18112019.

Manche Tage sind so stimmungstief, dass man sie einfach los und laufen lassen muss.

Vielleicht kommen sie dann ja zurück.

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With the flow.

Wutausbruch, rundumschlagend.

tl;dr – es geht um (meine) Periode und was sie mit der Arbeitswelt zu tun hat oder haben könnte, und weshalb sie politisch ist obwohl ich das nicht möchte. Selbstverständlich alles meine ganz persönliche Meinung.

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Sehen Sie, heute früh stand ich unter der Dusche, übermüdet, hungrig, unterkoffeiniert und regelblutend.

Und mich überkam das heulende Elend, weil ich Unterleibsschmerzen aus der Hölle hatte habe, weil seit der Geburt kein Tampon, keine Binde dieses (gefühlte) Übermaß an Blut mehr aufnehmen kann und weil allein der Gedanke an Tampons mich schmerzhaft zusammenzucken lässt. It’s all an absolute pain in the ass.

Danach überkam mich die Wut.

Sie fragen sich jetzt, weshalb Sie derartige Unappetitlichkeiten hier lesen müssen? Nun, weil es mich beschäftigt und ungefähr die Hälfte der Gesellschaft betrifft, und es herrgottnochmal nicht unappetitlich, sondern normal ist.

Das darauf folgende Gedankenmischmasch bestand aus Schmerzmitteln, welche und wie viele heute?, der Frage nach künftiger Verhütung, wieder hormonell?, und wie dieses verf*ckte System wohl ausschauen würde, wenn sich nicht täglich die Hälfte der Menschheit zusammen reißen und unter Drogen setzen würde, um zu funktionieren.

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Ich habe begonnen die Pille zu nehmen, da war ich 14 Jahre alt, wegen Regelschmerzen, unreiner Haut und unregelmäßigem Zyklus. Das war einfach so, ist richtig und gleichzeitig falsch. Mit dem Wissen und der Erfahrung von heute, würde ich das einer Teenagerin nicht mehr empfehlen, und doch hat es zumindest bei zwei von drei der oben genannten Punkte geholfen. Später kam noch die eigentliche Verhütungsfunktion hinzu.

So lief das ungefähr zehn Jahre lang, immer mit Schmerzen verbunden, Kopfschmerzen, migräneartige Anfälle, Krämpfe, die ganze Bandbreite. Ich gehe davon aus, dass 95% der Mitleserinnen wissen, wie sich das anfühlt. Und das unabhängig von meinem Verhütungsmittel. Denn auch als ich die Pille absetzen musste, weil gar keine Blutung mehr vorhanden war, und meinen Körper auf „Normalhormonstatus“ zurück gefahren habe, blieben immer diese abartigen Schmerzen. Trotz sehr gesunden Körpers, wie mir diverse Gynäkologinnen bescheinigten.

Danach blieb ich ungefähr zehn Jahre pillenfrei, habe jedoch bis zu meiner Schwangerschaft weder einen geregelten Zyklus noch „gesunde“ Blutungen gehabt. Auch das war alles andere als gesunder Durchschnitt. Vermutlich bin ich jetzt im Zustand „Normal-Null“ angelangt, also so wie mein Körper von Natur aus funktionieren sollte.

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Hier kommt jetzt noch die gesellschaftliche Komponente ins Spiel. (Jaja, das war’s noch nicht.) Aufgrund all dieser Schmerzen habe ich teilweise ein bis drei Tage im Monat in der Schule, bei der Arbeit oder im Studium gefehlt oder habe mich mit Schmerzmitteln betäubt eben doch hingeschleppt, dann aber sicherlich nicht die volle Leistung gebracht.

Bei den guten Arbeitgeberinnen war das meist kein Problem, denn da griff oft die Regel „Krankschreibung erst ab dem 3. Tag“ – bei den prekären Arbeitsstellen, bspw während meines Studiums oder nach meiner Arbeitslosigkeit, sah das anders aus. Dort war ich recht schnell ein Problemfall, trotz sehr guter Leistung. Auch in der Stelle, der ich vor drei Jahren mein Burnout zu verdanken hatte, waren Ausfälle nicht vorgesehen – schon gar nicht in den sog. „(Junior) Management“-Stellen (über Sprache in Unternehmen sollten wir uns auch mal unterhalten).

