27062017.

Wir haben gestern ein Haus gekauft. Sehr surreal.

Irgendwie fühlt es sich an als würden wir mit den Klamotten unserer Eltern verkleiden spielen, so unpassend ist dieses Bild der Hausbesitzer noch für uns.

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In Gedanken mit dem Wirken unserer Tierärzte beschäftigt. Der Praxisinhaber ist derzeit mal wieder in Urlaub, seine Vertretung betreut uns. Diese ist ebenso qualifiziert wie er, hat erste Diagnosen, die dann im Labor bestätigt wurden, korrekt gestellt und ist offen und kommunikativ. Trotzdem wirkt sie inkompetent, unkoordiniert und wie ein aufgescheuchtes Huhn, das den Kopf verloren hat.

Ich ahne bzw. kenne mich gut genug, um zu wissen, dass das unfassbar schlechte Sprach-Deutsch (Satzbildung, Aussprache, Wortschatz) der Vertretung damit zu tun hat, denn ich verstehe sie auch bei wiederholtem Nachfragen nur schlecht. Antworten werden nicht abgeändert oder anders formuliert oder substituiert, sondern einfach wiederholt. Das Nicht-Verstehen wird durch die Aufgescheuchtheit und die damit zusammenhängenden Halbsätze nur verstärkt. Weshalb ich dann äußerst ungeduldig werde, weil ich verstehen will, was man mir da erzählt.

Da absehbar ist, dass diese Person mittelfristig die Praxis, die übrigens aufgrund des Inhabers einen exzellenten Ruf genießt, übernehmen wird, werden wir mit dem Umzug auch den Praxiswechsel vollziehen.

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Wie findet man Handwerker, denen man vertraut, wenn der eigene soziale Kreis in der neuen Stadt noch recht klein ist und man nicht auf Mundpropaganda zurückgreifen kann? Beide haben wir in unseren Heimatorten gute Verbindungen zu Fachkräften, hier jedoch nicht. Das wird spannend.

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Die letzten Nächte sind geprägt gewesen von Alpträumen, die sich um Familie sowie um Vertreibung, Flucht und Ermordung meiner Familienmitglieder in ganz konkreten Zusammenhängen drehten. Am Ende blieb ich als Einzige übrig.

Das nimmt mich mit, mehr als mir lieb ist. Ich erinnere mich sehr klar an einzelne Traumbilder, die darin vorkommenden Gesichter und damit verknüpfte Gefühle. Aufwachen ist derzeit mehr ein Aufschrecken und auch die Erleichterung, die damit einhergeht aus einem unangenehmen Traum aufzuwachen, bleibt eher aus.

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Wie lebt man ein Leben, wenn man die Letzte ist?

 

26062017.

Die Mühen der Ebene.

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Der Notartermin für den Hauskauf wurde verschoben, weil die Verkäuferin das zum Verkauf notwendige Testament der verstorbenen Hausbesitzerin verloren hat.

Wie verliert man ein Testament?

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Es hat seit ein paar Tagen den Anschein als sei ich auf den Hund gekommen, genauer, ich reagiere in überzogenem Maße allergisch. Schon seit Jahren bin ich (unfreiwillig) praktizierende Pollen- und Katzenallergikerin. Daher schob ich das vermehrte Laufen der Nase bislang auf eine besonders starke Pollensaison. Zum jetzigen Zeitpunkt müsste jedoch das Schlimmste vorbei sein, so die Erfahrung. Ist es jedoch nicht.

Wer Tierhaarallergiker*in ist, reagiert nicht auf die Haare an sich, sondern auf Allergene, speziell Eiweiße, die sich in Schweiß, Hautschuppen, Speichel und Urin der Tiere befinden. Das Tierhaar ist nur das Trägermedium.

Bislang helfen ein frei erhältliches Antihistaminikum, regelmäßiges Wischen der Wohnung und die Verbannung des nicht mehr ganz so kleinen Hundes aus bestimmten Zimmern. Weitere Entspannung der Situation erhoffe ich mir vom Umzug in unser Haus in ein paar Monaten, wo dann mit mehreren Etagen und Garten weitere Möglichkeiten zur Aufteilung bestehen.

Außerdem: Allergologe, Allergietest, Hyposensibilisierung. Sowas halt.

(Und nein, bislang hatte ich bei Hunden keine Probleme, sonst hätten wir den kleinen Hund doch nicht zu uns geholt.)

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Den Geburtstag von Papa vergessen. Mir anhören müssen, was ich für eine Tochter sei. Und dass ich das mit der Hundeallergie im Vorfeld hätte klären können, sei ja wie bei Katzen und davon wisse man schon seit ich sechs oder sieben gewesen sei. Was ich jetzt mit dem „armen Hundle“ zu tun gedenke. Nach fünf Minuten aufgelegt.

