10122018.

#frauleinzuhaus

Nebenfach Kunstwissenschaften, 1. Semester, Wie rezipieren wir Kunst, oder speziell Bilder, oder noch spezieller Fotografie? Dabei geht es nicht nur um Wahrnehmung (Was sehe ich? – Einen rosa Elefanten), sondern es geht um eine Auseinandersetzung mit dem Werk: erleben, erfahren, (miss)verstehen, (miss)deuten – also, um emotionalen und intellektuellen Zugang. Dabei können u.a. folgende Einflüsse eine Rolle spielen: (Lebens)Geschichte, Kultur, Sozialisierung, Bildung, Gefühle – sowohl der Künstlerin als auch der Betrachterin. Wir bewegen uns bei der Rezeption eines Werkes also immer auf mehreren Ebenen.

In diesem Kontext entsteht eine Art Wechselwirkung – einerseits beeinflusst ein Bild/eine Fotografie die Betrachterin und erzielt (k)eine Wirkung, andererseits ist (k)eine Wirkung erst durch den Kontext möglich, den die Betrachterin in sich selbst trägt und mitbringt. Zu sagen, dass Abbildungen uns beeinflussen ist zwar korrekt, wird aber der Komplexität des Vorgangs nicht gerecht. Als Betrachterinnen nehmen wir an oder lehnen ab, abhängig von den bereits o.g. Einflüssen. Das verstärkt oder schwächt die Wirkung von Bildern, sowohl bei Einzelpersonen als auch bei einer mittelgroßen Gruppe als auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext.

Hinzu kommt, dass sowohl gemalte Bildwerke als auch Fotografien „nur“ Abbildungen einer möglichen Realität sind. Sie zeigen „nur“einen Bruchteil einer vermeintlich objektiven Wahrheit, die jedoch geprägt ist vom Schaffen der Künstlerin und von Ihnen als Rezipientin. Noch dazu sind Abbildungen manipulierbar und Sie als Beobachterinnen sind es ebenfalls.

(Alles sehr vereinfacht, weil einerseits ist das Studium lange her, andererseits ist es nicht meine Hauptprofession und überhaupt viel zu wenig Platz hier.)

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Was hat das kunstwissenschaftliche Gefasel denn nun mit dem Hashtag oben zu tun? Dieser Hashtag entstand als Reaktion auf die von einer Marketing-Media-Agentur veröffentlichten Bilder „des Tagesablaufs einer Frau zuhause“. (So weit, so neutral.) Die Bilder befinden sich ganz in der Tradition von Stockfotografie oder Hochglanzmagazin-Fotografie: ein bestimmtes Lichtschema, das sehr hell und freundlich wirkt. Die Hauptprotagonistin ist auf jedem Bild als lachender Sonnenschein abgebildet, der viel Freude und Leichtigkeit versprüht. Es wird ein gut gelauntes Kind gezeigt, das huckepack getragen wird oder von während des Frühstücks gemeinsam mit der Mutter lustigen Quatschkram macht oder gar mit ihr auf dem (Eltern?)Bett rumhopsen darf. Die Ausstattung des Heims scheint modern und von hoher Qualität zu sein. Dank elektronischer Fortschrittlichkeit arbeitet die Mutter von zuhause aus. Eine Partnerin ist nicht abgebildet, ein Partner übrigens auch nicht.

Die Idee, die diese Werke (wahrscheinlich) transportieren sollen, ist eine, die davon erzählt, dass es heutzutage für jede Frau möglich ist, ein Leben voller Leichtigkeit und Sonnenschein zu führen, dass Haushalt, Kind und Arbeit easy-peasy zu vereinbaren sind und frau dabei zudem noch fotogen und strahlend aussehen kann/soll. (Die Shorts, in denen die gute Frau die ganze Zeit rumhüpft, habe ich noch gar nicht erwähnt, oder?)

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Dass die Wirkung der veröffentlichten Bilder, zumindest in meiner Filterblase, eine gänzlich andere war bzw. ist, dürften Sie bis zu dieser Stelle nun wahrscheinlich mitbekommen haben.