Aufgrund „mangelnder Belastbarkeit“ wurde mir nahegelegt Abteilungen zu wechseln oder Arbeitszeiten zu reduzieren oder etwas ganz anderes zu machen, sprich die Firma zu verlassen.

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Es wird komplexer. Von der Ich-Erfahrung zu abstrakter Theorie. –

Vor ein paar Tagen geisterte eine Kolumne durch die Sozialen Medien, in der gefragt wurde, wie radikal es sei, sich als Frau heutzutage gegen Karriere zu entscheiden und die Arbeit nicht zum Lebensmittelpunkt machen zu wollen. (Sie dürfen sich die Frage selbst beantworten.)

Die folgende Diskussion stellte u. A. die Frage, was daran radikal sei, keine Karriere machen zu wollen und „nur“ Teilzeit anzustreben, wenn das doch die beiden Optionen sind, die für Frauen heutzutage gesellschafts-strukturbedingt quasi als Standardeinstellung gelten? (Sie dürfen sich die Frage selbst beantworten.)

Die Frage, die sich für mich daraus folgend stellt, lautet:

Habe ich überhaupt eine echte Wahlfreiheit?

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Ich versuche hier gerade den Übergang zu treffen, aber wie im analogen Leben geht mir die Luft aus, weil einfach die Kraft fehlt gegen diesen ganzen Wahnsinn noch anzukämpfen. Überall Windmühlen.

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Mir bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn ich Nachrichten darüber lese, dass ein Verhütungsmittel für den Mann angeblich nicht frei gegeben wird, weil die Probanden Schwindelgefühle davon bekommen. Are you kidding me?!

Mir bleibt das ganze Karrieregedöns im Hals stecken, wenn ich wählen muss, zwischen gesund bleiben oder mich selbst zugrunde richten. Nochmal, are you f*cking kidding me?!

Ich habe auch keine Lust mehr, mich für meine Wahl – Teilzeit, Vollzeit, Karriere, Kinder – und warumweshalb rechtfertigen zu müssen, ob das nun feministisch ist oder nicht, ob strukturbedingt oder faulheitsbedingt oder nichts davon. ICH ERWARTE EURE SOLIDARITÄT, B*TCHES – EGAL, WIE ICH MICH ENTSCHEIDE! Ihr habt meine schließlich auch obwohl ihr mir mit eurem Vollzeitjob-ist-die-einzig-wahre-Karriere-und-nur-so-geht-Feminismus-Geschwafel voll auf die Eier geht.

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Meine f*cking Periode, so privat sie auch erscheinen mag, ist f*cking politisch – denn es gibt keine (kaum, zu wenige) Medikamente und/oder Verhütungsmittel, die mich ohne größere Risiken oder Langzeitnebenwirkungen gesellschaftstauglich machen und halten.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich ein System, das meinen (unseren) schwächsten Zustand zu seinen Gunsten ausnutzt, für nicht erstrebenswert halte und eigentlich nicht (mehr) unterstützen möchte.

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Noch eine Wärmflasche wird nicht helfen.

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Ergänzung:

– Es ist nur ein kleiner Mosaikstein in einem großen Themenkomplex und nicht die vollständige, alleinige Wahrheit.

– Die Überschrift passt auch nicht mehr wirklich zur Tonalität des Textes, weil ich ungefähr die Hälfte des Rants in meinem Kopf während des Duschens ausgelassen habe und garantiert fehlt zwischendrin noch die ein oder andere Brücke zwischen den Gedankengängen.

– Bleibt sich alles gleich, es ist nun einmal ein Teil meiner persönlichen Wahrnehmung.

17112019.

Ich habe mich in den letzten Wochen vermehrt im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich aus dem Fenster gelehnt, nicht provozierend, sondern um meine Ängste abzubauen.

Und was soll ich sagen? Die mit weitem Abstand dickste und fetteste Klatsche habe ich heute bekommen.

Reicht jetzt auch wieder mit Verletzlichkeiten zeigen.

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Immer mitten in die Fresse.

16112019.2

Gerade erfahren, dass unsere Doppelhaushälftennachbarn ihre Doppelhaushälfte verkaufen werden. Und dass sogar sehr schnell und konkret, die Anzeige ist schon scharf geschaltet.

