Tag Eins.

Es ist ein bisschen wie Katerstimmung. Der erste Eintrag gestern hat mich aus meiner Komfortzone geholt. Seit ich ihn veröffentlicht habe, denke ich, das sei alles gar nicht so schlimm. Ich will all das, was ich gestern geschrieben habe, abmildern. Will sagen, dass es mir doch eigentlich gut geht, dass ich lache, dass ich das Leben genieße, so gut ich kann, dass ich das alles schon hinkriege und dass es (selbstverständlich!) Menschen gibt, denen es viel schlechter geht als mir. Aber damit lege ich mich selbst unter eine Daunendecke, sehe die Welt wie durch einen Nebel, weil es mir eben nicht gut geht. Weil ich hadere. Weil ich zweifle. Und ich will – unbedingt, mit meinem ganzen Willen – das so stehen lassen und anerkennen können: diese dunkle Seite, diese Hoffnungslosigkeit, gehört zu mir. Manchmal bilde ich mir ein, dass ich ein anderer Mensch sein könnte. Wenn ich nur regelmäßig Yoga machte, würde ich ausgeglichener und entspannter. Wenn ich mich nur regelmäßig in Disziplin übe, werde ich schön, schlank und mit mir selbst zufrieden. Wenn ich „nur“ regelmäßig dieses oder jenes mache und mich zwinge das auch einzuhalten, werde ich glücklich und die Welt öffnet sich für mich. Wenn ich nur…ja, wenn ich nur würde. Würde ich ja gerne, aber es geht nicht. Nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich bin innerlich gefangen in Vorstellungen und Ideen, eigenen wie fremden. In meinem Kopf geistern Glaubenssätze herum, mit denen ich erzogen wurde: Streng dich an, dann wirst du auch was! Stell dich nicht so an, du hast doch alles, anderen geht es schlecht! Lächle, dann lächelt die Welt zurück, sonst kommst du zu nichts! Zu erkennen, dass ich auch Jemand bin, ohne dass ich mich laufend anstrenge, um allen gerecht zu werden, ist neu für mich. Und ohne schlechtes Gewissen kann ich (noch) nicht sagen, dass meine Unpässlichkeit meine depressive Verstimmung mein Wasauchimmer genauso eine Daseinsberechtigung hat wie eine „richtige“ körperliche Krankheit. Ich ahne, dass ich derzeit innerlich am Ende bin, dass ich viele Tränen in mir vergrabe, dass die Krankheiten der letzten Wochen durch Stress verursacht wurden und dass ich mit „Lächeln und winken“ diesmal wohl nicht weiterkomme.

(Heute bin ich übrigens fast 2 Stunden früher aufgestanden als in den letzten Wochen. Ich habe Pläne für heute Nachmittag und ich freue mich darauf.)

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2 Gedanken zu “Tag Eins.

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