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Die Nähmaschine hat ihren Geist aufgegeben. Nicht ohne vor ihrem Ableben noch zwei Stoffe zu ruinieren.

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Der Hund bleibt.

16062017.

In unserem Mietshaus lebt auch das Hausmeisterehepaar. Seit mehr als 29 Jahren. Sie kennen die Menschen, die Wohnungen, den Eigentümer, das Viertel. Alles.

An jeder Türe des Hauses sind Zettel befestigt. In Klarsichthüllen. „Bitte aus Sicherheitsgründen IMMER geschlossen halten!“ – „Dies ist ein Fluchtweg!!!“ – „Wem gehört das weiße Regal im Heizungskeller? Bitte UMGEHEND entfernen oder es wird binnen 14 Tagen entsorgt!!! Eine Abstellung ist  NICHT gestattet.“

Um 21:45 erfolgt der tägliche Gang durch das Haus, über den Hof und durch den Keller. Jede Außentüre wird doppelt abgeschlossen, Unbefugten ist der Zutritt verboten. Morgens früh wird aufgeschlossen und der Gehweg vor dem Haus von allen Blättern, Blüten und Vogelschiss gereinigt.

Die Wohnungstüren gehen raus auf eine Balustrade, die in den Innenhof ausgerichtet ist. Wenn man es positiv betrachtet, ist es ein einziger großer Balkon, der durchgängig mit Geranien begrünt, umwerfend wirken würde. Neben unserer Tür stehen Pflanzen auf alten Obstkisten. Selten stehen hier und da die Wäscheständer draußen, wenn es warm ist. Noch seltener setzen sich die Nachbarn mit den Stühlen vor die Tür und trinken Kaffee.

Denn, wenn es klingelt, ist es der Hausmeister. „Dies ist nicht gestattet. Zum Wäschetrocknen nutzen Sie bitte den geschlossenen Dachboden, da kann auch nichts wieder nass werden. Sie dürfen auch maximal einen kleinen Topf neben Ihre Tür stellen, sonst ist hier kein Platz, das wuchert ja alles zu. Die Stühle dürfen hier nicht stehenbleiben, da kann ja jemand drüber stolpern. Das ist gefährlich! Es ist nicht gestattet. Was soll denn der Hausherr da sagen, wenn er das sieht?“

Worauf der Hausmeister keinen Einfluss hat, sind die Schwalben, die weiterhin unter dem Dach nisten, im Innenhof ihre Kamikazeflüge absolvieren und die Balkonbrüstung vollkacken.

15062017.

Zu Beginn des Jahres, als ich körperlich und seelisch ziemlich kaputt gespielt gearbeitet war, nahm ich mir vor, dass sich etwas ändern muss. Nicht unbedingt konkrete Umstände, aber meine Einstellung zu den Umständen und dem, was mir so passierte. Ich überlegte mir, dass…nein, ich hatte die Sehnsucht nach mehr Abenteuer in meinem Leben, überhaupt nach mehr „Leben“ im Leben.

Mein Jahresmotto, legte ich fest, sollte also sein „mehr Abenteuer wagen“. Beschwingt setzte ich mich an meinen Arbeitstisch, malte ein Bild, ein sinniger Spruch „and so the adventure begins“ im Mittelpunkt, illustriert mit Motiven aus Alice im Wunderland und anderen Illustrationen. An die Wand genagelt und gut. Da hängt es seither und es hängt da gut, denn der Nagel ist sehr stabil.

Und ich fragte mich, wo bleibt denn jetzt mein Abenteuer? Ich wollte mich doch wieder wie Anfang 20 fühlen, unbesiegbar sein in einer Nacht voller Sterne, wenn über der Stadt diese schon wieder verblassen, die Sonne noch nicht sichtbar den Himmel färbt und man beseelt von Tanz, Alkohol und diesem Flirren im Bauch nach Hause hüpft. Wissend, hinter der nächsten Ecke wartet ein hübscher Junge, die beste Freundin, die nächste Aufregung oder alles zusammen.

Es wird sich nicht mehr anfühlen wie Anfang 20. Ich bin zehn Jahre älter und mein Mut, mich hineinzustürzen, ist durch Erfahrung gedämpft worden.

Ich habe „nein“ gesagt zu meiner bisherigen Lebensgestaltung und „ja“ zu der Ungewissheit, die da auftauchte und ausgehalten werden will. Viel freie Zeit, die viele kleine Spontanitäten erlaubt. Und große Ereignisse in Gang brachte. Wir haben uns einen kleinen bald großen Hund gekauft. Der zeigte uns plötzlich sehr deutlich, was wir wollen und was nun genug ist. Also haben wir uns jetzt auch noch ein Haus gekauft. Mit riesengroßem Grundstück und viel Platz.

