25102017.

Gestern wurde das Kleid geliefert und es ist zu groß. Der künftige Gatte teilte mir auf mein Lamento nur kurz angebunden mit, dass ihm das schon klar gewesen sei,  bei der Größe, die ich bestellt hätte.

Mein Erstaunen war durchaus groß. Seither kaue ich darauf herum und stelle fest, dass meine Körperwahrnehmung irgendwo in der Teenagerzeit stecken geblieben ist. Hier und da die berühmte Speckrolle, eher eine zu viel als zu wenig. Aussagen aus dem familiären Kreis, dass ich „schon immer ein kleiner Buddha gewesen sei“. Irgendwas von „wir waren schon immer eine grobschlächtigere Familie“. (*) Der Hang zum Couchpotato-Dasein, der dafür sorgt(e), dass ich eher weich und wabbelig bin als skinny-strong-toned-muskulös-whatever.

Ich nehme mich nicht so wahr wie ich – scheint es – nach außen wirke. Ich nehme mich als wandelnde weiche Speckrolle wahr, als eher ungeschlachtungeschickt, als zu groß mit breiten Schenkeln und dickem Hintern.

Wenn Sie mich in der Realität sehen würden, würden Sie in schallendes Gelächter ausbrechen, vermute ich. Das mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung übe ich noch.

Bis dahin schicke ich das Kleid zurück und warte auf die neue Version.

(*) Diäten waren ein ausschließlich theoretisches Thema für mich, für meine Mutter nicht. Durch Beobachtung habe ich da viel gelernt und daher nie ausprobiert. „diet“ kommt von „to die“ – davon bin ich überzeugt.

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18102017.

Heute früh schrieb ich an anderer Stelle „Vor 7:00 aufgestanden, geduscht, angezogen & koffeiniert. Für eine, die mal wegen Depression tagelang das Bett nicht verlassen konnte…Hammer!“

Es ist lange her, damals in meinem ersten Studiengang, den ich abgebrochen habe, indem ich bis zur Besinnungslosigkeit feierte. Und es war nicht nur das Feiern, es war eine Leere, die ich versuchte damit und durch langes Schlafen und viel Alkohol und viel müßige Gesellschaft zu füllen. Das eine bedingte das Andere und das wiederum verstärkte das Eine und so wurde es ein Teufelskreis, dem ich nicht mehr entkommen konnte. Das ist nun knapp 10 Jahre her.

Noch länger her sind die ersten Tage, in denen ich im Bett lag und mich fragte, was das hier alles eigentlich soll. Es war zu meiner Oberstufenzeit, in der ich mich als Volljährige selbst entschuldigen konnte. Für meine Mutter war ich „faul“und „eine Enttäuschung“ und noch heute höre ich meine Tante mich schelten „dass meine Eltern sich fragten, was sie da eigentlich herangezogen hätten“. (Das Abi habe ich ohne Lernaufwand mit „gut“ bestanden. Noch heute muss ich mich überzeugen, dass das auch wirklich „gut“ bedeutet und nicht „enttäuschend“. Das nur am Rande.) Das ist jetzt etwa 15 Jahre her.

Das waren der Anfang und der Höhepunkt. Zwischendurch gab es noch weitere Tiefpunkte, immer wieder anders, niemals wieder so schlimm, und ich ahne, es werden weitere kommen.

Diese Krankheit verlässt dich nicht. Du lernst nur damit zu leben und anders, vielleicht besser, damit umzugehen. Ich kann dir keine Tipps geben. Ich kann dir nur sagen „Es wird. Es fügt sich. Hab Vertrauen.“

Zu mir haben das viele mehr oder weniger nahe stehende Menschen gesagt, in unterschiedlichsten Variationen. Ich habe es gehört, ich habe es verstanden, ich habe es ihnen nicht geglaubt. So ist das.

Jetzt höre ich es mich selbst sagen. Mir glaube ich mehr. (Zumindest an den guten Tagen.)

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Es wird. Es fügt sich. Hab Vertrauen.

13102017.

Keine Ahnung, was ich schreiben will. Mehrfach angesetzt, wieder gelöscht, alles zu pathetisch für das Alltagsgedöns.

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Die Baustelle steht. Es geht nicht vor und halleluja, erst recht nicht zurück, allerdings zermürbt mich das sehr.