Die Realität, die uns diese Fotografien widerspiegeln, mag vielleicht in einer anderen sozialen Klasse, in einer anderen Gesellschaftsschicht, in einer anderen Filterblase existieren. Sie ist jedoch nicht allgemeingültig.

Wenn ich das veröffentlichte Bildmotiv „Arbeiten im Homeoffice“ mit meiner momentanen Situation „Schreiben am Küchentisch“ vergleiche, dann ist der Küchentisch tatsächlich die einzige Gemeinsamkeit: statt Deko stehen neben mir ein Teller mit Lasagne- und Salatresten, statt einem Glas Wasser eine Plastikpulle Spezi einer Billigmarke, ganz zu schweigen davon, dass ich mit Gürtel-und-Hose-offen hier rumlungere, weil die 5-Monats-Plautze keinen Platz mehr hat. Ich lache auch nicht, es ist zudem nicht hell und freundlich um mich herum, sondern winterlich grau, geschminkt bin ich ebenfalls nicht, dafür aber erkältet und das sieht man mir auch an. (Außerdem liegen hier Socken auf dem Tisch und ich weiß beim besten Willen nicht, wieso.)

Da nun die Darstellung nicht allgemeingültig ist, und es auch nicht sein kann, was ist also notwendig, um ein möglichst detailgetreues Abbild vieler möglicher Lebensrealitäten zu erhalten?

Genau, Diversität.

Viele unterschiedliche Abbildungen vieler unterschiedlicher Menschen in vielen unterschiedlichen Stilen und Formaten.

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Der Hashtag #frauleinzuhaus bildet die Lebensrealitäten von Frauen zuhause, im Haushalt, bei der Care-Arbeit etc. ab, als Schnappschüsse, oft nicht besonders gefällig, meistens ungeplant und aus der Hüfte geschossen, hin und wieder sehr lustig, manchmal ironisch, manchmal bitterernst, mal mit, mal ohne Kind und Kegel, persönlich gut erkennbar oder doch getarnt.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Hashtag #609060 unter dem Menschen sich in alltäglicher Kleidung im Spiegel geschnappschusst haben? Auch da ging es um Diversität, darum mehr als die eine propagierte Körpernorm wahrzunehmen.

Es geht nicht darum zu zeigen, dass Menschen, die den von den Medien propagierten Klischees entsprechen, ein unrealistisches Leben führen. Es geht darum sich bewusst zu machen, dass Bilder uns beeinflussen können. Dass sie unsere Wahrnehmung und unsere Sicht einschränken können, dass sie manipulierbar sind. Es geht aber auch darum zu sehen, dass sie unseren Blick weiten können, für andere Lebensumstände, für andere Lebensrealitäten, für Vielfältigkeiten, dass es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten von „Frau zuhause“ gibt.

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Und deswegen mag ich social media so. Weil ich da sowas wie oben in die Welt hineinschreiben kann, und es sogar noch Menschen gibt, die das lesen, und weil es solche hashtag-Aktionen gibt, die garantiert gerade einige echt nervtötend finden, bei denen es aber immer was zu lernen gibt.

*klugscheißermodusoff

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Edit: Die Initiatorin @rabensalat schreibt in ihrem Blog über ihre Sicht der Aktion und darüber, wie viel Spaß der „Quatschkram“ gemacht hat.

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07122018.

Vor ungefähr zwei Wochen verstarb im Libanon eine alte Frau.

Gestern wurde ebenda ein junger Mann im Alter von 20 Jahren gehängt.

Der Enkel und Cousin dieser beiden Menschen lebt seit etwas mehr als zwanzig Jahren hier. Er ist mein Kollege. Er hat ein großes Herz und immer ein Lachen für dich, für mich und für alle anderen übrig.

Er sagt, das Leben gehe weiter, es müsse ja, für seine Frau und seine Kinder. Das gehe nur mit einem Lachen.

