30062017.

What would Diana Prince do?

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Gestern nun habe ich es endlich geschafft, Wonder Woman im Kino anzuschauen. Ich hätte Taschentücher mitnehmen sollen. So viele starke Frauen, diese Amazonen, so wunderbar kraftvoll und intelligent und wunderschön in Szene gesetzt. Keine Mannweiber, keine Sexobjekte. Schon in den Eingangsszenen als das Leben auf der Insel Themyscira gezeigt wurde, flossen vor Rührung die Tränen, weil mir klar wurde, wie sehr ich als kleines Mädchen und erst recht als Teenager solche Rollenvorbilder gebraucht hätte. – Bei der Neuverfilmung von Ghostbusters war es ähnlich: ich hätte diese verrückten von sich selbst und ihrem Tun überzeugten Wissenschaftlerinnen sehr gerne gesehen und gebraucht, um ein anderes Selbstvertrauen aufbauen zu können. – Frauen, die nicht kreischend oder jaulend von einem Mann gerettet werden, sondern sich selbst retten. Hinzu kommt, dass ich mir so, und zwar genau SO, die Amazonen der griechischen Mythologie vorgestellt hatte, die der Stadt Troja den Ar*ch retten (zumindest kurzzeitig).

Sehr unterhaltsam auch anzuhören und anzusehen, was Diana zum Kleidungsstil der Londonerinnen oder zum Sex mit Männern zu sagen hat. Nicht nur ich habe mich ein bisschen in Wonder Woman verliebt, auch der Mann, der mich begleitet hat. Überhaupt: wir waren in der Nachmittagsvorstellung und neben insgesamt acht männlichen Personen – Väter und ihre Söhne – war ich die einzige Frau. Es ist eine schöne Vorstellung, dass sich den jungen Menschen dieses Bild einprägt, das der Film vermittelt – nämlich, dass es für Diana und die Amazonen selbstverständlich ist, dass sie dieselben Aufgaben und Rollen übernehmen wie es in der anderen Welt die Männer tun. Und dass Diana auch später im Film sich an keiner Stelle von der Irritation und dem Gerede der Männer davon abbringen lässt oder nur darüber nachdenkt, dass es anders sein könnte. Sie ist eine Gleiche unter Gleichen.

Für mich alte Idealistin auch atemberaubend (und tränenreich) zu sehen, dass ihre innere Antriebskraft sich aus Hoffnung und aus Liebe, so viel Liebe, zusammensetzt. Liebe zu den Menschen, zur Hoffnung, zu einem Mann, zu ihrem „Erbe“, zu ihren Überzeugungen. Das liegt mir näher als die Rache-und-Zweifel-Fantasie eines Batman, der nur existieren kann, weil er genauso verrückt ist wie das Böse, das er bekämpft, und auch näher als ein Superman, der sich selbstverliebt zum Retter der Menschheit aufschwingt, ohne dessen Existenz diese verloren wäre. Aber: für die Liebe kämpfen. Das ist meins.

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Passend dazu wurde heute im Bundestag beschlossen, dass die Lebenspartnerschaften von Homosexuellen denen von Heterosexuellen vor dem Gesetz komplett gleichgestellt werden. Es darf nun „Ehe“ genannt und als solche behandelt werden, was auch eine Ehe ist.

Mir jedoch noch immer schleierhaft, weshalb die Gesellschaft diese vertragliche Institution an sexueller Orientierung ausrichtet. Weshalb nicht rechtlich bindende Verträge für die unterschiedlichen Lebensbelange einführen: gemeinsame steuerliche Veranlagung, Vollmachten für Pflege- und Krankheitsfall, Sorgerechtsvereinbarungen, Versorgungsvereinbarungen? Sollen doch Einzelpersonen selbst entscheiden, mit wem sie welche Vereinbarung schließen wollen, mit wem sie welche Verbindung eingehen und ob diese sexueller, rechtlicher oder sonstiger Natur ist. Selbstbestimmung FTW!

[Dazu müsste man jedoch anfangen das Konstrukt Ehe vom Konglomerat der Emotionen zu trennen. Und das Konstrukt Mutterschaft/Vaterschaft von der Überladung durch emotionale Zuschreibungen. Und und und…aber nicht jetzt und nicht hier in diesem Rahmen.]

(Nennt mich idealistisch, aber bitte nicht naiv. Ich glaube daran, dass andere gesellschaftliche Lebensgestaltungen möglich und nützlich und notwendig sind, bin aber realistisch – oder pessimistisch? – genug, um zu ahnen, dass ich das in dieser Form nicht miterleben werde. )

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What would Wonder Woman do?

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