12092017.

Um 07:15 habe ich meinen Kaffee aus der LieblingsKaffeemaschine geholt und habe mich auf den Weg zur Bahn…nein, wieder ins Bett gelegt. Um den neugierigen Hund zu bekuscheln, um aufzuwachen, mich innerlich zu orientieren. Morgens brauche ich meist etwas mehr Zeit bis ich zu mehr in der Lage bin als nur zu existieren.

Und als ich da so durch die Wohnung tappste,  ging mir auf, wie unfassbar froh und erleichtert bin, dass ich nicht mehr in das Büro des vorherigen Arbeitgebers muss. Dass ich mich nach mir richten kann, dass ich jetzt nicht durch diese graue Welt da draußen hetzen muss. Dass ich mich nicht darauf einstellen muss, wer will was wie schnell von mir und weshalb immer auf mich? *

Das ganze ist jetzt ungefähr ein halbes Jahr her, und ich muss sagen, in diesem halben Jahr hat sich sehr viel zu meinen Gunsten und zu meinem Vorteil entwickelt. Ich habe das Gefühl, endlich anzukommen – sowohl in mir selbst als auch im Leben. Ich glaube, das ist ganz gut.

* Im Spielwarenladen will auch ständig jemand was von mir, mir haben meine Füße schon lange nicht mehr so weh getan, aber es ist ein anderer Umgang. Die Damen kümmern sich umeinander, fragen nach und manche Kinder sind echt herzig. Es ist…anders. Und gut.

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11092017.

Kurz nachgelesen, was ich hier zuletzt schrieb. Dabei der Gedanke „die Zeit rast.“

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Geschrieben, gelöscht, wieder geschrieben, wieder gelöscht. Eigentlich ein Update zu Haus und Garten, uneigentlich bin ich so müde. Es ist so unglaublich viel, was wir seit dem letzten Eintrag, abgearbeitet haben. Das Haus steht nur noch in den Grundfesten, der Garten ist fast winterfertig – wir haben gesägt, geschnitten, abgerissen, gemäht, gestemmt, gekämpft und uns verausgabt. Und das in bislang nur 42 Tagen parallel zu unserer täglichen Arbeit.

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Meine Gedanken beschäftigen sich mit der BundestagsWahl und der Wertigkeit von Care Arbeit.

Gewählt habe ich bereits per Brief; das erste Mal, dass ich hinterher nicht wirklich überzeugt bin. Grundüberlegungen zuvor waren u.a.:
– Wählte ich die Partei, deren Forderungen meinen Wünschen zur Entwicklung unseres Landes am nächsten kommen, käme eine Koalition zustande, die das Kanzlerkandidat und Partei begünstigen würde, welche ich als noch ungeeigneter für den Job einschätze als den Rest.
– Gäbe ich meine Stimme einer der vielen kleinen Parteien, um dieses Dilemma zu umschiffen, welche allerdings keine reelle Chance haben in den Bundestag einzuziehen, würde ich den Großen zwar Stimmen nehmen, allerdings den rechtsorientierten Parteien zuspielen (hier ausführlich erklärt).
– Ich wähle prinzipiell nicht ungültig. Das ist wie ins beste Steakrestaurant der Stadt gehen und dann doch nur Salat zu essen.
– Die Wahnsinnigen Politiker*innen, welche die Forderungen, die meinen Wünschen zur Entwicklung unseres Landes am nächsten kommen, auf Bundesebene vertreten, stoßen mich höchstgradig ab.
– Ein diffuses Gedankenkonglomerat aus Feminismen: Hebammen und Gesundheit, Entwicklungen innerhalb von Parteien, Alleinerziehendenthemen, kannichnichtsogenaubenennenThemen.
– Ein diffuses Gedankenkonglomerat aus Angst, Sorgen, und Befürchtungen, zusammengesetzt aus Flüchtlings-, Welt-, Klimapolitik, gewürzt mit viel Idealismus und Hoffnung.

Der Stimmzettel ist der einer vermeintlich geistig umnachteten Person.

