23012020.

Schlecht geschlafen, oft unterbrochen, wunderbar geträumt.

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Ein Traum aus den 20ern, wild, trunken von Liebe, so viel Lebensfreude und Lachen, shenanigans und flüsternde Leichtigkeit, voller Verheißung auf das, was noch kommen mag, nach so einer Nacht.

Finished on a high note, mit Licht, das durch hohe Fenster scheint, gold auf weißen Balustraden vor blauem Morgenhimmel.

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Aufgewacht in einer Realität, in der ein Kind, mein Kind, eine lange Stunde durchbrüllt, gesättigtgewickeltausgeschlafen, ohne sich beruhigen zu lassen, ohne die Wechselarme des Mannes, ohne Reaktion auf Ablenkungsversuche, die Töne peitschen ins Unerträgliche, der Hund ist längst geflüchtet und in mir drin verhärtet sich der Knoten der „unfähigen Mutter“, ich zweifle und hadere, letzten Endes ist es nun auch egal, ich lege das Kind ab, gehe duschen, weiß ich ihn doch sicher, Selbstfürsorgesowichtig, aus der depressiven Zeit blieb die Erkenntnis, dass die Dusche morgens wörtlich überlebenswichtig für mich ist, „wenn ich das schaffe, ist es noch nicht so schlimm, dann schaffe ich auch den Rest des Tages“, währenddessen fliegt der Nazgul durch das Kinderzimmer, ich mache mir Vorwürfe, Rrrabenmutter, Rrrabenmutter, den Sohn allein zu lassen, die Dusche keine Wohltat heute, jedoch ich bin sauber und wohlriechend, fühle mich wie ein Mensch, allerdings wie ein schlechter, heute keine Achtsamkeit, keine Beziehungsorientierung, nachdem das Kind sich beruhigen lässt, wird eine Stunde hysterisches Weinen vergangen sein, die sich anfühlte wie ein Tag.

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Die anderen, also alle, mögen schweigen. Für immer.

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Wieder in den Traum zurück. Bittedanke.

22012020.

Frage:

Wie lange dauert es bis ich wieder das Badezimmer nutzen kann, ohne dass a) das Baby nach mir brüllt b) der Hund vor der Tür auf mich wartet c) der Gatte mich irgendwas fragt oder d) all of the above?

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Erwähnte ich schon, dass es derzeit mühselig ist?

(Mühe macht nicht selig.)

21012020.

Der Tag gestern endete, vielleicht begann auch der Tag heute da bereits – ich weiß es nicht, mit Heulerei in der Nacht, weil. Es. So. Verdammt. Anstrengend. Ist.

Mit stressbedingten Kopf- und Bauchschmerzen aufgewacht. Mich krank gemeldet.

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Blauregen und Hundsrose bestellt, das hebt die Laune.

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Schrieb ich neulich noch, dass ich mir viele Ideen und Aufgaben für mich gemacht habe, die ich auch durchführen will, fehlt mir derzeit jegliche Energie, weil. Alles. So. Verdammt. Anstrengend. Ist.

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It’s January after all.

19012020.

Ich habe heute die erste größere Zeitspanne des Jahres im Garten verbracht.

Lassen Sie es mich so formulieren:

Es sieht so aus, es fühlt sich so an und es riecht auch so, als wären wir ungefähr einen bis zwei Monate weiter.

Die Rosen treiben aus, ebenso der Edelflieder und der Sommerflieder, außerdem Himbeeren und Johannesbeeren. Die großen und kleinen Hyazinthen strecken genauso die Blätter raus wie die Narzissen, bei den Schneeglöckchen sieht man schon die Köpfe. Der Lavendel hat neue Blätter, der Kirschbaum auch und die Magnolie und der Holunder und…

Der Frauenmantel ist, von zwei Blättchen abgesehen, über die vergangenen Monate verfault. Sonst nichts eingegangen, erfroren oder ähnliches.

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Ich glaube nicht (mehr) daran, dass es in dieser Wintersaison nochmal richtig kalt wird. Kleinere Nachtfröstchen vielleicht, jedoch nichts nennenswertes.

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Ein bisschen wünsche ich mir, dass ich Unrecht haben werde, denn das ist viel zu warm, viel zu untypisch (oder?) und an die Mückenplage im Sommer mag ich gar nicht denken. Die sind nämlich garantiert nicht weggefault.

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Vielleicht künftig doch mehr Sukkulenten und Wüstengewächse?

18012020.

Ich bin jedes Mal sehr „froh“ darüber, wenn ich auch bei anderen Eltern von Schlafproblemen und Einschlafbegleitungsärger lese. Es lässt mich weniger allein fühlen.

Umso mehr freue ich mich mit den Eltern und ihren Kindern dann auch, wenn es wieder geschmeidig läuft.

Ich liebe meine kleine Familien-Blogbubble für ihre mutige Offenheit, auch bei anderen Themen.

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Analog habe ich angefangen etwas zu schreiben und ganz vielleicht veröffentliche ich irgendwann mal einen Teil davon hier.

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Geht grad so.

17012020.

Die Nächte teilen sich derzeit auf in Blöcke – drei Stunden schlafen, zwei Stunden wach, drei Stunden schlafen.

Es ist anstrengend. Für alle – für den Mann, der arbeiten muss, für mich, die ich zuhause bleiben muss, für das Kind, das da irgendwie durchbegleitet werden muss.