Die Elektriker sind wie ein Januskopf: ganz oder gar nicht. Wenn sie denn da sind, arbeiten sie sehr schnell und wohlüberlegt, denn wir haben die 40 Jahre alte Arbeit eines Hobbyelektrikers im Haus und im Garten verlegt, was…spannend ist. Wann sie uns mit ihrer Anwesenheit beglücken, weiß allerdings nur Hanuman allein, der das wahrscheinlich für einen wunderbaren Streich hält, uns unwissend in der Luft hängen zu lassen. So lange nämlich die Elektrik nicht fertig ist, können wir die Wände nicht abschließend bearbeiten, können wir keine Böden verlegen, werden die Räume nicht fertig, können wir nicht einziehen.
Die Sanitärleute vertrösten uns. Mitte/Ende September hätten sie bereits neue Rohre verlegen, neue Toiletten, neue Dusche und sonst so Zeug einbauen sollen. Haben wir uns mittlerweile schon auf Anfang nächster Woche „gefreut“, wird es jetzt wegen Sack Reis in China umgefallen noch später. Ohne sanitäre Anlagen ist ein Umzug Ende November auszuschließen. Alles andere würde noch irgendwie machbar sein.

Es ist nicht nur zermürbend, sondern auch belastend für mich. Dieses Abhängigsein, keine Handhabe, keine Möglichkeit etwas zu ändern, das ist schwer zu akzeptieren. Gar noch etwas Positives daraus zu ziehen, mag mir im Moment nicht gelingen. Naja, wir haben so immerhin Zeit die Treppe weiterhin abzuschleifen und müssen keine Sorge haben, dass etwas Neues dreckig wird. Allerdings ist dieses Treppenhaus ein Installation des Beelzebub höchstpersönlich, und aufgrund all dieser Umstände und dieses Theaters ist die Stimmung zwischen dem Mann und mir auch…nunja, Bombe.

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Die Hochzeitsvorbereitungen laufen parallel. Eine der besten Entscheidungen war, dass wir das alleine organisieren, so quatscht uns wenigstens niemand rein. Eine der dööferen Entscheidungen war, überhaupt Gäste einzuladen, weil so ständig jemand reinquatscht.

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Ich habe mal wieder gemerkt, dass Wut für mich ein krasser Antrieb ist bzw. DER Antrieb schlechthin. Geld, Anerkennung, sozialer Aufstieg, waseuchgefällt – nichts lässt mich so zuverlässig Aufgaben angehen, durchhalten und erledigen wie dieser Zustand, bei dem es in mir gärt und brodelt. Vieles ist mir nicht wichtig genug, um mich dauerhaft anzuheizen. Heute hier, morgen dort. Mein Innerstes nach außen zu kehren, dieses Feuer auszuleben, das funktioniert. Kann aber auch in Totalverweigerung enden, zudem wurde mir recht früh anerzogen, dass sich Wut nicht gehört. Ich habe also Strategien entwickelt, äußerlich ruhig zu bleiben, vieles in und mit mir selbst auszumachen und entsprechend diesen Antrieb zu zügeln. Mir ist noch unklar, wie ich diese Energie kanalisieren und für mich nutzbar machen kann.

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Über die Geschlechtslosigkeit der Frau bzw. des Geschlechts „Frau“ nachgedacht, wieder ohne abschließendes Ende, wieder mehr Fragen als Antworten.

Ursache war der Satz“Männer, die Töchter brauchen, um zu verstehen, dass Sexismus scheiße ist“. Muss man tatsächlich erst betroffen sein? Haben diese Männer nicht auch Mütter, Tanten, Schwestern und Partnerinnen? Gelten diese nichts? Ist ich-Personalisierung in unserer Gesellschaft so notwendig, um Verständnis und Mitgefühl zu haben? Sind nur die Töchter menschliche Wesen? Ist das Geschlecht Frau so ausnahmslos objektiviert, dass Mitgefühl nicht mehr möglich ist? Es ist absurd. Und dann mäandern die Gedanken weiter zum Thema Erziehung, weil es kann schlichtweg nicht nur an „den Medien“ liegen, die werden schließlich auch von jemandem gemacht, und der Schritt von unterdrückten Gefühlen in der Kindheit, die „sich nicht gehören“, zu mangelnder Empathie im Erwachsensein ist nur ein kleiner.

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Liebe ist für alle da.