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Außerdem Care Arbeit: „der Fall“ Theresa, eine 100%-Hausfrau, die Entscheidungen traf, die sich zwar im Nachhinein bestenfalls als naiv bezeichnen lassen, die diese dann allerdings erfolgreich als „Dilemma der Frau“ bei s.p.o.n. verkaufte. Die einen forderten quasi eine sofortige Exkommunikation aus der Gesellschaft der Aufgeklärten Frau, die anderen forderten uneingeschränkte Solidarität mit dem armen Hascherl. (Die ganze Story hängt sich an dem Punkt auf, dass sie ohne Ausbildung eine Familie gegründet hat und nun studieren will, um doch noch unabhängig zu werden. Das ist nicht so einfach und Schuld ist die Gesellschaft.)
Ich frage mich seither, wie diese Geschichte verlaufen wäre, wenn Theresa sich oder die Redaktion sie mehr als mündige entscheidungsfähige Person und weniger als „mimimi“-Hascherl dargestellt hätte. Wenn sie aus einem gänzlich anderen, einem bspw. bildungsfernen Milieu mit bspw. Migrationshintergrund käme. Wenn die Familien- bzw. Care Arbeit anders bewertet werden würde. Und wie es weiter aussähe, wenn die Arbeit, die sie leistet, als echter Job bewertet werden – von ihrem Ehemann und auch der Gesellschaft – und monetär vergütet werden würde. Antwort in allen Fällen: es gäbe überhaupt keine Geschichte.

Für mich ist das logische Endziel des Feminismus: jede macht ihr Ding, wird dafür anerkannt (in jeglicher Form) und Ruhe im Karton. (Aber nungut, so hab ich wenigstens etwas zum Grübeln während ich Zäune streiche, bspw. wieso regen wir uns so über dieses Thema auf? Weil sie ist wie wir – gleicher sozialer Hintergrund, ähnliches Alter? Oder weil sie es wagt, die Schritte Familie und Ausbildung/Karriere nacheinander zu gehen, während wir uns mit Parallelität abmühen? Würden wir sie hochjubeln, wenn sie erst am Ende ihrer Zeit, nach erfolgreichem Studium und Karriere, interviewt worden wäre – nach dem Motto „Hat sich entgegen der Umstände durchgekämpft“? Ich weiß es doch auch nicht.)

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Es bleibt kompliziert.

17082017.

Ich halte in der Bahn manchmal noch Ausschau nach der Frau aus meinem letzten Posting. Keine Ahnung, was ich zu ihr sagen würde und ob ich überhaupt etwas äußern würde. Im Reinen bin ich noch nicht wieder mit mir ob meiner Reaktion. Allerdings hatten der kleine Hund und ich seither zwei sehr nette Bahnbegegnungen.

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Nach Papa lag nun Mama mit einer größeren Herzproblematik im Krankenhaus. Ganz wie es ihre Art ist, ging das nicht ohne Drama vonstatten, und ich gebe zu, dass ich sie zu diesem Zeitpunkt von Herzen verabscheut habe. Es bleibt mir bei 600km Entfernung die Aufgabe meine Geschwister zu unterstützen, mit ihnen Pläne und Ideen durchzuspielen und ihnen den Rücken zu stärken. Die große Schwester meinte, Mama sei handzahm geworden. Ich ahne, dass sie eher mit einem verwundeten Tiger zu vergleichen ist. Der große Bruder hat das schon zu spüren bekommen und selbst beleidigt die Krallen eingezogen. Wir müssen zu dritt sein, um mäßigend einwirken zu können.

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Das gekaufte Haus befindet sich in der Umbauphase. Ich befinde mich in einer Phase, in der ich glaube, dass die Hölle aus Deckendielen, 70er-Jahre-Tapeten, Hochflorteppichen sowie den Farben braun-beige-creme konstruiert sein muss. In Gedanken hingegen bin ich meiner Zeit weit voraus und richte schon alles ein. Das Wichtigste haben wir jedoch bereits bestellt (Massivholzdielen, Eiche natur, geölt). Danach irgendwann der Garten, in dem wir einen von Brombeeren umrankten Brunnen entdeckt haben. Ich suche noch die güldene Kugel der Prinzessin.