Aber zum Weinen bleibe er alleine.

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Dieser großzügige liebenswerte weise Mann.

19112018.

Wenn ich hier jetzt schreiben würde „gut gelaunt aufgewacht“, dann wäre das zwar nicht direkt gelogen, aber doch übertrieben. Ich schlafe gerne, gerne auch viel und gerne lange, jedoch in letzter Zeit macht mir das Aufstehen Spaß.

Eine eher ungewohnte Erfahrung, weswegen ich das schon genieße.

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Le Wuff und ich begannen den Tag mit dem kürzeren unserer Blocklandspaziergänge. Es war grau und wir waren alleine unterwegs. So muss das im November.

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An einem Gewinnspiel teilgenommen und einen goldenen Armreif gewonnen.

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In die Stadt gefahren und Spielzeug für den Mann und mich gekauft. Eine Xb0x mit zwei Controllern und dem ein oder anderen Spiel dazu. Wir haben uns wie die Kinder gefreut beim Auspacken.

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Nachmittags lange mit dem Hund auf dem Sofa geschlafen. Es tat so gut.

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Ein ziemlich guter Urlaubstag.

18112018.

Den Tag begonnen mit warmen Croissants und Kaffee im Bett, dazu Hund kuscheln und das Internet leer lesen.

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Zwei Stunden durch Sonne, Raureifgeglitzer und das Blockland spaziert. Die lustige Berner Sennenhündin wiedergetroffen, die wohl unsäglich in meinen Mann verschossen ist, denn sie wollte sich gar nicht wieder von ihm trennen. Nicht das erste Mal. (Wir beide würden sie sofort einpacken: die hat noch mehr Fell als unserer, ist noch fauler, hört noch schlechter, aber zusammen sind sie ein Herz und eine Seele.)

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Zuhause den Garten wiederholt von den Blättern des alten Walnussbaumes befreit. Jetzt ist auch bei uns der Garten endgültig winterfest. Die immer noch nicht verblühten Blumen dürfen bleiben wie sie sind, Rückschnitte erfolgen dann im Februar.

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Eine Wickelkommode via Kleinanzeigen für wenig Geld erstanden und abgeholt. Der Einblick in andere Familienleben und Häuser ist mitunter ein culture clash.

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Schwarzwälder Kirschtorte für mich und den Mann geholt. Und verspeist.

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Auf der Straße gegenüber dem Wildparker vom letzten Jahr derart laut geworden, dass der Nachbar aus unserer anderen Haushälfte ebenfalls auf der Bildfläche erschien.

Es ist November, alle haben die Fenster zu, Sie haben nun also eine Vorstellung wie laut es wird, wenn ich wütend bin. (Die Wut ist noch immer in mir und wird weiterhin getriggert, wenn mich jemand für blöde verkaufen will. Ich wäre so gerne großzügig, würde solchen Situationen so gerne mit Humor begegnen, allein ich befinde mich dann in einem Tunnel, in dessen Durchfahrt ich derart beschleunigt werde, dass ich links und rechts keinen Ausweg sehe.)

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Den Abend sehr versöhnlich mit Pasta Arrabiatta und einem Western der Coen-Brüder verbracht.

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Erkenntnis des Tages: ich bin voller Wut und Leidenschaft, die ich nur noch kanalisieren muss. Am besten nicht in Gewalt und Mord.

Was schön war: die Weite des Landes, das Licht und das Geschnatter der letzten reisenden Wildgänse.

29102018.

Ich habe das, glaube ich, schon einmal geschrieben. Hier oder bei Twitter, keine Ahnung.

Es ist ein so gutes, so befriedigendes Gefühl, morgens wach und energiegeladen aufstehen zu können, ohne Angst zu haben. Ohne diese innere Schwere, die einen unerbittlich im Bett halten will, um sich nicht dem Leben stellen zu müssen. Es tut so gut, erahnen zu können, wie leicht das Leben sein kann.