Das macht uns niedergeschlagen, denn wie oft findet eine schon Nachbarn mit denen es auf Anhieb klappt und das Verhältnis ein gutes, gar herzliches ist?

Wir versuchen jetzt das Kopfkino im Zaum zu halten und hoffen, wie gewohnt, das Beste.

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Nichts bleibt gleich.

16112019.

Ich habe die Nacht auf dem Sofa verbracht und das erste Mal seit längerem wieder entspannt durchgeschlafen. Im eigenen Haus. Ohne Babyhand auf oder in der Nase. Ohne skurrile Geräusche. Mit Platz. Unter der eigenen Decke.

(Die Übernachtung in Hannover fällt unter den Tisch, weil auswärts und ohne erschwerende Komponenten.)

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Der beste Freund aus Studientagen wird, sehr überraschend für alle, nun auch Vater. Es ist großartig, und wenn ich jemandem die Elternrolle gönne und zutraue, dann ihm.

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Wahrscheinlich schenke ich ihm einfach Oropax. Viel davon.

15112019.

02:13 Uhr.

Der kleine Hund hat das erste Mal seit langem wieder seine Gewohnheit aufgenommen und uns im Schlafzimmer besucht, um hier auszuschlafen.

Natürlich stehe ich dann auf und hole seine zweite Hundedecke aus dem Nebenzimmer, damit er nicht auf dem kalten Boden liegen muss.

(Ich freue mich gerade sehr. Das hat mir nämlich gefehlt.)

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Heute Gestern zweierlei nicht miteinander zusammenhängende Feststellungen:

Die eine: Ich habe, dank der Schwiegermutter, ausreichend Wollsocken in verschiedensten Farben, um sie passend zu meinen Tagesoutfits auszuwählen.

Die andere: Wer „Ekel Alfred“ lustig findet, wird von mir sofort entfolgt, geächtet und vom Hof gejagt. Diese Männerfigur ist für den Untergang des Abendlands verantwortlich verkörpert für mich alles was in unserer Gesellschaft schief lief bzw noch immer läuft, angefangen beim Umgang mit Ehefrau und Tochter bis hin zur konservativ-kleingeistigen Denkweise. Und dass es noch immer Personen gibt, die dieses Denken und Gebaren unreflektiert lustig oder gar richtig finden, sagt mehr über unseren den Geisteszustand und die Übernahme vermeintlich nicht-ernst-gemeinter Rollenbilder aus als uns lieb sein kann.

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Im Garten weiterhin emsiges Treiben der Vogelschar: Buntspecht, Eichelhäher, diverse Kohl- und Blaumeisen, Rotkehlchen, Singdrossel. Keine Amseln.

Hinzu gesellen sich diverse Eichhörnchen und seit neuestem auch sehr freche Mäuse, die sich bis auf die Terrasse vorwagen.

Ich ziehe nun tatsächlich die Anschaffung einer Katze in Erwägung, was die Vogelpopulation vermutlich weniger begeistern würde.

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Kommt Zeit, kommt Rat.

14112019.

Immer wieder stelle ich fest, wie durchdacht unser Haus geplant und gebaut worden ist. Die Besitzerin vor uns war Bauingenieurin (kein generisches Feminin, sondern tatsächliches) und hat vielleicht nicht alles schön, aber praktisch umgesetzt.

Das „schön“ und „ästhetisch ansprechend“ haben wir dann gemacht, jedoch auch das liegt ja immer im Auge der Betrachterin.

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Der Mann hat von einem Neubaugebiet in einem bestehenden Stadtteil und den Preisen für einen Neubau dort erzählt und herrje, ich wusste nicht, dass es SO schlimm ist.

Als wir vor zweieinhalb Jahren das Haus gekauft haben, waren die meisten unseres Freundeskreises der Überzeugung, das sei zu früh (für sie) und der Markt würde sich schon wieder beruhigen, das könne ja nicht ewig so weiter und hier sei das ja nicht so schlimm wie anderswo. Aktuell suchen nun genau diese Freunde und Freundinnen und verzweifeln entweder ob des Preises, ob der Lage oder wegen beider Komponenten.

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Wir sind Glückskinder.

Der Quietschboy ist heute sechs Monate alt.