtot in der Ecke lag. Keine Ahnung allerdings wie lange er wirklich feststeckte, ich war ja bei der Arbeit.

    (So ein Dulli. <345)

    ***

    Die letzten Reste meiner Geburtstagsfeierei am Wochenende vertilgt. Es bleiben wunderschöne Blumen und tolle, weil gewünschte Geschenke als materielle Reichtümer zurück, sowie die Erinnerung an liebe Menschen, gutes Essen, lustige Gespräche und einen wundervollen Tag als ideelle Reichtümer.

    (Und ich möchte mir nicht im Nachhinein Trübsinn aufladen oder einen Schatten über diesen Geburtstag legen, dennoch ist es mir wichtig festzuhalten:

    Es waren ausschließlich sehr gute, teils auch sehr langjährige, Freund*innen anwesend, keine Mitglieder meiner oder des Mannes Herkunftsfamilie. Ich hatte Freude an der Vorbereitung und Bewirtung, es war ein leichter Tag ohne Druck und obwohl auch hier durcheinander und parallel geredet, erzählt und gelacht wurde, hat mich der Lärm nicht einmal derartig gestresst, wie ich es aus unserer beider Familienkontext gewohnt bin. Ich habe es sehr genossen, es war rundum passend und so wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe.)

    ***

    Meine persönliche Jahreslosung für 2019 gefunden.

    ( Ich „manipuliere“ mich und mein neues Jahr, indem ich mir ein Motto oder Mantra finde, an dem ich mich lose orientieren möchte, für das ich mir ein Bild male und über den Schreibtisch hänge.

    Vor zwei Jahren, in meiner Depression nach dem Burnout das erste Mal gemacht, war es „and so the adventure begins“ mit Alice in Wonderland-Motiven: in jenem Jahr holten wir den Hund, kauften und renovierten das Haus und heirateten recht spontan – dabei wollte ich nur öfter mal was unternehmen.

    Im letzten Jahr suchte ich mir „magic is something you make“ aus, mit dem Ziel kreativer zu werden, wieder mehr zu malen, zu nähen, zu schreiben, überhaupt zu gestalten – wir „machten“ dann ein Baby, auch sowas wie Magie, habe ich mir sagen lassen.)

    ***

    Keep calm and enjoy.

    30122018.

    Jahresendzeitfragebogen, erstes Mal.

    ***

    Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?

    Gut. Ich würde eine lockere 7-8 vergeben.

    Zugenommen oder abgenommen?

    Wir besitzen keine Waage. Umständehalber nehme ich jedoch seit ca 20 Wochen zu.

    Haare länger oder kürzer?

    Die gleiche Frisur, ein leicht asymmetrischer Bob, in Variationen von 1-2 cm Schnittlänge.

    Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

    Seit Jahren mies kurzsichtig, zumindest was die Brille betrifft. Ich steuere auf Gleitsichtgläser zu.

    Im Leben weitsichtiger, im Sinne von weitblickender.

    Mehr ausgegeben oder weniger?

    Der Hauskauf im Vorjahr ist aktuell nicht zu toppen. Ich arbeite aber aktiv an der teuersten Anschaffung im deutschen Gesellschaftswesen (ein Kind, kein Auto).

    Der hirnrissigste Plan?

    Gab es in diesem Jahr nicht. Vielleicht der Jobwechsel, jedoch selbst der lief für meine Verhältnisse ruhig und geordnet ab.

    Die gefährlichste Unternehmung?

    Nein. Gab es nicht. (Ich fürchte gerade, dass diese Zeiten nun hinter mir liegen.)

    Der beste Sex?

    Jo.

    Die teuerste Anschaffung?

    Die Folgekosten des Hauses, Fassadenanstrich, Rohrarbeiten, sowas.

    Das leckerste Essen?

    Ein reguläres Abendbrot auf der Sommerterrasse. Sehr unspektakulär, aber ich erinnere mich daran, weil ich da sehr zufrieden und sehr im Reinen mit mir war, außerdem ein bezauberndes Abendlicht existiert hat und ich deswegen sogar ein Foto gemacht habe.