Die Dunkelheit aus diesen alten Zeiten ist zwar immer noch da, in einer schweren Truhe, quasi auf dem Dachboden eingemummelt. Und sie wartet darauf, sich wieder über mein ganzes Haus ausbreiten zu können, mit nachtschattenschweren Schwingen alles einzuhüllen.

Und dann werde ich wieder versinken, in einen dunklen Teich und dem Nöck, der dort lebt, Gesellschaft leisten, und weder Sterne noch Mond sehen. Ich werde in den Algen untertauchen, und das Leben wird mich von oben zu ködern versuchen, und wenn ich es wieder hören kann, werde ich wieder aufsteigen, mich abtrocknen, schütteln und weitergehen.

Aber nicht heute. Heute habe ich ein bisschen Frühling im Herz und Leichtigkeit im Schritt, wenn ich gehe. Es ist heute das gute, das einfache Leben, ohne Zweifel oder Angst.

20102018.

Der kleine Hund hat Flöhe mit nach Hause gebracht. Wir vermuten, dass er die von der wöchentlichen Hundespielstunde eingeschleppt hat, die zwar von einer Hundeschule veranstaltet wird, bei der man einen Gesundheitsnachweis vorlegen muss, diesen aber nur für feste Kurse bzw regelmäßige Ausbildungsstunden. Die Spielstunde ist hingegen für alle frei und zugängig, Mitgliedergewinnung halt.

So sehr mich das heute auch geärgert hat, ändern konnten wir es nun auch nicht mehr. Immerhin scheinen wir es früh genug mitbekommen zu haben, so dass wir hoffen, mit Shampoo und Umgebungsspray sowie exzessivem Wäschewaschen, der Lage Herr zu werden. (Ich musste sehr an die Mütter meiner twitter-Timeline und diverse Kiga-Läuse-Situationen denken. Der Trockner ist gemeinsam mit der Waschmaschine heute mein bester Freund.)

Und ja, ich habe heute sehr bereut, dass der kleine Hund nicht nur aufs Sofa darf, sondern hin und wieder auch ins Bett. Irgendwas ist ja immer.

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Positiv an der ganzen Sache: ich war heute fit genug, dass ich so viel machen konnte wie seit Wochen nicht. Keine unterschwellige Übelkeit, keine Schonkost, sondern richtig gutes selbstgekochtes Essen. Was ein Luxus.

Überhaupt, das waren gestern und heute sehr goldene Tage. Es hat sich meine Wahrnehmung der Ereignisse verschoben, das Universum ließ fließende Übergänge und Lösungen zu und es war einfach leicht, das Leben. (Spiritueller Exkurs: Meditationskarten sind super. Habe ich damals, als ich Hannover verließ, von der Chefin geschenkt bekommen und es ist eines besten Geschenke meines Lebens. Da ich dazu neige viel zu grübeln und mich zu verlieren, sind diese Impulse so wertvoll, um aus diesen dunklen Ecken heraus zu finden.)

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In unserem Garten ist Remmidemmi: die Eichhörnchenfamilie plündert nachwievor den Walnussbaum, die Raben haben die Elstern des Grundstücks verwiesen und knacken zudem ebenfalls fleißig Nüsse, und die Blau- und Kohlmeisen haben das Vogelfutterhaus für sich entdeckt. Währenddessen klopfte der Specht Löcher in unser Gartenhaus. Nunja.

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Voll das Leben hier.

13102018.

Mir träumte vor einigen Tagen von einer Umarmung, so groß und schützend, dabei so leicht und Raum gebend.

Sie war derart perfekt für mich, dass mir die Worte dafür fehlen.

Heute früh im Halbschlaf, nach dem Auftauchen aus anderen Träumen mit viel Meer und Seefahrt, erwischte ich mich, wie ich mich versuchte in den Traum von vor ein paar Tagen zurück zu träumen.

Was leider nicht funktioniert hat. Zudem bezweifle ich, dass es sich bei einer Wiederholung genau SO wieder fühlen würde.

Es bleiben ein Bild, eine Erinnerung übrig.