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Seit Monaten kaue ich in Gedanken darauf herum, wie viele meiner (vermeintlich freien) Entscheidungen von gesellschaftlichen oder patriarchalen oder familiären oder anderen sozialen Strukturen beeinflusst sind. Ich folge den feministischen Gedankengängen und Überlegungen, und komme immer öfter zu dem Schluss, dass das ja alles schön und gut und wichtig und richtig ist, was da durchdacht und verargumentiert wird, dass ich persönlich es jedoch leid bin, meine Taten unter dem Brennglas eines ideologischen Deckmantels analysieren und (fremd)bewerten zu lasse. So ähnliches beschrieb ich schon einmal im März diesen Jahres. Damals waren es Diäten, um die gestritten wurde, zwischenzeitlich die Teilzeit-Hochzeits-Armuts-Vorsorgefalle, heute ist es die Namensentscheidung bei Heirat. Soll doch jede machen wie sie will, Herrschaftszeiten!

Ich bin übrigens eine Verfechterin der Nachnamensverschmelzung á la Brangelina. Zwei Personen gründen gleichberechtigt eine neue Familiengemeinschaft, dementsprechend sollte die neue Bezeichnung dieser Gemeinschaft zu gleichen Teilen aus den Herkunftsbezeichnungen zusammengestellt werden. (Das fände ich gerecht, und lustig!)

Hier werde ich übrigens seinen Namen annehmen: es ist keine Sammelbezeichnung; der Nachname würde sonst aussterben; bei meinem ist das Überleben hingegen bis in die nächste Generation gesichert, danach ist es nicht mehr meine „Verantwortung“; Nachnamensverschmelzung geht noch nicht; und ich heiße dann so wie seine Oma, die ich sehr sehr mochte, mit Vor- und Zuname hieß (ja, denkt mal drüber nach).

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Nichts neues hier also.

20072017.

Dear woman on the 10,

yesterday we met on the tram when you petted my 6-month-old puppy and I asked you for stopping that. Instead of doing so you asked „why?“ with a long-drawn-out vocal as if you can’t understand why I should asking for this. And you didn’t understand. I was in such a surprise of your misunderstanding and of your ignorance that I missed most of the words I would’ve needed to tell you appropiately about what I thought (and still think) of you and your massive lack of personal distance.

I’ve told that „he is my dog and that you in first place have ask me if it’s okay to pet him“. Let me explain that to you:
First of all he’s a puppy, so he has to learn that not every person, especially a stranger, is his friend. He doesn’t know that there are people out there who give dogs poisoned food. And he is not capable to differenciate if a stranger is a good or a bad person – that’s my job to do so. It’s for his own sake to learn that he can’t play with every stranger who holds out his hand to him.
Second one, he doesn’t know that there are people out there who are afraid of dogs. People who stand like frozen sculptures when they see him. And because he’s such a friendly dog who always wants to play I am the person who has to teach him that it’s not okay to go to every person as he wants it to do.

These are my main reasons to keep him away from strangers. The other reasons are not because of him, they are because of persons like you. Persons who have no clue about dogs and who say in the end – like you did yesterday- „poor dog, living with that woman“. Let me also explain that to you:
You don’t know if a strange dog is friendly or if he is frightened or how well-educated he is because he is not your own dog! Maybe he is in a stressful situation but you think he wants to play or to be petted and in the end he bites you. In this situation I’m going to have to pay for your medical bill, my dog’s insurance will rise and maybe you will have to deal with serious health issues if you’re unvaccinated. In the end you are going to blame me of my little puppy’s misbehaviour and maybe sue me for compensation. Because you didn’t ask me in first place if it’s okay to pet the dog.