Das Gefühl dabei ist „wooooaaaaaah“, atemberaubend mit Flattern und Flirren im Bauch. Da steht plötzlich der Einsame Berg vor mir, und in ihm warten Smaug, der Arkenstein unnd abermillionen Schätze. Ich kann es also doch noch, das mit dem Mut und den Abenteuern.

Man muss sich nur die Abenteuer aussuchen, die zur eigenen Größe passen.

08062017.

Popcorn und Wein waren nicht nötig beim Besuch in der Heimat.

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Des Bruders Weinkeller ist hervorragend ausgestattet. Wir verköstigten diverse Weißweine aus der Gegend rund um den Neusiedler See. Seine Pizza ist ebenfalls äußerst lecker, allerdings weist sie noch Luft nach oben auf.

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Den besten Erdbeerkuchen backt meine Schwester. Seriously.

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Mama ist Mama. Was meine Geschwister in den 20 Jahren, die sie länger auf der Welt sind noch nicht gelernt haben:
1. Wenn du willst, dass Mama sich nach deinen Wünschen verhält, nehme eine Inception (*) vor – lass sie selbst denken. Das im Schwäbischen allseits beliebte „Ha, da musch des und des mache“ funktioniert bei ihr noch weniger als bei uns Geschwistern. (Woher das wohl…? Ach, lassen wir das.)
2. Man gebe ihr Contra – ich muss mir nicht mehr alles gefallen lassen. Und wenn Bruder und Schwester mir sagen, dass Mama sie mit etwas über 50 noch nicht ernst nehme, bitte, dann ist das deren Thema, nicht meines.

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Der Rosengarten hinterm Elternhaus ist der Schönste der Welt.

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Die zwei Leittiere der imaginären Kuhherde sind vom Eis. Papa wird nicht mehr Autofahren und das Haus wird altersgerecht umgebaut. (**) Es werden neue Kühe und Kälber nachgeboren werden, um mal im Bild zu bleiben, aber ich vermute, das Schlimmste haben wir hinter uns.

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Ich habe zudem der Nichte, die seit 2 Jahren den Kontakt zur Familie abgebrochen hat, zum Geburtstag gratuliert. Komische Sache.

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Jedes Mal wenn ich aus der Geburtsheimat wieder in die Wahlheimat zurückkehre, merke ich auf wie vielen unterschiedlichen Ebenen es mir hier im Norden besser geht: gesundheitlich, psychisch, seelisch. Als würde mich der Wind hier oben frei pusten, mich atmen lassen und mir dazu verhelfen, mich zu entfalten.

Es ist schon gut so, wie es ist.

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(*) Ihr kennt hoffentlich den Film mit DiCaprio und der Cotillard in den Hauptrollen?

(**) Hier bitte ein Öffnen der Himmelspforten sowie ein hymnisches „Hallelujah“ vorstellen.

31052017.

Der Mann und ich beschließen zwei Flaschen sehr guten Weines mit in die Heimat in das Haus meines Vaters, des Alkoholikers, zu nehmen. Für uns zum Genuss inmitten dieses Zirkusstücks, das meine Familie aufzuführen scheint.

Oh, diese Ironie.

30052017.

Am Wochenende besuche ich meine Familie. Mittlerweile sind wir alle wieder ungefähr auf einem ähnlichen Wissensstand, was die Belange der einzelnen Familienmitglieder angeht. Halleluja.

Was mir nicht erzählt wurde bzw. was ich verpasst habe, weil ich selbst ja auch nicht nachgefragt habe (und außerdem in so einem dunklen Loch steckte):
drei weitere Operationen, eine Reha, einen Hausumbau sowie einen Geschäftsumzug. In der Beziehung sind meine Geschwister und ich uns dann doch sehr nahe, wir erzählen die griffigen Themen, die ans Herz gehen könnten, erst hinterher. Was bei einer Mutter, die ihre Nase in jede noch so persönliche Angelegenheit reinsteckt, vermutlich eine logische Folge ist. Sei’s drum. Das Gute, wir sind nach so einer Zeit nicht mehr beleidigt miteinander. (Was auch ewig gedauert hat, so weit zu kommen.)

Jedenfalls habe ich mir einen telefonischen Vorabstatus geben lassen, und der Zustand meiner Familie ist einmal mehr mit einem gepflegten „alle irre“ nur unzureichend zu beschreiben. (Zumindest kommt es mir so vor.)

