12012019.

Die Nächte gestalten sich derzeit wie folgt: zu obskurer Uhrzeit aufwachen, auf Toilette müssen, danach Durst bekommen, etwas trinken, wieder einschlafen, ungefähr drei Stunden später startet das Spiel wieder von vorn. Die Alternative ist zuerst wegen Durst aufzuwachen, dann etwas trinken, danach auf Toilette müssen, wieder einschlafen, und wieder von vorn. – Ich versuche diesen nächtlichen Ablauf als Trainingseinheit für kommende Zeiten zu sehen, würde es aber dennoch begrüßen, wenn das Kind, jetzt wo es noch Platz hat, meine Blase nicht weiter als Kissen nutzen würde.

Komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es nie, unter gar keinen Umständen, jemals vorgesehen war, dass Frauen die alleinige Kontrollhoheit über ihren Körper haben. Weder in diesem noch in anderem Kontext.

***

Ich bin grunderschöpft. Die letzten Tage habe ich es nach der Arbeit gerade noch so nach Hause und aufs Sofa geschafft. Vielleicht habe ich es an einzelnen Tagen auch nicht mehr geschafft und bin noch in der Diele heulend zusammen gebrochen. Vielleicht habe ich da auch fiese und gemeine Dinge über meine Schwangerschaft geäußert, die ich jetzt sehr bereue. Vielleicht sind es nur Hormone, vielleicht ist es nur der Alltag, vielleicht sind es auch Zukunftsbefürchtungen, vielleicht ist es der ominöse Sack Reis. Gut, dass nur der Hund da ist, um das mitzubekommen, der mich erst abschlabbert und sich dann zu mir legt.

Dennoch: Der Nöck streckt derzeit unerbittlich seine langen Finger nach mir aus, will mich zu sich in den dunklen Januarsee ziehen, der bekanntlich noch tiefer und kälter ist als zu anderen Jahreszeiten. Mir fehlen ein bisschen die Kraft und die Strategie mich aus seinem Zugriff zu befreien. Nichts will mir recht Freude bereiten. Es ist mühselig.

***

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass mich der aktuelle Mach-dich-glücklich-durch-Aufräumen-Wahnsinn oder ein Shoppingslogan wie „Neues Jahr, neues Ich“ so triggern. Beide Strategien suggerieren, dass es so einfach ist, ein leichtes und (glück)erfülltes Leben zu führen, jegliche Probleme zu beseitigen und Platz für die wichtigen Dinge zu haben.

Spoiler: Das ist es nicht. Kurzzeitig mag Erleichterung eintreten, weil ein Symptom aus dem Weg geräumt wurde, aber der Kern unserer Beziehungsprobleme, der Kern unserer Verhaltensweisen – der ist immer noch in uns. Den nehmen wir überall hin mit. Egal, wie oft wir umziehen, uns neu einrichten oder versuchen ihn mit dem restlichen Krempel wegzuwerfen.

Oh, ich bin die Erste, die sich wünscht, dass es einfach wäre, und vielleicht ziemlich sicher bin ich neidisch auf diejenigen, für die es sich wider Erwarten als easypeasy herausstellt. Für mich und alle anderen wird es jedoch immer wieder darum gehen, sich mit diesem Kern auseinander zu setzen, ihn anzunehmen, gut zureden, und gute Wege zu finden, damit zu leben ohne unterzugehen.

***

Einfach schwimmen, einfach schwimmen.

Werbeanzeigen