Then there’s a personal issue I have with your behaviour, maybe this is the real deal, the core of the problem, apart of the heat and the humidity everyone had to deal with yesterday. It was your massive lack of personal distance which I often observe on people like you and which infuriates me. When you’re not socialised in Germany people like you often describe us as cold and distanced but it’s the „social glue“ which keeps our society rolling. You have no right to touch me or my dog or my children or my belongings without asking me. You are injuring my personal space which has in fact other borders than yours. You came here for studying or maybe for working so please try to accept that we – or at least I – have other social conventions than you in your home country. But hey, there are people who are socialised like me who ignore every personal border they’ve come along so why should you respect them?

You made me angry, really angry. In fact, you made me loose my temper because of your ignorance and your urge to show the whole tram what a mean woman I am, that I went full in and called you a „stupid b*tch“ when I left the tram. For this I apologize. That’s not the person I am and want to be. But I don’t apologize for denying you to touch my dog.

Indeed, five minutes later there was an old man with his wheeled walker in the other tram who looked at my little dog with lots of love in his eyes but to shy to ask. It was a pleasure to me to introduce the dog to him and let him pet the little furball.

***

Seit gestern staut sich dieser Text in meinem Hirn auf, in englisch, weil ich mit der Trulla auf englisch kommunizieren musste und seither nach Worten suche. Der erste Draft war hässlich, gemein, verunglimpfend. Ich habe ihn gelöscht. Ich werde diese Person nie mehr wiedersehen, hoffe ich, und werde sie doch als Anlass nehmen meinen Kern, meine Beweggründe, genauer anzuschauen. Ich hasse, was sie aus mir hervorgekitzelt hat, und was auch alle anderen Personen in mir zu Tage bringen, die übergriffig werden und meinen „personal space“ verletzen. Aufgrund des Hundes passiert dies mittlerweile öfter als mir lieb ist, noch dazu weil er einfach so neugierig und menschenfreundlich ist. Tatsächlich gibt es solche und solche: diejenigen, die zuerst fragen und diejenigen, die einfach übergriffig werden. Die ersteren werden belohnt, den letzteren wünsche ich die Pest und noch einiges anderes an den Hals. Die Trulla gestern hat mich nachhaltig verunsichert, so dass ich mir auch durchaus nochmal vergegenwärtigen musste, dass ich das mit der Erziehung zwar streng, aber konsequent und richtig mache. Nachdem dem netten Intermezzo mit dem älteren Herrn war es beim Aussteigen übrigens wieder eine Frau, die mir attestierte, dass „der Hund aber noch Erziehung benötige“. Es sind immer die Frauen. Ich mag mir nicht vorstellen, wie das erst mit Kindern wird. Menschen sind schei*e.

19072017.

Mir rennt die Zeit davon. In den nächsten vier Monaten werde ich wieder arbeiten, ein 144m²-Haus renovieren, einen 900m²-Garten auf den Winter vorbereiten, mehrere Bäume abholzen, zwei Hochzeiten besuchen, wirhabendadieseirreIdee – vielleicht die eigene vorzubereiten und durchzuführen, entsprechend vielleicht zwei Familien zu beherbergen und zu bespaßen, binicheigentlichdesWahnsinns?, zwischendurch noch einmal umziehen und irgendwann auch noch essenschlafennähenlesenschreiben, achja, und mit dem Hund rausgehen.

Ich zwinge mich alles Schritt für Schritt zu machen, obwohl es mir nicht schnell genug geht, ich nicht genug Zeit habe, mir dieses und jenes durch den Kopf schwirrt, das beachtet und bedacht und organisiert werden will, und das ich auf keinen Fall vergessen darf und sofort erzählen muss, weil die innere Unruhe mich antreibt, weil es doch sonst nicht schnell genug geht, denn wenn es erst einmal gedacht ist, muss es raus aus dem Gehirn, muss ausgesprochen werden und wenn es ausgesprochen ist, muss es direkt umgesetzt oder aufgeschrieben werden, sonst ist es weg. Was weg ist, wird ersetzt, darf nicht sein, sonst wird es von neuem gedacht und der Kreislauf beginnt von vorn, Kapazitäten werden blockiert, denn alles was einmal war, muss, nein, darf nicht wiederholt werden, denn ich habe es ja bereits bedacht und das wäre Verschwendung von Ressourcen und trotzdem arbeitet es unaufhörlich und es geht nicht schnell genug, und wir haben doch keine Zeit.

