Sozialisierung.

Es gibt Synapsenverbindungen in meinem Kopf, über die bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert. Und bei vielen entdecke ich erst nach Jahren, wie sie geknüpft wurden, was sie auslösen und was ich da eigentlich mit mir herumtrage. Ein gelesenes Fragment wie „Unser täglich Brot gib uns heute“, das ich stante pede in Gedanken mit „und vergib uns unsere Schuld“ ergänze. Es fällt wie ein Puzzleteil in eine Reihe anderer Versatzstücke wie „nicht geschimpft ist genug gelobt“, die mich wütend machen, die mich aufwühlen, die mir die Frage stellen, wie zum Teufel ich eigentlich erzogen wurde? „Uns hat das auch nie geschadet.“ Doch, hat es. Es mag an der Zeit gelegen haben, in der meine Eltern (Jahrgänge 1938 und 1941) aufgezogen wurden, an der Zeit, in der ich selbst (Jahrgang 1984) aufgewachsen bin. Es kommt viel durch von Überlebenmüssen, Pragmatismus, gesellschaftlicher Anpassung – „damals war das so“. „Das hat man halt so gemacht.“ Was geht in einer Gesellschaft vor sich, die ihren Kinder beibringt, dass sie von vornherein schuldbehaftet sind? Was waren sind das für Generationen, die nicht in der Lage waren sind, positive Gefühle zu artikulieren und stattdessen lieber schweigen? Wer sind wir, das wir das noch immer übernehmen und weitergeben?

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