ein Anfang.

Seit ungefähr zwei Wochen bin ich wie gelähmt. Aufstehen fällt mir schwer. Wenn ich vor 12 Uhr das Bett verlasse, ist das derzeit ein Erfolg für mich. Vor ungefähr zwei Wochen wurde ich gekündigt, auf die denkbar unangenehmste Art, die man sich vorstellen kann: vormittags hatte ich mich krank gemeldet, bedingt durch Grippe und Antibiotika, nachmittags fand ich die Kündigung im Briefkasten. Während der Probezeit, erst eine Woche zuvor hatte ich im neuen Job begonnen. Jetzt bin ich zuhause. Mein Ego ist angeknackst. Was für Andere vielleicht eine willkommene Gelegenheit ist, um sich mit Freunden zu treffen oder spontane Unternehmungen zu genießen, ist für mich derzeit Stress. Vor einem halben Jahr ungefähr bin ich mit meinem Partner wegen seines Berufes an die östlichste Grenze Deutschlands gezogen – unser soziales Netz haben wir zurück gelassen. MEIN soziales Netz habe ich zurück gelassen. Es existiert nur noch via Email, WhatsApp und facebook. Die Frage „Warum suchst du dir nicht einfach etwas Neues?“ ist mein neuer ständiger Begleiter. Hier gibt es nicht „einfach etwas Neues“ – hier gibt es eine Stadt, die einmal von ~100.000 Bürgern belebt wurde und in der nun noch etwa die Hälfte lebt, davon sind zwischen 15 und 20% arbeitslos. Ich gehöre jetzt dazu. Nachts kann ich nicht einschlafen und morgens nicht aufstehen. Innerlich bin ich wie gelähmt. Erstarrt schaue ich in die Zukunft und denke, dass es unsinnig ist. Was ist unsinnig? Alles. Letzte Woche habe ich meinem Partner gestanden, dass ich derzeit oft an Suizid denken muss. Nur denken, nicht durchführen. Das mag ich ihm und meiner restlichen Familie nicht antun. In Gesprächen gebe ich mich zuversichtlich. Wie schon seit Monaten, seit ich hier in der Umgebung das erste Mal einen Job gesucht habe. Sage, dass sich eine Lösung finden wird. Wie sieht diese Lösung aus? Ich weiß es nicht. Unsicherheit lässt mich zu Hause bleiben, auf Nachfragen von Freunden reagiere ich immer weniger. Trotz hervorragender Ausbildung bleibe ich zurück, komme nicht weiter in meinem Erwachsenenleben. Mein Geld reicht hinten und vorne nicht, zusätzlicher Stress. Freunde können meine Sorgen und Bedenken nicht nachvollziehen. Äußerungen wie „Stell dich nicht so an“ oder „Du musst dich nur anstrengen“ verfolgen mich bis in meine Träume. Äußerungen wie einst von meiner Mutter, die mich noch mehr unter Druck setzen. Die suggerieren, dass ich und meine Bemühungen nicht genug sind. Genug wofür? Kann ich mich nicht einfach irgendwie irgendwo verstecken und in Ruhe gelassen werden? Das Karussell in meinem Kopf dreht sich immer schneller, immer weiter, keine Spur von der Lähmung, die im Gegensatz dazu meinen Körper beherrscht. Allerdings: nur mit Hirngespinsten ändert sich nichts. Und ich will weiter, will voran. Nur: ich weiß nicht wie. Wege, die für andere gültig sind, versagen bei mir. Ich habe so große Sehnsucht nach einem Ankommen im Leben, nach meinem Platz in der Welt, dass es körperlich weh tut. Und ich bin ratlos.

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