Zwei Herzen, ach.

Oberflächlich ist alles ruhig. Es entwickelt sich wenig. Innen drin rumort es. Ich versuche mich zu beruhigen, mich abzulenken und mir selbst gut zu zureden. Ich stehe auf, trinke Kaffee, yoginiere (familieninterner Sprachgebrauch) etwas vor mich hin, lese das Internet leer, mache den Haushalt (mehr oder weniger motiviert), gestehe mir ein, dass das alles doch etwas langweilig ist, esse eine Kleinigkeit oder auch nicht, gehe raus in die Sonne, verbringe ein oder zwei Stunden im Café, lese ein Buch, nähe hier und da, schreibe etwas und lösche es wieder, versuche mir keine Sorgen zu machen. Spätestens wenn ich nachts im Bett liege, hat sich das jedoch erledigt. Ich weiß nicht, was ich will. Was ich nicht will, ist klar: einen 08/15-Job, der mich innerlich und äußerlich ausblutet. Jammern auf hohem Niveau? Keine Ahnung, wahrscheinlich schon. Kommt wie so oft auf die Sichtweise an. Ich habe kein Einkommen. Noch habe ich zu viel Stolz, will niemandem auf der Tasche liegen, kann es aber auch nicht ändern, dass der Lieblingsmensch mich auffangen muss. Paradoxen ohne Ende – alle in mir drin. Zwei Herzen, ach, in meiner Brust. Der Gedanke und das innere Wissen, dass es so wie bislang nicht weiter geht, nicht weiter gehen kann, lassen mich durchhalten. Irgendwas wird kommen. Was kann nicht weitergehen? Einen 08/15-Job ausüben, der mich nicht fordert und dem ich keine Leidenschaft entgegenbringe, oder das Zuhause-Rumeiern ohne Ziel und Verstand? Was wartet auf mich? Ich mag mich nicht leiden in diesem Selbstmitleid, habe ich doch ein anderes Bild von mir. Freund*innen und Bekannt*innen sowieso. „Irgendwie findet sich immer eine Lösung“, ich bin gut im Mut machen – bei anderen. Nicht bei mir. Der Mann bewirbt sich derzeit. Ihm kann ich Tipps geben, kann einschätzen, wo seine Stärken und Schwächen liegen, kann zuversichtlich sein. Bei mir selbst versage ich gründlich.

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