Manchmal ist es anstrengend in meinem Kopf.

 

18072017.

Wann wurden wir nur so erwachsen? Die früher schon Langweiligen sind bereits lange verheiratet, haben 2 oder 3 Kinder, ein Reihenendhaus und die erste Hypothek. Die Ehrgeizigen haben ihren Doktor, sind irgendwo in der Wirtschaft, meist Automobilbranche, angestellt und verdienen so viel Geld, von dem sie in ihrer Fantasielosigkeit nicht wissen, wohin damit. Die von der ganz schnellen Sorte sind schon bei den ersten Scheidungen und Neuverheiratungen angekommen, oder bereits wieder im Elternhaus, sich die Wunden leckend. Diejenigen, die sich ausgetobt haben, hinken etwas hinterher, die Tagesvollsten und Spaßmacher überlegen noch, wann sie eigentlich überholt wurden. Die umtriebig Alternativen, die eigentlich alles anders machen wollten als die Gleichaltrigen, als die Alten, als die Gesellschaft, sind engstirniger und kleinkarierter als so mancher Schrebergartenrentner.

Das Leben holt uns alle ein. Wo sind eigentlich unsere Träume hingekommen? In welcher Schublade haben wir sie vergraben? Was ist aus den Idealisten und Träumern, den Merkwürdigen und Launischen geworden?

Welcher Schalter wurde umgelegt?

Wann wurden wir die, die wir sind?

01072017.

In naher oder auch ferner Zukunft, wer mag es schon vorher zusagen, werde ich eine garstige Alte sein. Die Zeit werde ich mir vertreiben, mit einem Kissen unter den Armen aus dem Fenster auf die Welt herabschauend, und werde euch all das zurückgeben, was ihr euch verdient habt.

Der Hundehalterin, die ihren kläffenden Köter eine Stunde lang ignoriert, werde ich zugreinen, dass sie sich um ihre Töle zu kümmern habe und ihren Latte Matschiato getränkten Hintern aufraffen soll, um seine Schei*e wegzumachen, dass der Oppa von gegenüber nicht wieder reinlatscht.

Die Eltern, die seit einer halben Stunde über dem Kopf ihrer nölenden Kindergartengöre „diskutieren“, wer von beiden richtiger und besser spiele, werde ich aufklären und ihnen mitteilen, dass ihr Sprössling ohne sie besser dran sei und lieber mit der kackenden Fußhupe rumrennen solle, so dass beide vor ihrer steten Verfettung bewahrt werden.

Ich werde eine der Erinnyen sein und euch dreißigfach und hundertfach den Lärm, die Ignoranz und die Empathielosigkeit vergelten, die ihr sorgenfrei und gedankenlos über der Welt ausstreut, die mich angreifen, die mich ermüdet haben, die mein Nervenkostüm zerrissen haben.

Das seit Stunden dudelnde Radio werde ich verfluchen, mit grausameren Worten als eine der Shakespeare’schen Hexen sie erfinden kann. Den Besitzer des über Gebühr lauten Weckers, der morgens um halb 4 die ganze Straße weckt, werde ich mit einem Eimer Putzwasser erwischen. Alles werde ich euch zurückgeben und meine Wut wird von einer Größe sein, die ihr noch nicht kanntet.

Ihr werdet euch abwenden, werdet den Kopf schütteln, voll von Unverständnis, wie es so weit kommen konnte, was nur geschehen sei. Ihr werdet die Schuld bei mir suchen, nicht in der Welt, nicht bei euch, nicht im Lärm. Ich werde mich zurückziehen in meine Burg aus Schatten und Stille, über euch richtend, wie es nur dem Einen zusteht.

Und was gesät wurde, wird aufgehen und ich werde an mir selbst ersticken.

***

So ein Tag, an dem einfach alles zu viel ist.