Viel müssen, eine andere Organisation ist nicht sinnvoll und so sind es eben die Mühen der Ebene, die derzeit unsere Tage bestimmen anstelle der Leichtigkeit.

Passt schon so, wird wieder.

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Bekanntlich nähe ich in meiner spärlichen Freizeit, typisch Hausfrau halt. Für dieses Jahr habe ich mir einen sog. „temperature quilt“ vorgenommen, d.h. ich habe Stoffe in bestimmten Farben einer bestimmten Temperaturspanne zugeordnet und entsprechend der durchschnittlichen Tagestemperatur, according to the Deutsche Wetterdienst, werden diese dann zugeschnitten und in Reihenfolge der Tage zusammen genäht.

Und sagen wir so: die paar senfgelben Felder im Januar für über 10°C Durchschnittstemperatur knallen nicht nur ganz schön zwischen den bisherigen Blautönen, sie wirken auch recht fehl am Platz.

(Auf insta habe ich übrigens einen kleinen Zweitaccount nur für die Näherei – zu finden in der Bio meines Erstprofils. Ich möchte Ihnen da vor allem die Accounts ans Herz legen, denen ich folge. Dabei sind einige Frauen, die mit Stoff und Garn mehr Kunstwerk denn Hobbywerkstück herstellen.

Und manchmal denke ich, hätten wir die letzten mehreren hundert Jahre in einem Matriarchat gelebt, wäre vielleicht das weiblich dominierte Kunsthandwerk aus Nähen, Sticken und Co. die Mainstream-Kunst anstelle der Malerei. Aber wer weiß das schon so genau.)

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Der kleine Hund ist weiterhin und schon lange nicht mehr klein, das wissen Sie ja. Er ist die gute Seele der Familie und lässt sich nur durch wenig aus der Ruhe bringen. Selbst von Babygeschrei der Kategorie „Nazgul“ nicht.

In ein paar Tagen wird er drei Jahre alt und er bleibt der Beste aller Hunde.

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Durchwurschteln.

16012020.

Ich las gerade den Satz, dass „die ersten drei Jahre mit einem Kind gleichzeitig Über- und Unterforderung“ für eine Person sind. Das unterschreibe ich so.

Es fällt mir schwer mich mit Kleinkind-Interessen zu beschäftigen, bspw auf dem Boden zu sitzen und zu spielen, den gleichen Turm immer wieder aufzubauen, denselben Ball immer wieder zu rollen, aber auch mein Kind zu „lesen“, es zu verstehen und zu durchdringen, was genau möchte es, wie ist es drauf, wie kann ich ihm gerecht werden? Das erstere unterfordert mich, das letztere überfordert mich. Es ist ein schmaler Grad auf dem eine Mutter (die wenigen Väter sind mitgemeint) sich in der langen Elternzeit bewegt (die Väter, die nur 2 oder 3 Monate parallel zur Mutter zuhause bleiben, sind nicht mitgemeint – denn ganz ehrlich, die Decke fällt dir erst ab Monat 5 oder 6 so richtig übel auf den Kopf) und ich gebe gerne zu, dass es mir am liebsten ist, wenn der Quietschboy selbstständig seine Babydinge macht und einfach ein happy Baby ist.

Ich bin nach nun zwei Wochen also sehr froh über das HomeOffice-Jöbli, das mir erlaubt mich mit anderen Themen zu beschäftigen, die zwar nicht hochkomplex sind, die jedoch eine willkommene Fingerübung sind, um in bürotauglicher Form zu bleiben. Zusammen mit der schon länger bestehenden Quiltnäherei und auch dem Masterclass-Abonnement, das ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt habe, ist das ein guter Gegenpol, um nicht zum äh,… Mombie zu mutieren.

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Der Mensch benötigt Aufgaben, um das eigene Leben mit Sinnhaftigkeit zu füllen.

Wie ein Mensch diese Aufgabe definiert, woher sie kommt, wie sie gerechtfertigt wird, wie sie umgesetzt und mit Leben gefüllt wird, das sind höchst individuelle Entscheidungen, Ideen und Ansätze. –

Auch ausschließlich zu existieren, ohne „zu tun“, das pure Sein, ist eine Aufgabe. Es gibt kein Richtig und Falsch, es gibt (vielleicht) allerhöchstens ein Passend und Unpassend.

Und am Ende steht eine ebenfalls höchst persönliche Erkenntnis – habe ich MEIN Leben gelebt oder nicht?

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Wenn ich mir diese meine Erfahrungen und und diese Gedanken als „Roten Faden“ nehme, dann kann es mir schlussendlich wurschtegal sein, wie andere Eltern ihre Kinder erziehen, wie andere Mütter ihre Elternzeit erleben oder wie andere Väter das Zuhause-Bleiben gestalten – oder eben nicht.

Dann kann ich mich zurücklehnen, mich entspannen und das Wissen genießen, dass ich genau das mache und lebe, was für mich und meine Familie am passendsten ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und vor allen Dingen kann ich dann zusätzlich andere Eltern darin unterstützen und bestärken ebenfalls die für ihre Familie passenden Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie diametral entgegengesetzt zu meinen sind. Ohne mich angegriffen zu fühlen oder mich verteidigen zu müssen.

(Furchtbar schwer umzusetzen, ich gebe es zu.)

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Der Mensch ist freien Geistes, freien Gewissens, freien Glaubens. – Alfred Delp