19062018.

Ich möchte schreiben, über die Dystopien in meiner Vorstellung aufgrund der politischen Lage*. Ich möchte schreiben, über die Unfassbarkeit, dass erneut und immer noch und immer wieder Kinder von Eltern getrennt werden. Ich möchte schreiben, über ertrunkene Menschen, die so viel (oder so wenig?) Hoffnung in sich trugen, dass sie ihre Reise wagten.

Ich möchte schreiben, über meine Wut, dass mittelalte Männer in Feinripp Weltuntergangsszenarien heraufbeschwören, weil sie Angst haben ihre Besitzstände zu verlieren, wie einst die Pharaonen, und die doch nichts für immer halten werden können. Diese Männer (und auch Frauen), die nicht verstanden haben, dass sie endlich sind, dass ihr Zenit überschritten ist, dass sie in ihrer kleinkarierten Kleingeistigkeit nie einen Zenit erreicht haben. Diese Unmenschen, die nicht verstanden haben, dass sie nicht Gott sind, dass auch ohne ihre Erlaubnis geliebt, gehofft, gestorben oder gelebt wird, gleich ob mit oder ohne passendes Gesetz.

Ich möchte schreiben, über meine Hilflosigkeit, wie gerne ich diese selbstgerechten Narzissten (mindestens) schütteln möchte, dass sie doch endlich zur Besinnung kommen, dass diese angstschürende Hetzpolitik Gift ist, dass es doch um Mitmenschlichkeit geht. Um nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich möchte schreiben, etwas Differenziertes, Fundiertes, vielleicht sogar Hilfreiches, um dem Allem den Wind aus den Segeln zu nehmen, jedoch ich kann nur eingestehen, dass mir das alles (wieder diffus, die Gesamtsituation) Angst macht.

Also schreibe ich darüber.

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Immer wieder: Empört euch!

* (irgendwas Diffuses mit Bürgerkrieg, rechts gegen links, arm gegen reich, stadt gegen land, wegen mangelnder Ressourcen/Infrastruktur etc. – ich habe eine lebhafte Fantasie)

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06062018.

Den Tag auf mich zukommen lassen und annehmen was ist und was Lust macht. Die Pflicht im Haushalt ist erfüllt (schon gestern). Was bleibt ist freie Gestaltung.

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Die innere Unruhe sagt mir, „steh auf, steh auf, hurtig, dir fliegen die Stunden davon, du schaffst nichts. Sei gewarnt, du wirst unzufrieden mit dir sein, wenn du nichts geschaffen hast.“

Die Muße antwortet, „lass mich, wie kann das sein? Ich lese, denke, schreibe, gestalte. Zudem arbeitet doch die Waschmaschine. Lass mich liegen, es ist so schön hier.“

Die Zweifel beschwörende Erfahrung weiß, dass am Ende eines solchen Disputes, am Ende eines solchen Tages weder die Erholung eingetreten noch das Selbstwertgefühl intakt geblieben ist.

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Die schwäbisch-schwarzwälderische Erziehung, geprägt von einem protestantischen Arbeitsethos, sieht nicht vor, dass man lange im Bett bleibt, nicht produktiv tätig ist, nichts schafft.

„Ha, bisch du a Faule!“ (Oft gehört, in mehr oder minder abgeschwächt oder verstärkter Form. Ich putze Fenster halt nur im Frühjahr.)

Das Selbstwertgefühl steigt und fällt proportional zu dem was am Ende des Tages sichtbar erarbeitet, verarbeitet und gearbeitet wurde. Je größer der Berg, desto höher die (Selbst)Befriedigung, desto größer der (Selbst)Wert eines Menschen.

Wer nichts vorzuweisen hat, wer gar im Bett liegt, wer unsichtbar krank ist, wer nicht mitschaffen kann oder will, der ist nichts wert. Vor anderen nicht, und daraus resultierend vor sich selbst oft auch nicht.

Aus solchen Glaubenssätzen können Depressionen gestrickt werden. (Müssen nicht. „Für jeden nur ein Kreuz!“)

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Ich werde mir jetzt noch einen Kaffee in der Sonne gönnen, die Zeit davon rennen lassen und aushalten, dass ich wertvoll bin, auch wenn ich nichts schaffe. Wer kann das schon? (Nachher dann Wäsche aufhängen, quilten und Garten. Da will ein Berg Mulch abgearbeitet werden. Ich kann halt auch nicht aus meiner Haut.)

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Ich bin wie Hefeteig. Wenn man mich lange ruhen lässt, gehe ich auf.

05062018.

Gestern war ein Tag für Skurriles, Bescheuertes und Irre. Ordnen Sie bitte selbst nach Belieben ein.

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Der Kunde, der mit mir über die Menge und Schädlichkeit elektromagnetischer Partikel in schnöder Kinderknete diskutieren wollte.