    Das beeindruckendste Buch?

    „H wie Habicht“ von Helen MacDonald – eine Frau, ein Habicht, ein Tod, eine Depression und ein Schriftsteller in der Vergangenheit. Unfassbar eindrücklich.

    Der ergreifendste Film?

    „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ – großartige Unterhaltung, ergreifend fand ich ihn eher nicht, aber er hat mich zu keinem Zeitpunkt kalt gelassen.

    Die beste CD?

    Eher nicht so.

    Das schönste Konzert?

    Nein, auch nicht.

    Die meiste Zeit verbracht mit…?

    Dem Mann und dem Hund.

    Die schönste Zeit verbracht mit…?

    Dem Mann und dem Hund.

    Vorherrschendes Gefühl 2018?

    Ah, das ist also dieses „Ankommen“? Aha, mjoa, ganz nett, vielleicht ein bisschen langweilig, nein?

    2018 zum ersten Mal getan?

    Eine neue Arbeitsstelle aus Lust darauf gesucht und nicht aus Notwendigkeit; den Kontakt zu jemandem abgebrochen ruhen lassen; eine Spielekonsole gekauft; schwanger geworden zu sein.

    2018 nach langer Zeit wieder getan?

    Einen schönen (!) Spieleabend mit Gesellschaftsspielen verbracht; Freunde zu einem längeren Besuch einladen; dauerhaft und langfristig zu planen, was sich in neuen Bücherkäufen bemerkbar macht.

    3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

    – die Sache mit meinem Bruder

    – Weihnachten und der damit verbundene Stress

    – jedes einzelne Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel der vergangenen 7 Jahre (fragen Sie besser nicht.)

    Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

    Dass ich die Richtige für den Job bin (hat funktioniert). Dass ich heute Abend wirklich nicht mit dem Hund rausgehen will (hat teilweise funktioniert). Dass Weihnachten zu Hause viel besser ist (hat gar nicht funktioniert).

    Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

    Dass ich da bin. In vielerlei Hinsicht.

    Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

    Dass andere für mich da sind.

    Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

    „Ich liebe dich.“ – in allen Varianten, ja, so kitschig ist das hier.

    Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

    Da müssen Sie die anderen fragen.

    Mehr Kohle oder weniger?

    Gleichbleibend wenig.

    Besseren Job oder schlechteren?

    Besser, weil erfüllender.

    Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

    Einen goldenen Armreif, sehr passend so als I-Tüpfelchen.

    Mehr Erfahrung im Umgang mit meinen dunklen Stunden und Tagen, dass sie eben nicht weggehen werden, dass ich jedoch mittlerweile damit zurecht komme.

    Mehr bewegt oder weniger?

    Körperlich weniger, da gibt es einen harten Bruch zum Zeitpunkt des Jobwechsels.

    Mich im Inneren weiter vorwärts (?) bewegt, (Ver)Änderungen ausgehalten, akzeptiert und angestoßen.

    Im Job indirekt andere Menschen zu Veränderungen bewegt, teilweise auch direkt.

    Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

    Ich habe nicht gezählt.

    Davon war für Dich die Schlimmste?

    Die fiebernde Husten-Schnupfen-Hals-Erkältung vor zwei Wochen.

    Dein Wort des Jahres?

    Schwanger.

    Dein Unwort des Jahres?

    Schwanger.

    Dein Lieblingsblog des Jahres?

    Immer und immer wieder die Vorspeisenplatte und Anke Gröner – deren Art zu erzählen hat eine ungemein beruhigende Wirkung auf mich.

    Die wortgewaltigste Schreiberin bleibt Isabella – keine kommt ihren, meinen, den menschlichen Abgründen so nah.

    (Keine Neuen, aber danach hat ja niemand gefragt. Es fehlt eine Blogliste in diesem Blog, dann wäre das viel einfacher gewesen.)

    2018 war mit einem Wort…?

    Daspasstschonso.

    Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?

    Dass wir hier weiter gesund, glücklich und zufrieden in unserer kleinen Filterblase leben dürfen. (Oh, wie sehr ich mir das wünsche!)