Mama hat Papa nach dem Schlaganfall Bier ans Krankenhausbett geschmuggelt. Weil sie Angst hatte, dass er Entzugserscheinungen bekommt, denn tatsächlich ist Papa schon seit lange vor meiner Geburt Alkoholiker. Allerdings ist er dies nicht offiziell (ja, ich schüttle auch den Kopf), denn er „trinkt nur aus Gewohnheit abends mal ein oder zwei Bier“, so Mama. Das ist nur schon lange nicht mehr so, und das wissen wir Geschwister auch, haben es alle gesehen. Allerdings wissen wir nichts offiziell. Laut Mama wissen die Ärzte nicht, was Papa hat – wie auch wenn die Zwei nichts über seinen Alkoholkonsum verlautbaren lassen? (Hier bitte Augenrollen einfügen.) Natürlich durften wir entsprechend nichts von der Schmuggelei erfahren. Wie kam es heraus? Papa war so stolz auf seine Frau, die sich so um ihn sorgt, dass er die Schmuggelstory meinem Bruder erzählt hat, weil Papa vergaß, dass er es nicht verraten sollte, weil seit dem Schlaganfall sein Kurzzeitgedächtnis nicht mehr richtig funktioniert. (Es gibt noch so ein paar Geschichten aus den letzten Wochen.)

Ich habe keine Ahnung, ob ich lachen oder weinen soll. Am Telefon vorhin lachte ich noch, weil es einfach so absurd und doch wieder so passend ist. Mama und Papa sind…einmalig. Unfassbar, wie die beiden sich immer absolut loyal gegenseitig den Rücken frei hielten und immer noch halten. Wie sie sich lieben, wie sie einfach alles für den Anderen bzw. die Andere tun würden. Und gleichzeitig bricht es mir das Herz, weil Mama mit ihrem alles beherrschenden Willen diesmal nur scheitern kann, ja, scheitern muss.

Papa wird nicht wieder Autofahren können, egal, wie sehr Mama es sich wünscht. Sie kann den Haushalt und alle Besorgungen nicht mehr alleine stemmen, egal, wie sehr sie es will. Die Lebenssituation wird nicht so bestehen bleiben können, wie sie bislang war, egal, wie sehr sie das möchte. Ihre Selbstständigkeit wird kleiner werden, weil es körperlich und logistisch nicht mehr anders möglich sein wird. Das Haus ist nicht altersgerecht umgebaut, momentan verweigern sie jedoch hier tätig zu werden. Es wird Pflege- oder zumindest Haushaltshilfe notwendig sein, spätestens nach der Reha, die beantragt werden muss. Die Kraft, die meine Mutter investiert, um dieses ganze Gebilde rund um Papa, den Alkoholismus und das anständige Leben aufrecht zu erhalten, ist enorm. Einfacher wäre uns ins Boot zu holen, so lavieren wir halt weiterhin drum herum. (Das Thema ansprechen? Been there, done that, mache ich nie wieder.)

Und dass kein falscher Eindruck entsteht: es ist die freie Entscheidung meiner Eltern gewesen, ihre Beziehung und ihr Leben so zu gestalten wie sie es tun. Es war und ist ein gutes Leben – meine Mutter hat die im Nachkriegsdeutschland durchaus übliche gewalttätige Spirale, der sie und mein Vater in ihren Elternhäusern ausgesetzt waren, durchbrochen. Die beiden haben es geschafft, uns Kindern zu zeigen, dass Liebe so viele Gesichter haben kann, und dass Beziehung auch Arbeit ist und dass sich das verdammtnochmal lohnt.

Nur, wir sehen, ich beobachte, wie es sich ändert, wie den Eltern der Einfluss auf die Lebensgestaltung entgleitet. Meine Schwester scheut derzeit eine Auseinandersetzung, mein Bruder besteht fast nur noch aus Auseinandersetzung und alle verhalten sich wie die aufgescheuchten Hühner. Was notwendig ist, ist ein Gespräch darüber, wie meine Eltern ihren Lebensabend gestalten wollen, jenseits von „Wir wollen nur beieinander sein und unsere Ruhe haben“.

Meine Mutter muss lernen, um Hilfe zu bitten und Verantwortung abzugeben, um mit Papa zusammen wieder freier und selbstbestimmter leben zu können. So paradox sich das auch anhören mag. Und wir brauchen eine pragmatische Lösung jenseits von gefühls- und angstgeführten Vorwürfen, wie sie in (unseren) familiären Diskussionen so oft auftauchen und die man ja auch nicht ausschalten kann. (Und das hört sich gerade sehr nach Parteipolitik an, aber innerlich wappne ich mich schon für das Gespräch, das ich mit dem mir ewigwährenden immanenten Schutz des Nesthäkchenstatus angehen werde.)

Das Altern der Eltern ist nichts für Weicheier, Kinder.