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Der Radrennfahrer, der eine durchsichtige Radrennhose trug und dem man bis in die Radrennfahrerporitze gucken konnte.

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Die drei Radfahrer*innen, die mit mir ein perfekt getimtes wasserballettähnliches Stück aufführten, dass es eine Freude war – radeln, bremsen, Arm raus, abbiegen, beschleunigen und von vorn.

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Der Mann, der mit einem Skalpell ein Kind in der Straßenbahn bedrohte und es (das Skalpell, natürlich!) in unserem Laden entsorgen wollte. Die im Einsatz gewesenen Polizisten bekamen dann noch einen Lolli von der Geschäftsführerin.

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Der Herr, der zwei Flügel Orgelpfeifen – Höhe der größten Pfeife ca 60cm, Breite jedes Flügels ca 1m, aus einer Metalllegierung – mit sich führte. Auf dem Rad.

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Die Chefin, die durch die Glastür stürzte, und zu deren Glück nichts schlimmes geschah, zudem eine anwesende Kundin Notfallkrankenschwester war (und immer noch ist). Deren Kind daraufhin einen Lolli bekam.

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Die Kundin, die Le/go als „umweltschädlichen Plastikmüll“ verwarf und am Ende die 300er Packung selbstverschließende Wasserbomben mit Gumminupsis made in Taiwan kaufte.

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Das Karussell wird sich weiterdrehn.

04062018.

Eingetaucht in ein Wochenende, an dem wir uns, das Leben und unsere eigene Unsterblichkeit gefeiert haben.

Es ist eine Illusion, aber eine, die ich liebe.

Was bleibt ist die heisere Stimme, die wehen Füße und das verkaterte Auftauchen in der Realität. Bibidibobedibu.

Bis zur nächsten Zauberei.

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Glaub mir, ich liebe das Leben.

29052018.

Es gibt nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter.

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Die Tage sind eine Mischung aus Arbeit und gefühltem Urlaub, so warm ist es hier. Das Planschbecken für Herrn Hund wird frühmorgens bereits befüllt, gekocht wird schon lange nicht mehr, der kühle Weißwein ist fast obligat geworden.

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Wir sind träge, genießen die vorgezogenen Hundstage, nur den Mann sticht hin und wieder der Hafer, dann verschwindet er unter den Rhododendren, gräbt und buddelt bis Ilex, Efeu und Co. aufgeben. Es ist doch noch zuviel Wildwuchs, man fühlt sich wie in diesen App-Spielen „löse erst fünf Level bis du das Zimmer/das Haus/das Beet/den Garten renoviert kannst“.

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Noch immer innerlich unruhig, schlafe ich schlecht. Der Bezug zu meiner Arbeit pendelt zwischen den Extremen, furchtbar frustrierend oder ganz zufriedenstellend.

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Regen wäre ganz nett.

24052018.

Tage, an denen die Welt gut zu dir sein wollte, und du es nicht erkannt hast und einfach die a*schlochige Versagerin warst, die du halt bist, und deren Rolle du blind spielen kannst.

An den Tagen gehst du früh ins Bett und überlegst dir, wie es nur sein kann, dass alles so falsch in dir gepolt ist, dass du alles als Angriff auf dich und dein System empfindest, und ebenfalls AngriffAngriffAngriff als die vermeintlich beste Verteidigung nutzt.

An den Tagen gehst du auch früh ins Bett, um größeren Schaden abzuwenden, aber du kannst nicht erkennen, ob er nicht doch schon geschehen ist, und interpretierst nur rum und beim nächsten Mal wiederholt sich der ganze Schei*.

An den Tagen gehst du früh ins Bett, weil es in der Nacht und den Träumen anders ist, weil du fliegen kannst und wahlweise die Heldin, die Magierin oder beides bist, und weil morgen die Welt wieder anders aussieht. (Hoffentlich.)

17052018.

Nichts geschieht. Vielleicht ist es das, dieses Leben? Es mäandert vor sich hin, geht einfach weiter.

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(hier irgendwas geschrieben über den Einfluss auf das Leben, den wir vermeintlich haben oder eben nicht haben. Wieder gelöscht, das war selbst mir zu dunkel und schwarzseherisch.)

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Die Stimmung, meine Stimmung, ist eher unterirdisch dieser Tage. Wäre ich Poseidon, der olle Weltenerschütterer, hätte ich die Meere und ihren Grund schon durchgerüttelt.

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Wie führe ich ein zufriedenes Leben, wenn ich selbst nicht mit mir, und dem was ich mache, zufrieden bin? Wenn ich nicht im Frieden mit mir bin? Nicht zu befriedigen, nicht zu beruhigen, immer in innerer Unruhe schwinge?

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Nerven wie Drahtseile, bis zum Bersten gespannt.